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Dresden

Richterin spricht von "Fake-Amoklauf"

Ein 33-jähriger Dresdner muss wieder für einige Jahre in Haft. Der Autoräuber wollte nach der Verfolgungsfahrt auf der Flucht erschossen werden.

Der Angeklagte Robert B., hier mit seinem Verteidiger Ulf Israel, hatte sich zum Prozessauftakt am Landgericht Dresden ein Halstuch vor das Gesicht gebunden.
Der Angeklagte Robert B., hier mit seinem Verteidiger Ulf Israel, hatte sich zum Prozessauftakt am Landgericht Dresden ein Halstuch vor das Gesicht gebunden. © Sven Ellger

Dresden. Damals hatte er mit allem abgeschlossen und wollte nur noch sterben. Heute ist er dankbar, dass der Polizist ihn nur niedergeschossen hatte. Robert B., 33 Jahre alt, 18 Vorstrafen, hat schon rund zehn Jahre in Haft gesessen. Er ist bereits seit 20 Jahren drogenabhängig.

Als er „damals“ seinen finalen Entschluss gefasst hatte, bei seiner irren Tat im Hagel von Polizeikugeln zu sterben, war er gerade wieder vier Monate „draußen“. Am 16. Juli 2019 überfiel er in Löbtau/Cotta drei Männer, um ihre Autos zu rauben. Er brach aber jeweils ab. Schließlich stahl er in einer Praxis für Physiotherapie im Dreikaiserhof die Tasche und den Autoschlüssel einer Therapeutin und raste mit ihrem VW Golf aus der Tiefgarage Richtung Flügelwegbrücke.

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Dort baute er den ersten Unfall, als er einem Auto ins Heck krachte. Im weiteren Verlauf seiner Fahrt demolierte Robert B. in Mickten sechs weitere Autos, flüchtete schließlich zu Fuß, ehe es im Elbvillenweg zum furchtbaren Höhepunkt kam. Er zielte mit seiner ungeladenen Schreckschusspistole auf einen Polizisten. Der Beamte hatte einen Warnschuss abgegeben und den Täter schließlich mit einem Schuss in die Hüfte ausgeschaltet. Der verletzte Täter lag am Boden und flehte: „Bitte schießt mir noch mal in den Kopf!“

Chance auf Therapie

Am Dienstag hat das Landgericht Dresden B. nach fünf Verhandlungstagen verurteilt. Unter anderem wegen schweren räuberischen Diebstahls, versuchter räuberischer Erpressung, mehrfachen Bedrohungen, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Unfallflucht und Gefährdung des Straßenverkehrs mus-äöüs B. für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Dort hat der Angeklagte nun die Chance auf eine Drogentherapie.

Die Beweisaufnahme ergab, dass B. tatsächlich niemanden habe verletzen wollen, als er versuchte, ein Auto zu rauben. Er habe seine Opfer mehr „freundlich gebeten“, ihm das Auto herauszugeben. Er habe sich sogar in Gespräche verwickeln lassen. Seine Waffe, eine Schreckschusspistole, habe B. bewusst nicht geladen.

Vielmehr habe er seinen Suizid geplant. „Der Angeklagte sagte, das sei ein gefakter Raub gewesen. Ich würde sagen, das war ein gefakter Amoklauf“, sagte die Vorsitzende Richterin Monika Müller. Sie betonte jedoch, dass mancher Bedrohte durchaus traumatisiert worden sei und bis heute unter dem Eindruck der Tat stehe. Jeder Mensch reagiere anders auf solche Erlebnisse, sagte sie.

Das Gericht rechnete dem Angeklagten hoch an, dass er sich bei allen Geschädigten entschuldigt habe, auch bei dem Polizisten, der ihn niedergeschossen hatte. Heute sei er dankbar, dass er am Leben ist, sagte der Angeklagte zu dem Beamten.

Die Staatsanwältin hatte fünf Jahre und drei Monate, Verteidiger Ulf Israel dreieinhalb Jahre Haft gefordert. Das Urteil ist rechtskräftig. Robert B. hatte zuletzt gesagt: „Ich werde die Therapie durchziehen. Alles andere ist keine Perspektive für mich.“

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