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Verhärtete Fronten

Der Umgangston in der Debatte um die Zukunft des Leisniger Jugendzentrums wird rauer. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.

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Von Tina Soltysiak

Vertrauen, Selbstverwaltung, Bullshit und Vorurteile – das waren die Worte, die während der erneuten Debatte um die Zukunft des Alternativen Jugendzentrums, kurz AJZ, in Leisnig am Sonnabend am häufigsten gefallen sind. Nachdem bereits in der vergangenen Woche eine Ideenbörse rund um das Thema stattfand, hatten die Jugendlichen am Wochenende die Gelegenheit, ihre Fragen an Vertreter der beiden Vereine zu stellen, die sich als potenzielle neue Träger ins Gespräch gebracht haben. Elke Bull und Ursula Dörner haben dem Verein Spielträume aus Naundorf ein Gesicht gegeben. Als Vertreter des parteilosen Chemnitzer Vereins Regenbogenbus, genauer gesagt dem Projekt „Kontraste – mobile Jugendarbeit in Mittelsachsen“, sind Janine Kromm und Nancy Schreiber nach Leisnig gekommen.

Etwa 40 Jugendliche haben die Chance wahrgenommen. Moderiert worden ist die Veranstaltung erneut von der Linken-Stadträtin Angelika Didrigkeit. Weitere Stadträte haben es ihr gleichgetan und sich am Sonnabendnachmittag im AJZ eingefunden. Anfänglich ist alles gesittet abgelaufen. Zunächst haben die Vereine ihre Konzepte nochmals kurz vorstellen sollen. Den Anfang machten die Naundorfer. „Wir wollen aus dem AJZ kein zweites Jugendhaus machen“, stellt Elke Bull gleich zu Beginn klar. Der alternative Charakter des Jugendzentrums und die Grundzüge sollen beibehalten werden. „Wir möchten, dass ein Clubrat gebildet wird, der sowohl als Ansprechpartner für uns als auch für die Stadt zur Verfügung steht“, ergänzt die 27-Jährige. Die Öffnungszeiten sollen den Wünschen und Bedürfnissen der Jugendlichen angepasst und der Veranstaltungsplan gemeinsam erstellt werden. Ursula Dörner soll als Fachkraft vor Ort sein und bei Problemen helfen.

Applaus für den Favoriten

Die Jugendlichen sitzen im Kreis auf den Sofas, die Arme verschränkt, die Gesichter skeptisch verzogen. Die ablehnende Haltung gegenüber diesem Verein ist förmlich greifbar. Ihr Verhalten ändert sich, als Nancy Schreiber und Janine Kromm vom Regenbogenbus zu Wort kommen. Erwartungsvoll blicken die jungen Erwachsenen die beiden Sozialpädagoginnen an. „Wir haben kein Konzept vorbereitet, das sollt ihr selbst erarbeiten“, sagt Schreiber. Das oberste Prinzip sei die Freiwilligkeit. „Wir sehen uns als Gäste in unseren Jugendclubs“, ergänzt sie. Die anwesenden Jugendlichen applaudieren. Dass die Chemnitzer ihr absoluter Wunschträger sind, daraus machen sie keinen Hehl.

Als es Zeit ist für die Fragen, herrscht zunächst betretenes Schweigen. Keiner getraut sich, den Anfang zu machen. Deshalb ergreift Ursula Dörner das Wort, um erst einmal mit dem Vorurteil aufzuräumen, der Naundorfer Verein sei „braun angehaucht“. „Dass niemand von euch das Gespräch mit uns gesucht hat, sondern ihr nur den Gerüchten glaubt, kotzt mich an“, sagt sie entschieden. Sandy Hein fragt süffisant, ob im AJZ zukünftig Bastelnachmittage angeboten werden sollen. „Dass das nicht zu euch passt, ist uns doch völlig klar, deshalb wollen wir ja gemeinsam mit euch die Veranstaltungen abstimmen“, sagt Vereinsvorsitzende Elke Bull. Sandy, die nun häufig das Wort ergreift, sagt: „Wir brauchen nur jemanden, der uns bei den Fördermittelanträgen unterstützt, den Rest bringen wir alleine!“

Misstrauen und Ablehnung

Ein Jugendlicher beschwert sich, dass er und seine AJZ-Freunde nun „plötzlich einfach jemanden vor die Nase gesetzt bekommen sollen“. Das sei eine schwierige Situation für sie, sagt er. Schließlich habe es 13 Jahre lang auch ohne großartige Unterstützung und Kontrolle funktioniert. Er sagt: „Die Stadt hat die Entscheidung doch längst zugunsten des Vereins Spielträume gefällt. Was wir wollen, interessiert die Stadt doch nicht.“ Daraufhin richtet sich Stadtrat Hans-Hermann Schleußner auf und sagt entschieden: „Vertraut ihr uns denn gar nicht? Es ist noch nichts entschieden, denn auch im Rat sind wir uns überhaupt nicht einig. In jeder Sitzung diskutieren wir uns die Köpfe heiß, denn wir wollen eine vernünftige Lösung finden, mit der möglichst alle zufrieden sind.“ Angelika Didrigkeit versucht die Gemüter zu besänftigen: „Wir werden all eure Aussagen in der nächsten Sitzung zur Sprache bringen. Für mich persönlich nehme ich mit, dass ihr den Spielträume-Verein komplett ablehnt.“ Daraufhin nickt der Großteil der Jugendlichen energisch.

Stadträtin Didrigkeit resümiert resigniert: „Ihr verlangt, dass wir unsere Vorurteile euch gegenüber abbauen. Ich hätte mir gewünscht, dass ihr eure im Gegenzug auch abbaut und euch wenigstens darauf einlasst, über das Konzept der Naundorfer einmal nachzudenken.“ Sandy entgegnet: „Entscheidet sich die Stadt dafür, dass Spielträume neuer Träger wird, dann zerstört sie damit 13 Jahre Geschichte des AJZ.“ Diese offenkundig ablehnende und von Misstrauen geprägte Haltung schmerzt Elke Bull. Die DA-Nachfrage, ob der Verein nun überhaupt noch Interesse an der Trägerschaft hat, lässt sie unbeantwortet.