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Vergewaltiger muss über sechs Jahre in Haft

Das Gericht glaubt den Aussagen der Opfer. Sie sind zur Tatzeit noch Kinder gewesen.

Jens-Rüdiger Schubert

Zu einer Haftstrafe von 78 Monaten ist am Mittwoch ein 43-jähriger Leutersdorfer von der großen Strafkammer am Landgericht Görlitz wegen sexuellem Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, wegen Vergewaltigung und Bedrohung verurteilt worden. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge soll T.* zwischen 2006 und 2009 seine Stieftochter und seine leibliche Tochter in seinem Haus in Leutersdorf sexuell missbraucht haben. Beide Töchter waren damals jünger als 14 Jahre.

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Der Missbrauch erstreckte sich auch auf vollzogenen Geschlechtsverkehr. So wurde ihm in zwei Fällen Vergewaltigung vorgeworfen.

T.* lebte von 1997 bis 2002 in einer Lebensgemeinschaft. Als es zur Trennung kommt, verfällt er noch mehr dem Alkohol. Auch eine weitere Beziehung scheitert. Über längere Zeit wurde ihm der Umgang mit den insgesamt drei Kindern verwehrt. Ab 2006 hatte er wieder regelmäßig Kontakt. Die Kinder besuchten ihn in seinem Haus in Leutersdorf. Im Frühjahr 2006 soll der Missbrauch begonnen haben. Zunächst sei nur die Stieftochter davon betroffen gewesen. Nach ihrer Aussage habe T.* sich viermal an ihr vergangen. Die Taten sollen immer nach dem gleichen Schema abgelaufen sein. Nachts weckte er das Kind, forderte es auf, mit ins Schlafzimmer zu kommen, und sich zu entkleiden. Dann zog er sich aus und verlangte, dass das Kind an ihm sexuelle Handlungen vornimmt und an sich vornehmen lässt. So wie die junge Frau vor Gericht aussagte, ist es zum Geschlechtsverkehr gekommen. Nicht nur die Stieftochter belastete T.*.

Auch die leibliche Tochter sagte aus, dass sie von ihm sexuell missbraucht wurde. 2008 soll er sich mit Gewalt an ihr vergangen haben. Dreimal sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen. Als die Anschuldigungen gegen T.* öffentlich wurden, rastete er aus, trank zu viel Alkohol und tauchte an der neuen Wohnung der Kinder auf und bedrohte sie.

T.* wurde verhaftet. Seine leibliche Tochter macht gerade eine Therapie, um das Geschehen zu verarbeiten. Die Verteidigung sieht die Aussagen der Mädchen kritisch, da sich einiges von den damaligen polizeilichen Aussagen unterschied und teilweise Aussagen getroffen wurden, die bei der früheren Vernehmung nicht gemacht wurden. Deswegen stellte sie Beweisanträge für Glaubwürdigkeitsgutachten. Die lehnte das Gericht ab.

Für die Staatsanwaltschaft sind die Aussagen und Schilderungen der Mädchen glaubhaft. Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu plädierte eine Stunde und beantragte 78 Monate Haft. Am zehnten und damit letzten Verhandlungstag hielt die Verteidigung ihr Plädoyer. Rechtsanwalt Ehlers legte in eineinhalb Stunden die Sichtweise der Verteidigung dar. Seiner Meinung nach sind die Aussagen der Mädchen, insbesondere die der Stieftochter hassgesteuert und die der leiblichen Tochter wenig fundiert. Nach Ansicht der Verteidigung ist selbst die Therapie der leiblichen Tochter kein Beleg dafür, dass es die geschilderten Vorkommnisse gegeben hat. Auch deshalb nicht, weil sie die Therapeutin nicht von ihrer Schweigepflicht entbunden hatte. Weil die Verteidigung von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt ist, beantragte sie Freispruch.

Nach einer dreiviertel Stunde Beratung verkündete Richter Fresemann die Entscheidung des Gerichts. Die Große Strafkammer des Landgerichts folgte dabei dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Gericht hat keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Mädchen. Die Verteidigung erwägt, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

*Anfangsbuchstaben des Namens geändert