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Vereine stemmen sich gegen höhere Hallengebühr

Pläne aus dem Rathaus stoßen auf heftige Kritik. Nun hoffen die Sportvereine auf Einsicht bei den Stadträten.

© Andreas Weihs

Von Harald Daßler

Heiko Heinrich ist entsetzt. „So macht die Stadt den Sport kaputt“, ärgert sich der Geschäftsmann, der im Ehrenamt Chef beim Sportverein Fortschritt Meißen-West ist. Aus der Zeitung hat er von Plänen des Rathauses erfahren, die Vereine für die Nutzung städtischer Hallen stärker als bisher zur Kasse zu bitten. Auch wenn das nur für Sportler zutrifft, die älter als 18 sind – beim SV Fortschritt sind das 155 Sportfreunde, die vor allem in den Abteilungen Tischtennis und Gymnastik trainieren.

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Für die Nutzung der Halle an der Triebischtal-Oberschule soll sich das Entgelt je Stunde und Feld von derzeit 10 auf 14 Euro verteuern. So sehen es die Pläne vor, über die der Stadtrat demnächst entscheiden soll. Eine erste Hürde haben sie in der vorigen Woche genommen, als es den Ausschuss für Soziales und Kultur passierte. Heute stehen sie im Verwaltungsausschuss auf der Tagesordnung.

Wie Heiko Heinrich informiert, zahlen die erwachsenen Mitglieder in der SV Fortschritt einen jährlichen Beitrag von 120 Euro. Die Pläne der Stadt könnte der Verein wohl nicht ohne Beitragserhöhungen zulasten seiner Mitglieder schultern, zumal er von seinen Einnahmen auch Umlagen an die Sportverbände sowie Kosten für einen Vereinsraum und das Unterhalten des Kunstrasen-Fußballplatzes bestreiten muss. Sollte das Rathaus seine Pläne so wie bislang bekannt umsetzen wollen, drohe dem Verein aus finanziellen Gründen der Verlust eines Drittel seiner Mitglieder. Im Vereinsvorstand waren sich die Fortschrittler am Montagabend einig, das nicht kampflos hinzunehmen. „Bei der nächsten Stadtratssitzung am 30. April werden wir dabei sein“, kündigt Heiko Heinrich an.

Den Termin hat sich auch Paul Rinkewitz vom VfL Meißen vorgemerkt. 40 der rund 120 Vereinsmitglieder sind älter als 18 Jahre. Für deren Handball-Training in der sanierten Sporthalle am Heiligen Grund würden die Kosten auf 150 Prozent steigen. Das bleibe an den Mitgliedern hängen, sagt der Vereinsvorsitzende. Als Alternative käme Sparen in Betracht – beim Trainingsmaterial oder bei Ausgaben für das, was das Vereinsleben auch ausmacht, wie die Weihnachtsfeier oder gemeinsame Ausflüge zum Abschluss einer Trainings- und Wettkampfsaison.

Mit Mehrkosten von monatlich etwa 250 Euro für die Nutzung der Halle der Pestalozzi-Oberschule rechnet Uwe Hannß von der Abteilung Tischtennis des Meißner Sportvereins 08. Die Halle wird an drei Wochentagen von Kindern und Senioren des Vereins genutzt. Von der Fläche her ist sie für den Tischtennissport eigentlich zu klein, da die Sportler nur vier Tische aufstellen können. Bei insgesamt über 40 Sportfreunden sind dadurch die gestaffelten Trainingstage notwendig, zumal auch Wettkämpfe an diesen Tagen durchgeführt werden.

Wie die anderen Vertreter von Meißner Sportvereinen, die die SZ gestern befragte, sieht auch Uwe Hannß ein, dass die Stadt nach Wegen sucht, damit sie nicht allein auf gestiegenen Kosten sitzen bleibt. Aber das sollte maßvoll geschehen. Bei der Sanierung der Turnhalle in der Pestalozzi-Schule wurden Fußboden und Lichtanlage erneuert, was für Tischtennis-Spieler sehr wichtig ist. Dass aber keine Duschen eingebaut wurden, bleibt den Sportfreunden unverständlich. Auch deshalb finden sie die Erhöhung der Nutzungsgebühr auf 14 Euro pro Stunde „weit überzogen“, gibt Uwe Hannß die Stimmung der MSV-Sportfreunde wieder.

Bei den Speedskatern ist die Zahl der betroffenen Sportler überschaubar. Nur wenige der aktiven Sportler sowie die Fitness-Gruppe, die in der Halle der Questenberg-Schule trainieren, sind älter als 18. Die auf 14 Euro pro Stunde steigenden Hallen-Kosten werden für den Speedskate-Club Meißen derzeit nicht zum Problem, so Vereinsvorsitzende Nadja Schuster. Aber in Meißen sollte berücksichtigt werden, dass junge Leute mit 18 nicht automatisch ein eigenes Einkommen haben und deshalb weiter auf die Sportförderung durch die Stadt angewiesen sind. Deshalb schlägt sie vor, die Altersgrenze dafür auf 26 heraufzusetzen – so wie es das Kinder- und Jugendhilfegesetz im Paragrafen 7 vorsieht.