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Vergewaltigung am Neujahrsmorgen

Ein 42-jähriger Mann aus Lauta wurde zu einer Freiheitsstrafe von über zwei Jahren verurteilt.

© Symbolfoto: SZ Archiv

Lauta/Hoyerswerda. „Ich finde es schlimm, wenn das das Endergebnis einer Beziehung ist“, meinte die 32-jährige Frau aus Laubuch mit belegter Stimme. Immer wieder den Tränen nahe schilderte sie in dieser Woche im Zeugenstuhl vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Hoyerswerda das Geschehen am Neujahrsmorgen des Jahres 2018 in einer Wohnung in Lauta. 

Da war sie von ihrem Ex-Lebensgefährten, von dem sie sich ein paar Monate zuvor getrennt hatte, mit dem sie aber noch eine gemeinsame Wohnung bewohnte, missbraucht, geschlagen und verletzt worden. „Er war in seinem Wut-Rausch“, beschrieb die junge Frau den Zustand ihres Peinigers. „Das ist ein aggressiver Zustand, der drei bis vier Stunden anhält. Da nimmt er einen nicht mehr wahr, blickt durch einen hindurch.“ Ein solcher Zustand war ihr aus der Zeit des Zusammenlebens nur allzu gut bekannt.

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Die Aussage des Missbrauchs-Opfers und die Anklage der Staatsanwaltschaft waren im großen und ganzen identisch. Demnach hatten die junge Frau und der 42-jährige Angeklagte getrennt Silvester gefeiert. Am Vormittag kam es zu sexuellen Übergriffen, wobei auch eine leere Bierflasche eine Rolle spielte. Die Frau hat einen heftigen Schlag auf das Gesäß und später einen Schlag mit der flachen Hand ins Gesicht bekommen. Zudem sei ihr ein Kugelschreiber quer auf den Mund gedrückt worden.

Auslöser war das Klingeln eines Handys gewesen, das der Angeklagte nicht kannte und das dem Bruder seines Opfers gehörte. Darauf hatte der 42-Jährige aggressiv reagiert. „Ich wollte nur ins Bett und schlafen“, schildert die heute 32-Jährige. Was folgte, war die Vergewaltigung. Der Ex-Freund hat das anders in Erinnerung. Als er sie wegen des Handys zur Rede stellen wollte, habe er „ein paar geklatscht gekriegt“. Er selbst schlug mit der flachen Hand zurück, räumte er ein. „Ich bestreite aber auf jeden Fall, dass wir sexuellen Kontakt hatten.“ Den Hinweis des Vorsitzenden Richters Michael Goebel, dass Spermaspuren sogar gutachterlich nachgewiesen seien, ließ der Lautaer nicht gelten. „Ich bin mir eigentlich sicher: Wir hatten keinen Sex.“

Allerdings hatte der Angeklagte auch keine Antwort auf die Frage des Vorsitzenden Richters parat, welchen Grund die 32-Jährige gehabt haben soll, ihren Ex-Partner der Vergewaltigung zu bezichtigen und die Polizei zu rufen. „Könnte es sein, dass Sie sich nicht mehr daran erinnern?“ Im Tatzeitraum hatte der Angeklagte ein Alkoholproblem, später folgte ein Entzug.

Das Martyrium der Frau endete erst mit der Flucht aus der Wohnung. Dazu nutzte sie einen unbeobachteten Moment. „Ich war vorbereitet, schnell die Wohnung zu verlassen.“ Schon in den Tagen zuvor habe sie ein ungutes Gefühl gehabt und daher die wichtigsten Papiere bereitgelegt. Sie brachte sich bei Freunden in Sicherheit. Von diesen wurde die Polizei informiert.

Für das Schöffengericht war die Sache klar: Es verurteilte den 42-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung.

Vorläufig eingestellt wurde das Verfahren gegen den Lautaer im Fall von vier weiteren ihm zur Last gelegten Straftaten, die zwischen August und Oktober 2018 datieren. In einem Fall soll der Mann einen anderen mit Reizgas besprüht haben. In anderen Fällen habe es Schläge mit der flachen Hand und mit der Faust ins Gesicht gegeben. Und schließlich handelte es sich um eine Auseinandersetzung in einem Döner-Imbiss an der Mittelstraße in Lauta, bei der im Zuge von Handgreiflichkeiten mehrerer Beteiligter ein Queue zu Bruch gegangen, mit Billard-Kugeln geworfen und ein Hemd zerrissen worden war.

Aktuell sitzt der 42-Jährige eine Ersatzfreiheitsstrafe ab, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hat. Sollte das nunmehr gefällte Urteil rechtskräftig werden, wird sich sein Gefängnisaufenthalt verlängern.

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