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Vereinsziel: ein Hospiz im Landkreis

Ein Freundeskreis setzt sich für die stationäre Begleitung Sterbenskranker ein. Ein Projekt für drei Jahre. Und länger. Gestartet wurde es in Räckelwitz.

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© René Plaul

Von Frank Oehl

Räckelwitz. Vor einem halben Jahr ist Malteser-Chefarzt Dr. Rainer Kluge in den Ruhestand getreten. Aber Ruhe ist nicht sein Metier. So wundert es nicht, dass der beliebte Gynäkologe und Geburtshelfer nun einem neuen Verein vorsteht, der sich am Wochenende in Räckelwitz gegründet hat. Der „Freundeskreis stationäres Hospiz Räckelwitz“ ist angetreten, eine Betreuungslücke zu schließen. „Wir brauchen ein Hospiz im Landkreis Bautzen.“ Bislang gibt es in Ostsachsen nur zwei Herbergen für die Begleitung von Menschen in der letzten Phase ihres Lebens – in Herrenhut und Radebeul. Das soll sich ändern, hängt aber von mancherlei ab.

Der Freundeskreis ist schon jetzt überaus prominent besetzt. Neben Dr. Kluge und dem Chef der Oberlausitzkliniken Reiner E. Rogowski ist auch die Politik gut vertreten. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Michalk aus Bautzen ist ebenso dabei wie CDU-Landtagswahlkreisabgeordneter Aloysius Mikwauschk aus Räckelwitz. Das kann nicht schaden – schon gar nicht im Genehmigungsprozess, der jetzt anläuft. Bislang sind etwa 20 Frauen und Männer im Verein aktiv, aber noch mehr können es werden. Dr. Kluge: „Wir brauchen viele Mitstreiter, Helfer und Sponsoren.“

Kleine Pflegeeinrichtung bietet Privatsphäre

Worum geht es konkret? Ein Hospiz ist eine kleine Pflegeeinrichtung mit etwa zehn bis zwölf Betten in Einzelzimmern. Vereinsschatzmeisterin Regina Klaus: „Die Hospizbewegung ist etwa vor einem halben Jahrhundert entstanden. Sie spiegelt den veränderten Umgang mit dem Sterben, mit dem Tod wider.“ Früher sei man im Mehrgenerationenhaushalt gestorben, heute lebe jede Generation für sich. „Im Grunde will niemand im Krankenhaus sterben“, sagt Dr. Kluge. „Und doch ist es meist so.“

Ein Hospiz stehe gewissermaßen zwischen Krankenhaus und Pflegeheim. Hier werde eine Privatsphäre geschaffen, die mit ärztlicher Betreuung einher gehe. Dabei gehe es natürlich insbesondere auch um die Schmerztherapie. Angehörige hätten die Möglichkeit, entweder mit dem Todkranken im Zimmer zu wohnen oder in Gästezimmern, die aus diesem Grunde vorgehalten werden. Die Begleitung der Sterbenden werde von einem speziell geschulten Personal und vielen Ehrenamtlichen gewährleistet, wie es zum Beispiel auch auf der Palliativstation im Malteser Krankenhaus St. Johannes in Kamenz zu finden ist. Nicht zufällig gehört Oberärztin Dr. Cornelia Meißner dem Freundeskreis für das Hospiz-Projekt an. Und auch der Leiter des ambulanten Hospizdienstes der Caritas. Die Experten wissen, wie hoch der Bedarf an einer „Behütung rundum“ ist.

Projekt steht ganz am Anfang

Die Einrichtung eines Hospizes ist keine billige Angelegenheit. Im Gegenteil. Der Immobilienaufwand und die technischen Anforderungen sind ganz erheblich. Der Freundeskreis hat zuletzt „Räckelwitz“als möglichen Ort des Geschehens in den Blick genommen und führt ihn ja sogar im Namen. Räckelwitz liege ziemlich genau in der Mitte des Landkreises und werde immer noch als wichtigster „Geburtsort“ auch von vielen nicht nur in Bautzen oder Kamenz, sondern auch in Hoyerswerda wahrgenommen.

Aber offenbar sind weder das Projekt noch gar der Projektort schon so weit gediehen. Dr. Kluge: „Jetzt beginnen zunächst die Antragsformalitäten, erst danach werden Betreiber- und Finanzierungsmodelle besprochen.“ So müsse auch geprüft werden, ob die Nachnutzung einer Immobilie wie des Malteserstiftes oder halt ein Hospiz-Neubau eher zum Ziel führen. Nur eines ist jetzt schon klar. „Der Hospizbetreiber muss fünf Prozent der Kosten selbst erwirtschaften“, so Regina Klaus. Auch über diese Hürde solle schließlich der Hospizgedanke am Leben erhalten werden. „Wir würden uns freuen, wenn wir es in drei Jahren geschafft hätten, die Herberge zu errichten. Der Freundeskreis hat sich zu einem viel längeren Zeitraum bekannt.“

Für Vereinschef Dr. Rainer Kluge schließt sich in neuer Funktion gewissermaßen ein Kreis. Dabei hat er auch einen Gedanken der bekannten Soziologin Elisabeth Kübler-Ross (1926-2004) auf seiner Seite, die einst sehr weise den „Geburtshelfer“ mit dem „Sterbehelfer“ auf eine Stufe gestellt hatte. Das passe schon ...

Ansprechpartner für Interessenten, die am Projekt mitwirken wollen, ist Vereinsvorsitzender Dr. Rainer Kluge, Michael-Hornig-Straße 1, in 01920 Räckelwitz.[email protected]