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So leidet Mallorca unter der Reisewarnung für Deutsche

Nach der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes sind auf den Balearen fast keine Deutschen mehr. Das spüren vor allem Ladenbesitzer und Gastronomen.

Es wird einsamer am Strand von Can Pastilla in Palma de Mallorca. Viele deutsche Touristen sind weg, nachdem das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für fast ganz Spanien ausgesprochen hat.
Es wird einsamer am Strand von Can Pastilla in Palma de Mallorca. Viele deutsche Touristen sind weg, nachdem das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für fast ganz Spanien ausgesprochen hat. © Clara Margais/dpa

Von Martin Dahms,SZ-Korrespondent in Madrid

Palma de Mallorca. Wie ist die Stimmung? „Ganz schlecht. Aber ganz schlecht“, sagt Guido Kanzler. „Die Leute hier sind alle verärgert. Die sind bankrott, im Grunde genommen. Die Strände sind leer. Und man hört niemanden Deutsch reden.“ Dafür Spanisch oder Mallorquinisch. Mallorca gehört wieder den Einheimischen.

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Angereist ist Familie Kanzler ein paar Tage, nachdem die Bundesregierung eine Reisewarnung fürs spanische Festland und die Balearen aussprach. Davon haben sich die Kanzlers nicht schrecken lassen. „Bei wem soll ich mich anstecken?“, meint Guido. „Wir gehen auf keine Partys, wir sind am Strand und in unserer Wohnung.“ Er fühlt sich so sicher wie zu Hause.

Darüber reden jetzt alle auf der Insel: wie eigentlich die Gefahrenlage ist. Die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC vermeldet täglich den Stand der Dinge. So schlecht wie in Spanien sieht es nirgendwo in Europa aus: 152,7 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen. Auf den Balearen noch mehr: 178,4. Neunmal so viele wie in Deutschland.

Vor einem Monat war noch alles gut. Da konnte man sich auf Mallorca sicher fühlen, acht Neuinfizierte auf 100.000 Einwohner in 14 Tagen, genauso viele wie damals in Deutschland. Nach drei Monaten Corona-Alarmzustand von Mitte März bis Mitte Juni füllte sich die Insel langsam wieder mit Touristen, das heißt: vor allem mit Deutschen.

Blick auf zum Teil geschlossene Geschäfte und Hotels in Can Pastilla, Palma de Mallorca.
Blick auf zum Teil geschlossene Geschäfte und Hotels in Can Pastilla, Palma de Mallorca. © Clara Margais/dpa

Der Einbruch kam ganz schnell, erzählt Anett Köhler, die sächsische Betreiberin der Sonnenbäckerei in Palma. Am Freitagabend ging die Reisewarnung raus. „Ein Paar, das jeden Tag mit seinen Kindern bei uns im Café war, bekam am Sonnabend einen Anruf von der TUI: Packt schon mal eure Koffer, ihr könnt stündlich Bescheid für den Rückflug erhalten. Am Sonntag waren sie nicht mehr da.“ Fast alle Pauschalurlauber brachen auf. Es blieben die Residenten und ein paar unentwegte Individualurlauber. „Ich hab’ jetzt noch 30 Prozent Umsatz von dem, was ich davor hatte., sagt Köhler.

Das Geschäft auf Mallorca läuft "immer gleich frustrierend"

Dieselbe Zahl nennt Christian Lafourcade, der uruguayische Wirt der deutschen Kneipe „Zur Krone“, direkt an der Uferpromenade der Playa de Palma. „Wenn ich vorher 1.000 Euro Umsatz am Tag gemacht habe, mache ich jetzt 300.“ Es ist Mittag und fast nichts los, draußen sind vier Tische besetzt, mit insgesamt sieben Leuten. Egal welche Tageszeit, das Geschäft laufe „immer gleich frustrierend“.

Peter Berghoff klagt weniger. Er hat im Juni sein deutsches Ärztezentrum an der Playa de Palma geschlossen, weil er den Einbruch des Massentourismus kommen sah. Stattdessen widmet er sich jetzt mit seiner Firma „Wohnung und Haus Mallorca“ ganz der Hausverwaltung.

Nur noch wenige Passagiere kommen am Flughafen Palma de Mallorca an.
Nur noch wenige Passagiere kommen am Flughafen Palma de Mallorca an. © Clara Margais/dpa

Je weiter weg von der Playa, umso entspannter klingen die Menschen. Der Mallorquiner Pedro Pascual hat Ende Juli mit seiner nepalesischen Frau Doma Sherpa ein kleines feines Achtzimmerhotel im Dorf Caimari in der Inselmitte eröffnet. „Zwei oder drei Stornierungen“ von Deutschen habe sein „Petit Caimari“ in dieser Woche erlebt, berichtet Pascual, aber der nationale Tourismus laufe weiter, bis Ende des Monats sei er so gut wie ausgebucht. Was danach kommt, wird sich zeigen. Er schaue kein Fernsehen, er habe keine Lust, „nur schlechte Nachrichten zu hören“.

Reisewarnung demnächst auch für die Kanaren?

Das ist eine Klage – oder ein Zweifel –, der auf der Insel immer mal wieder zu hören ist. Steht gesundheitlich wirklich alles so schlimm? Eugenia Cusí, die Managerin der mallorquinischen Restaurantkette Tast, findet es jedenfalls „traurig, dass wir nicht in der Lage sind, beruhigende Botschaften auszusenden“. Im Juli lag der Umsatz der Kneipen und Restaurants auf Mallorca knapp halb so hoch wie im Jahr zuvor – und der Juli wird wahrscheinlich der beste Monat dieses Jahres gewesen sein. 15 Prozent der Lokale öffneten noch gar nicht, das seien „klare Kandidaten für den Konkurs“, sagt Cusí. Ihr Unternehmen hat Ende Juli ein neues Bistro am zentralen Platz von Sóller eröffnet, es läuft gut. Es kommen hauptsächlich Spanier.

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