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Vereinsgeburtstag ohne Torte und Tamtam

Vor 27 Jahren wurde die Mobile Jugendarbeit in Weißwasser gegründet. Bis heute ist der Verein unverzichtbar.

Von Sabine Larbig
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Christian Klämbt ist Heimerzieher und Jugendsozialarbeiter sowie Mitbegründer und 1. Vorsitzender des Vereins Mobile Jugendarbeit in Weißwasser
Christian Klämbt ist Heimerzieher und Jugendsozialarbeiter sowie Mitbegründer und 1. Vorsitzender des Vereins Mobile Jugendarbeit in Weißwasser © Sabine Larbig

Seit 1993 funktioniert in Weißwasser etwas, was in der Berliner Straße anfing und sich zum Vorzeigeobjekt der Stadt entwickelte. Denn das 2017 eröffnete Soziokulturelle Zentrum Telux ist nicht nur neuer Sitz der Vereins Mobile Jugendarbeit. Es ist auch Veranstaltungszentrum der Stadt und Ergebnis der langjährigen Vereinsarbeit unter dem Motto: Identifikation durch Teilhabe und Mitmachen.

So finden sich auf dem Telux-Gelände Arbeitsgemeinschaften für Senioren, Kinder und Jugendliche, gibt es ganzjährig Workshops, Musik, Lesungen, Ausstellungen, Feste, Veranstaltungen für jedermann. Eng verbunden sind mit allem Projekte der sozialen Jugendarbeit. „Die laufen meist unbeachtet hinter den Kulissen. Ohne sie wäre allerdings vieles nicht entstanden“, sagt Christian Klämbt, Jugendsozialarbeiter und Vereinsvorsitzender, und meint damit die aus Holz gebauten Weihnachtsmarkt-Hütten ebenso wie den noch lange laufenden Umbau des Industriegeländes.

Für die Teilnehmer der Projekte der Jugendsozialarbeit, Jobcenter und Partner wie Ausbildungsgesellschaften sind Verein und Gelände ein Glücksfall. Zum einen, weil Strukturen nicht doppelt aufgebaut werden. Zum anderen, weil die Jugendlichen sinnvoll eingesetzt werden. Bei ihnen handelt es sich meist um mehrfach Benachteiligte, die nun handwerkliche Tätigkeiten und Alltagsstrukturen ohne Druck lernen und dabei erkennen – beispielsweise beim Berechnen von Wandfarbe oder Holzbalken – welche Bedeutung schulische Ausbildung für Alltag und Beruf haben. „Allein zwischen 2015 und 2019 konnten wir 76 Teilnehmer in schulische und berufliche Ausbildung bringen. Das hört sich nicht viel an. Wenn man weiß, mit welchen Belastungen sie kamen und 69 von Obdachlosigkeit bedroht waren, ist es ein Erfolg“, erklärt Christian Klämbt. Und: Durch Um- und Ausbau identifizieren sich die Jugendlichen mit Arbeit und Objekt. Regionale Unternehmen, die sie vor Ort arbeiten sehen, bieten ihnen Praktika, Lehrstellen und Jobs an. 

Selbst in der Corona-Krise profitieren Projektteilnehmer vom Verein, der mit dem Jobcenter Leistungen für sie beantragte. „Personell und technisch haben wir auch acht örtlichen Firmen bei der Beantragung von Soforthilfen geholfen. Alle bekamen sie“, freut sich der Vereinschef, der optimistisch in die Zukunft schaut. „Mit den Oberschulen Weißwasser, Niesky, Krauschwitz und dem Beruflichen Schulzentrum Weißwasser konzipieren wir Projekte, die Berufsorientierung, Handwerk und Schule verbinden.“ Möglichkeiten dazu hat der Verein. Nicht nur durch Medienstube, Metallwerkstatt, Lokallabor und das geplante Sommercafé. Denn der am 20. April gegründete Verein arbeitet, neben Jugend- und Sozialarbeit und ambulanten Hilfen zur Erziehung, auch aktiv im städtischen und regionalen Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich mit.

Apropos Kultur. Eine Geburtatsgparty gibt es nicht.. „Keine Torte und kein Tamtam. Wir sind ein Verein, der sich nicht gerne selbst feiert, lieber im Hintergrund arbeitet und etwas schafft“, begründet Christian Klämbt, Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Vereins Mobile Jugendarbeit und Soziokultur Weißwasser. Als gelernter Heimerzieher, Sozialarbeiter und Streetworker ist Klämbt seit der Gründung im Verein aktiv. An die spannende Anfangszeit erinnert er sich noch immer gerne. „Wir haben damals mit Jugendlichen eine Idee in Eigeninitiative umgesetzt und eine Baracke in der Berliner Straße zum Cliquentreff umgebaut. 

Das, und die Zeit danach, waren einmalig.“ Drei Jahre dauerte es, bis die später weit über die Stadtgrenzen bekannte „Garage“ erstmals öffnete und bot, was in und um Weißwasser nicht en vogue war: Lieblingsplatten-Abende, rumhängen, Punk, Jugendcafé, Blues, Hiphop, Graffiti und Konzerte mit Kraftklub und Wu-Tang-Clan. Weit über 3.000 Veranstaltungen bot die „Garage“ bis zur Schließung 2016 und dem Umzug der Mobilen Jugendarbeit ins Telux-Gelände. Seitdem heißt es erneut: Ärmel hochkrempeln, um- und ausbauen, parallel Vereinsarbeit, bis zu Weihnachtsmärkten, machen.

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