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Haltestellen-Umbau läuft

Die Kommunen müssen die wichtigsten Busstopps umbauen. So will es der Gesetzgeber. Einigen Gemeinden fällt das nicht einfach.

Von Maik Brückner
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Auch die Haltestelle Käferbergstraße in Hänichen wurde barrierefrei umgebaut.
Auch die Haltestelle Käferbergstraße in Hänichen wurde barrierefrei umgebaut. © Andreas Weihs

In den letzten Monaten wurden viele Bushaltestellen in der Region umgebaut, so auch im Wilsdruffer Ortsteil Grumbach, auf dem Käferberg bei Bannewitz und im Glashütter Ortsteil Oberfrauendorf. Auffällig ist, dass sich die Haltestellen sehr ähneln, fast baugleich sind. So haben sie vergleichsweise hohe Bordsteinkanten. Und auch der Gehweg weist hier einige Besonderheiten auf. Die Sächsische Zeitung ging der Sache nach und wollte wissen, ob das Methode hat und warum in jüngster Zeit so viele Haltestellen neu gestaltet werden.

Warum müssen die Haltestellen umgebaut werden?

Die Gestaltung der Haltestelle ist im sogenannten Personenbeförderungsgesetz vorgeschrieben. Darin sind die Städte und Gemeinden aufgefordert, für einen flächendeckenden, barrierefreie öffentlichen Personennahverkehr zu sorgen. Diesen soll es laut dem Gesetz ab 2022 geben. In der Pflicht sind demnach die Städte und Gemeinden. „Finanziell unterstützt werden sie durch den Freistaat und den VVO“, erklärt  der Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), Christian Schlemper.

Wie sieht eine barrierefreie Haltestelle aus?

Das ist definiert. Eine Musterhaltestelle muss mindestens zwölf Meter lang sein und über einen 21 Zentimeter hohen Bord verfügen, damit die Fahrgäste gut in den Bus steigen können. Außerdem muss der Wartebereich in Höhe der zweiten Bustür mindestens 2,50 Meter breit sein und über einen Fahrgastunterstand verfügen. Die Haltestelle selbst muss barrierefrei über einen Fußweg zugänglich sein.

Was kostet so ein Umbau und wie lange werden die Vorhaben geplant?

Die Baukosten sind unterschiedlich. Je nach Umfang kostet der Umbau zwischen 20.000 und 50.000 Euro. „Die Planung dauert durchschnittlich ein Jahr“, erläutert Schlemper. Um alle hoch frequentierten Bushaltestelle im VVO-Gebiet in den nächsten fünf Jahren barrierefrei umzubauen, werden nach Berechnungen  des VVO insgesamt 21 Millionen Euro gebraucht. Je die Hälfte entfallen auf Halte stellen der Prioritätsstufen vordringlich und mittelfristig.

Wie viele Haltestellen müssen im Gebiet des Verkehrsverbundes umgebaut werden?

„Grundsätzlich müssen alle Haltestellen im VVO umgebaut werden“, so Schlemper. Vordringlichen Bedarf gibt es an Haltestellen in der Nähe von Seniorenwohnheim, Ärztehäusern, Krankenhäusern, Gemeinschaftspraxis, Behindertenwerkstatt und –werkstätten, Busbahnhöfen und Bus-Bahn-Übergangsstellen. Es gibt aber auch Ausnahmen. Haltestellen, die nur sehr gering frequentiert werden, wie die außerhalb von Ortschaften oder in Gewerbegebieten müssen nicht umgerüstet werden. Welche das sind, werden im Nahverkehrsplan definiert, der immer wieder aktualisiert wird. Laut diesem müssen im VVO-Gebiet mittelfristig etwa 760 Haltestellen umgebaut werden. „Darüber hinaus sind an weiteren etwa 200 Haltestellen Umbauten vorzunehmen, um den wichtigsten Standards der Barrierefreiheit zu entsprechen“, so Schlemper.

Welche Kommunen sind beim Umbau der Haltestelle bereits sehr weit?

Besonders weit sind Dresden, Freital und Hoyerswerda. „Im ländlichen Raum gibt es den meisten Nachholebedarf“, so Schlemper. In den ländlichen Gemeinden fehlt es oft am Geld, diesen Umbau zu realisieren. Auch die Planungs- und Baukapazitäten sind hier knapp. Dem Gesetzgeber war das bewusst. Deshalb ist im Nahverkehrsplan auch beschrieben, wer den Kommunen unter die Arme greifen soll. Demnach sollen  die Landkreise als Aufgabenträger des straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs und der VVO prüfen, inwieweit diese die Gemeinde personell und organisatorisch bei der Planung und dem Umbau von besonders stark frequentierten Haltestelle unterstützen können, heißt es im Nahverkehrsplan.

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