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Verkauf von alter Burgker Schule ist geplatzt

Die Stadt wagt einen neuen Anlauf. Doch es gibt Kritik – und einen überraschenden Vorschlag.

© Steffen Unger

Von Matthias Weigel

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Großer Badespaß in Freitals Freibädern 

Nach vielen Renovierungsarbeiten ist die Badesaison in den Freibädern "Windi" und "Zacke" in vollem Gange. 

Zwölf Monate nach dem Verkauf der alten Burgker Schule steht das Gebäude immer noch verlassen da und bröselt vor sich hin. Kein Wunder, wie eine aktuelle Verkaufsofferte der Stadtverwaltung offenbart. Im jüngsten Amtsblatt, das am Freitag herauskam, wird die Schule an der Burgker Straße wieder angeboten. Der vom Stadtrat gebilligte Verkauf im Januar 2014 – er ist offensichtlich geplatzt.

Das bestätigt das Rathaus auf SZ-Anfrage. „Die Kaufabwicklung ist gescheitert“, sagt Stadtsprecherin Inge Nestler. Zu den genauen Umständen könne sie sich aus Datenschutzgründen nicht äußern. Der Versuch, das Haus an unterlegene Bieter loszuwerden, gelang ebenfalls nicht, wie Nestler einräumte. Dabei hatte es damals durchaus hoffnungsvolle Interessenten gegeben. Doch solange von denen keiner Auskunft geben will, wird es lediglich bei Spekulationen bleiben.

Die unübersehbaren Probleme mit dem Grundstück hatten die alte Stiftsschule aber bereits über Jahre zum Ladenhüter gemacht. In dem kommunalen Gebäude war zuletzt das Berufsschulzentrum mit einer Außenstelle eingemietet. Wegen des schlechten Zustands und rückläufiger Lehrlingszahlen zogen hier 2011 die letzten Schüler aus. Zahlreiche Interessenten kamen– und gingen unverrichteter Dinge wieder. 222 000 Euro lautete der Wert in einem zuletzt angefertigten Gutachten.

Allerdings ist von erhöhten Radonkonzentrationen auf dem Areal und anderen Hinterlassenschaften des Altbergbaus die Rede. Auch der Vandalismus hat in jüngster Zeit Spuren hinterlassen. Verkauft hatte Freital letztlich für 150 000 Euro. Eine Sanierung und die Einrichtung von Wohnungen waren geplant.

Das Freitaler Urgestein Dieter Marx stimmt es immer wieder traurig, wenn er an der heruntergekommenen Schule vorbeikommt. War er doch hier 42 Jahre Hausmeister, wohnte noch länger in der Dienstwohnung im Haus. Zwar lebt er nach der Schulschließung nun schon eine Weile auf dem Raschelberg. Doch noch immer verfolgt er alles, was an der Schule passiert, kommt und schaut, was das Haus, das in diesem Jahr 141 Jahre alt wird, macht.

„Mich wundert es aber nicht, dass es Probleme gibt“, sagt Marx. Er kennt den Zustand aus dem Effeff. Durchs Dach tropfte es schon seinerzeit durch – er stellte Schüsseln drunter. Die alten Doppelfenster brauchten viel Pflege. Dinge, die seit Langem keiner mehr tut. Fehlende Dämmung und Abwasseranbindung, feuchter Keller, veraltete Haustechnik: „Eine Sanierung ist so umfangreich und würde bestimmt eine Million Euro verschlingen“, sagt Marx, was ihm auch Handwerker bestätigten, die sich für Investoren hier umgeschaut hatten. Auch die Raumaufteilung von der Schulnutzung zu Wohnzwecken sinnvoll zu ändern – fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Trotz aller Erinnerungen und allem Respekt vor der Historie der alten Stiftsschule steht für Marx deswegen inzwischen fest, dass ein Abriss und ein ans Original angelehnter Neubau oder Reihenhäuser wohl besser kommen würden. „Das ist die bittere Realität, wenngleich ich mir natürlich etwas anderes für die Schule wünschen würde“, sagt Marx. Denkmalschutz besteht für die Schule nicht – das Haus ist eher von historisch-emotionalem Wert. „Wie auch immer, ich stehe für Investoren und Interessenten gern für Fragen zur Verfügung“, sagt Marx. Er wisse schließlich fast alles, was die Schule betreffe, baulich wie geschichtlich. Und vielleicht findet sich ja doch noch ein solventer Immobilienliebhaber, der es vermag, die Schule samt Gelände zu entwickeln.

So einer muss sich auf das Angebot aber erst einmal melden. Bis 16. Februar läuft die Bieterfrist für das knapp 5 000 Quadratmeter große Grundstück inklusive Schulgebäude Baujahr 1873/74, Turnhalle von 1887 und Verbindungsbau von 1967. Die Stadt ruft zwar den Preis aus dem Gutachten wieder auf, wohl aber nur zur Orientierung. Wie zuletzt wird der Stadtrat über den Zuschlag an den Meistbietenden entscheiden, auch für weniger Geld.

Das hatte bei dem Verkauf vor einem Jahr aber schon die Linke im Stadtrat moniert. „Ich stehe dem Verkauf von städtischem Eigentum sowieso skeptisch gegenüber. Wenn es erst einmal privat ist, haben wir keinen Zugriff und kaum Handlungsmöglichkeiten mehr“, sagt Stadtrat Peter Heinzmann (Linke). Besonders vor dem Hintergrund, dass in dem Stadtviertel ein soziokulturelles Zentrum fehle und nötig wäre, und dass perspektivisch Freitals Schulen ausgelastet sind und zusätzliche Plätze geschaffen werden müssen, könne er den Verkauf auch heute nicht ohne Weiteres billigen, so Heinzmann.

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