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Verfahrensende ohne Freispruch

Vor Gericht ging es um einen Titelmissbrauch, weil einer sich Anwalt nannte. Er hatte aber nie behauptet, Rechtsanwalt zu sein.

Von Jens-Rüdiger Schubert

Das Amtsgericht Görlitz hat das Verfahren gegen einen 50-jährigen Hannoveraner auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt. Zuvor hatte diese Klage gegen den im Landkreis Görlitz arbeitenden Peter Amland * erhoben. Er hatte auf einer Visitenkarte die Bezeichnungen „Kinder- und Jugendanwalt“ und „Kanzlei“ stehen. Als er vor Jahren diese Formulierungen als Marketingidee drucken ließ, ahnte er nicht, dass dies Probleme bereiten würde. Denn die Bezeichnung Jugendanwalt ist in einigen Bundesländern durchaus gängige Praxis – nicht aber in Sachsen. Hier geht es darum, dass mit dem Zusätzen „Anwalt“ und „Kanzlei“ der Eindruck vermittelt wird, es handele sich um einen Rechtsanwalt.

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Deshalb bekam Peter Amland einen Strafbefehl. Er sollte 1 200 Euro zahlen, wenn er weiter die Angaben führe wie bisher. Dagegen legte er Einspruch ein, und damit kam der Fall vor Gericht. Für die Beweisaufnahme waren zwei Zeugen aus Cottbus angereist. Unter anderem eine Familienrichterin. Die sagte aus, dass sich Amland zu keiner Zeit als Rechtsanwalt ausgegeben habe. Auch aus den Formulierungen auf der Visitenkarte stellte sie keinen Bezug zu rechtsanwaltlichen Tätigkeiten her. Als zweiter Zeuge wurde derjenige gehört, der das Verfahren ins Rollen brachte. Er ging er zwar auch nicht davon aus, dass Peter Amland Rechtsanwalt ist. Weil er aber den Begriff „Kinder- und Jugendanwalt“ nicht kannte, fragte er bei der Anwaltskammer nach. Die reagierte prompt und legte Amland Titelmissbrauch zur Last. Vor dem Görlitzer Amtsgericht erreichte Amland letztlich zwar nicht seinen erhofften Freispruch – immerhin aber zumindest die Einstellung des Verfahrens. Ob er jetzt neue Visitenkarten drucken lässt?

* Name von der Redaktion geändert