merken
PLUS Riesa

Verkehrsregler für drei Tage

Hendrik Schmidt ist einer von Dutzenden Helfern an den Sperrstellen in der Stadt. Viele Autofahrer sind freundlich, manche zeigen sich aber auch störrisch.

Hendrik Schmidt ist einer von mehr als hundert Helfern, die beim Tag der Sachsen an knapp 30 Sperrposten im Stadtgebiet dafür sorgt, dass nur Vignettenbesitzer in die Sperrrkreise einfahren dürfen. Auch hilft der 27-Jährige bei Fragen und Problemen.
Hendrik Schmidt ist einer von mehr als hundert Helfern, die beim Tag der Sachsen an knapp 30 Sperrposten im Stadtgebiet dafür sorgt, dass nur Vignettenbesitzer in die Sperrrkreise einfahren dürfen. Auch hilft der 27-Jährige bei Fragen und Problemen. © Eric Weser

Riesa. Der weiße Skoda mit dem tschechischen Kennzeichen rollt langsam an die Kreuzung von Heinestraße und Dr.-Scheider-Straße. Der Fahrer lässt die Scheibe herunter. „Bierfest“, sagt er in Richtung von Hendrik Schmidt und nennt eine bekannte Biermarke aus dem Nachbarland, deren Wagen anscheinend irgendwo auf dem Boulevard steht. „Haben Sie eine Vignette?“, fragt Hendrik Schmidt. Der Autofahrer schüttelt den Kopf. „Sorry“, sagt Schmidt und macht dem Mann begreiflich, dass er sein Auto hier abstellen und in die Innenstadt laufen muss.

Es ist Freitagnachmittag und Tag der Sachsen in Riesa. Offiziell gestartet ist das Fest zwar noch nicht, aber die Sperrkreise im Zentrum sind schon seit einigen Stunden in Kraft. Stadtverwaltungs-Mitarbeiter Hendrik Schmidt hat um die Mittagszeit an der Kreuzung nahe dem Landratsamt Position bezogen. Gemeinsam mit zwei Frauen: Eine ist freiwillige Helferin aus Riesa und die Mitarbeiterin eines Sicherheitsdienstes. Das Trio achtet darauf, dass nur hinauf in Richtung der Grundschule fährt, wer eine Vignette hat. 

Anzeige
Den Sommer ungestört genießen!
Den Sommer ungestört genießen!

Wandern, Waldspaziergänge, Ausflüge mit der Familie: So richtig entspannt wird das nur mit dem richtigen Schutz vor fliegenden und krabbelnden Plagegeistern.

Auch in Richtung Käferberg/Förderschule dürfen nur Autofahrer mit der kleinen Plakette. Bei einem jungen Mann lässt Hendrik Schmidt durchgehen, dass er ohne den Aufkleber in der Heinestraße parkt. „Die fünf Meter hinter der Sperrung sind okay“, sagt der 27-Jährige. Einem anderen Mann, der keine Vignette hat und im Sperrkreises umparken will, erklärt Schmidt, dass das genau genommen nicht zulässig ist. „Sind ja aber bloß zehn Meter“, sagt der Autobesitzer im weißen T-Shirt und zieht von dannen. „Man kann es den Leuten nicht verbieten“, sagt Hendrik Schmidt. Kurz vor Dienstschluss am Abend wird er resümieren, dass der Tag alles in allem entspannt und friedlich lief.

Als Stadtverwaltungsmitarbeiter sei klar gewesen, dass er beim Tag der Sachsen eingesetzt werde, so der studierte Betriebswirt, der im Liegenschaftsamt der Kommune beschäftigt ist und sich dort unter anderem um Angelegenheiten im Grundstücksverkehr kümmert. „Das heißt zum Beispiel, Ankauf von Flächen. Wenn eine Straße gebaut wird und dafür Flächen von benachbarten privaten Eigentümern benötigt werden.“

Beim Tag der Sachsen kümmert sich Hendrik Schmidt auch um den Verkehr, in dem Fall aber den Autoverkehr. Und der kann es in sich haben. Denn längst nicht alle Fahrer verhalten sich vorbildlich. Vor allem Senioren zeigen sich teilweise störrisch. Ein älterer Herr in einem goldfarbenen BMW, der in Richtung der ehemaligen Schillerschule will, drosselt zwar an der Absperrung das Tempo und lässt die Seitenscheibe herunter. 

Dass er sein Auto abstellen soll, weil er keine Vignette hat, mag er aber nicht hören. Er drückt das Gaspedal durch und düst hinter die Sperrung. Hendrik Schmidt ist kurz geplättet und schaut dem Wagen hinterher. „Vors Auto schmeißen tu’ ich mich nicht“, sagt der Riesaer dann noch. 

Früher am Nachmittag habe es einen noch krasseren Fall gegeben, auch mit einem älteren Autofahrer, erzählt er dann. „Der ist einfach durchgeplatzt und hat nicht mal angehalten. Hat nur gerufen, er wohnt auf der Engelsstraße und ist durch.“ Aber wie reagieren? Die Straße komplett zumachen gehe nicht. „Viele Leute dürfen ja durchfahren“, sagt Schmidt. Nicht nur die Privatautos mit Vignetten. Rettungsdienste und Polizei zum Beispiel hätten ohne die Aufkleber freie Fahrt.

Hendrik Schmidt selbst will beim Tag der Sachsen aufs Auto verzichten. Er sei mit dem Fahrrad da. „Ich wohne in Merzdorf, das sind ja nur fünf Kilometer.“ Für den Notfall habe er sich aber eine Vignette fürs Auto besorgt. Eigentlich sei für jeden reichlich Zeit gewesen, sich eine zu beschaffen, meint der Amtsmitarbeiter.

Reichlich Zeit wird Hendrik Schmidt am Tag-der-Sachsen-Wochenende an seinem Sperrposten verbringen. Freitag acht Stunden, Sonnabend neun und Sonntag vielleicht gar elf. Montag gehe es dann ganz normal mit der Arbeit im Amt weiter. „Ich bin’s aber gewohnt, auch mal 13, 14 Tage durchzuarbeiten.“ 

Einen Sonntagsdienst gab es für den Mann aus der Verwaltung erst vorige Woche, als Wahlhelfer bei der Landtagswahl. Die EU- und Kommunalwahl im Mai sei aber anstrengender gewesen, sagt Schmidt. Trotz dreitägigem Dienst als Helfer beim Tag der Sachsen will sich der Riesaer das Volksfest in seiner Stadt nicht entgehen lassen und abends die Party besuchen. „Ich bin sowieso mehr der Abendgänger.“ Es dürften kurze Nächte werden, davon geht Hendrik Schmidt selbst aus. „Aber ich bin ja ein junger Kerl, da geht das“, sagt der Riesaer und lacht.

Mehr zum Thema Riesa