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Dresden

Verkauf der Schiffe kann keine Option sein

Flottenchefin Karin Hildebrand sucht Sparmöglichkeiten für die Dampfschifffahrt. Einen Weg hat sie schon gefunden. 

Dampferchefin Karin Hildebrand braucht die Unterstützung der Flotteneigentümer, um ihren Rettungsplan umzusetzen.
Dampferchefin Karin Hildebrand braucht die Unterstützung der Flotteneigentümer, um ihren Rettungsplan umzusetzen. © Sven Ellger

Am Donnerstag müssen die Einladungen für die nächste Gesellschafterversammlung der Dampfschifffahrt zur Post. Nach der Abstimmungsniederlage für Geschäftsführerin Karin Hildebrand Ende vergangener Woche kommt es dann auf jede Stimme an. Nur bei einer Zustimmung der Eigentümer kann es ihr gelingen, ihren Vier-Millionen-Euro-Rettungsplan umzusetzen. Enthaltungen wie vor fünf Tagen sollte es dabei besser nicht geben.

Wie ging es Ihnen am Wochenende nach der missglückten Gesellschafterversammlung am Freitag?

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Man denkt über dieses und jenes nach, mir ging es nicht schlecht.

Man hat danach gehört, dass es Kritik der Gesellschafter an Ihnen gibt. Wie gehen Sie damit um?

Ich sehe Kritik immer als etwas Positives. Sich zu fragen, was man anders oder besser machen könnte, ist ja nie verkehrt. Die Situation, die wir haben, ist dem Niedrigwasser geschuldet. Insofern ist das höhere Gewalt, mit der man sich auseinandersetzen muss. Man muss sich natürlich überlegen, wie man damit umgeht. Ich sehe da aber jetzt keine Kritik an mir, weil ich nicht die Wassergöttin bin.

Ist auch Kritik geäußert worden, die Sie unangenehm berührt, die persönlich ist?

Nein.

Sind konkrete Kritikpunkte an Sie herangetragen worden, und wenn ja, welche?

Ich glaube, es ist jedem vernünftigen Menschen klar, dass man gegen diese Wassergeschichte wenig unternehmen kann. Der Verkauf der Schiffe war so am Rande der Gesellschafterversammlung ein Thema. Aber die große Mehrheit der Gesellschafter weiß, dass Stadt und Staat einfach an der Flotte hängen, so dass das im Moment keine Option sein kann.

Haben Sie Forderungen gehört, die Geschäftsführung abzugeben?

Nein, überhaupt nicht.

Mehrere Gesellschafter haben gesagt, es würden von Ihnen Sparvorschläge erwartet, die jetzt schon zeitnah kommen sollen. Gibt es da welche?

Das ist natürlich immer der Königsweg. Auch die SZ hat von mangelndem Kostenbewusstsein geschrieben. Man kann natürlich sparen. Aber da stellt sich immer die Frage, was das Sparen tatsächlich bringt. Wenn ich bei der Wartung der Schiffe spare, abgesehen davon, dass ich da gesetzliche Vorgaben zur Sicherheit der Passagiere habe, muss man daran denken, dass es auch sinnvoll ist, prophylaktisch vorzusorgen, damit es keinen Investitionsstau gibt. Ich sehe da keine Möglichkeit, zu sparen. Es war ja auch in der Gesellschafterversammlung die Rede vom Lean Management (schlankes Management, Anmerk. d. Red.). Ich bin schon ein Freund davon, es gibt durchaus Prozesse, die man verschlanken kann. Wir sind eigentlich seit fünf Jahren dabei, unsere Prozesse, was die Administration betrifft, zu verschlanken. Lean Management bei neun unterschiedlichen Schiffen ist relativ schwierig. Denn jedes Schiff hat seine Besonderheit. Wir müssen zum Beispiel viele Dinge maßanfertigen lassen.

Können Sie ein Beispiel für schlankes Management nennen?

Wir sind dabei, die Buchhaltung zu digitalisieren und zu verschlanken. Das ist auch von der Fehleranfälligkeit her besser. Wenn man alles dreimal manuell eintippt, hat man dreimal die Chance, falsche Zahlen einzutippen. Das wollen wir verbessern. Außerdem habe ich letztes Jahr ein neues Ticketsystem eingeführt, bei dem man auch Call Center einbeziehen kann. Ich will keine Mitarbeiter einsparen, aber wir wissen alle, dass Mitarbeiter immer schwieriger zu finden sind. Diesen Engpass bekommen wir künftig besser in den Griff.

Das heißt, zu möglichen Sparschritten gehört nicht, dass das Personal der Dampfschifffahrt reduziert wird?

Genau.

Was kann man tun, um die Flotte einsatzfähig zu halten, wenn der Wasserstand der Elbe wie prognostiziert künftig häufiger niedrig ist?

Einerseits kann ich natürlich die Saison verlängern. Aber wir versuchen natürlich auch im Rahmen der Hilfsdiesel-Einbauten, zum Beispiel die Tanks anders einzubauen, damit sich das Gewicht anders verlagert und das Schiff ein Stück weit nach oben kommt. Dann kann man auch mehr Schiffe bei niedrigeren Wasserständen fahren lassen.

Gibt es auch Wege, die Schiffe leichter zu machen?

Ich nehme an, das gibt es durchaus. Da geht es aber auch um Investitionen, und das ist ein Thema, das ich im Moment nicht angehen kann. Darüber haben wir uns schon viele Gedanken gemacht. Wir haben zum Beispiel die Holzbänke, die auch zum Stil des Schiffes passen. Da muss man sich vielleicht überlegen, ob es andere Materialien gibt. Wir dürfen nicht vergessen, wir heben auch unsere Ansprüche immer mehr an. Beispiel Gastronomie: Was hat man vor 20 Jahren angeboten, und was bietet man heute an? Da gibt es einfach Unterschiede. Ich habe auch Anregungen bekommen, wir sollen Plastikgeschirr oder Wegwerfgeschirr verwenden. Ich meine aber, bei der gegenwärtigen Umweltsituation wäre das das völlig falsche Signal.

Täglich sind Fahrplananpassungen nötig, wie reagieren die Kunden darauf?

Die Dresdner und die Anrainer der Elbe können damit umgehen. Wenn ich als Tourist in eine Stadt komme, dann sehe ich mir an, was geht. Und wenn das gerade nicht geht, dann ist das für mich als Geschäftsführerin natürlich nicht gut. Denn ich möchte ja, dass die Leute Schiff fahren. Aber da spüre ich keinen großen Unmut.

Sind Gruppenbuchungen von Reisebüros durch das Niedrigwasser weniger geworden?

Nein. Das hatte ich befürchtet, das ist aber nicht eingetreten.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft der Flotte?

Ich kann mir Sorgen machen, und ich kann mich hinsetzen und vor Angst bibbern. Ich kann aber auch feststellen, wie die aktuelle Situation ist, und ich muss dann sehen, wie ich damit umgehe, wie ich dafür Wege und Mittel finde. Und die findet man immer.

Wie geht es den Mitarbeitern der Flotte in der aktuellen Situation?

Der eine nimmt es gelassen, der andere ist ängstlich. Das ist so. Aber ich glaube, im Großen und Ganzen habe ich schon eine Mannschaft, die sagt, wir stehen zusammen und wir schaffen das.

Am 2. August findet eine außerordentliche Gesellschafterversammlung statt. Was für ein Ergebnis wünschen Sie sich?

Mir reicht die erforderliche Mehrheit, um das Restrukturierungskonzept zu verabschieden. Das ist die Basis, auf der man dann wieder freier darüber nachdenken kann, wie man die Zukunft gestalten kann.

Gehen Sie dieses Treffen mit Optimismus an, mit der Hoffnung, dass es dieses Mal klappt?

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