merken
PLUS Döbeln

Verlieren die Schwalben ihren Lieblingsplatz?

In Meinsberg werden die Stromleitungen unter die Erde verlegt. Das bereitet einigen Naturfreunden Sorge.

Strom-Freileitungen sind für Schwalben ein beliebter Sammelpunkt. Diese gibt es auch in Meinsberg — noch. Derzeit werden dort die Leitungen in die Erde verlegt. Für die Tiere gibt es aber Alternativen.
Strom-Freileitungen sind für Schwalben ein beliebter Sammelpunkt. Diese gibt es auch in Meinsberg — noch. Derzeit werden dort die Leitungen in die Erde verlegt. Für die Tiere gibt es aber Alternativen. © dpa

Meinsberg. Monika und Fritz Daßler aus Meinsberg sind sehr naturverbunden. Derzeit sind es die Schwalben, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. „Die Vögel sammeln sich in großen Scharen auf den Strom-Freileitungen vor unserem Haus“, erzählt Monika Daßler. 

Und genau darüber macht sich das Ehepaar Sorgen. Schon bald werden die Leitungen verschwinden. Die Stromkabel werden unter die Erde gelegt. Doch was wird dann aus den Schwalben?, fragen sich die Naturliebhaber.

Anzeige
Ferientipps für Sachsen
Ferientipps für Sachsen

Da ist sie, die schönste Zeit des Jahres - die Sommerferien! Wir haben die Freizeittipps für Familienausflüge in Sachsen und Umgebung.

Dass die Arbeiten notwendig sind, daran hegen die Daßlers keinerlei Zweifel – im Gegenteil. „Wir möchten nur einen kleinen Anstoß geben, dass die Tiere nicht vergessen werden“, sagt Monika Daßler. Vielleicht könne ja so etwas wie eine Ersatzleitung als Schwalben-Sammelstelle, von denen es zwei in Meinsberg gibt, stehenbleiben, so ihre Überlegung.

Den beiden Senioren ist schon seit mehreren Jahren aufgefallen, dass die Zahl der Schwalben enorm rückläufig ist. Das führen sie darauf zurück, dass es immer weniger Nistmöglichkeiten für die Tiere gibt. „Rauchschwalben haben wir ein einziges Paar hier, die haben bei uns in der Scheune dieses Jahr zweimal gebrütet“, erzählt Monika Daßler. Wo die zahlreichen Mehlschwalben herkommen, die sich derzeit fast jeden Morgen auf den Leitungen vor ihrem Haus treffen, weiß sie nicht. „In der Nähe haben wir zumindest keine Nester ausmachen können.“ Die Mehlschwalben bauen außen an den Gebäuden.

Nicht nur die Schwalben haben es Monika und Fritz Daßler angetan. Sie beobachten auch gerne viele andere Vogelarten, stellen im Winter ein Futterhaus und im Sommer eine Vogeltränke für die Tiere bereit. Am Vogelhaus konnten sie schon viele, auch seltenere Vögel beobachten. Einmal war ein Bluthänfling-Paar da. Aber auch Kernbeißer, Kleiber und Spechte seien oft zu Besuch. „Ein einziges Mal haben wir einen Dompfaff gesehen“, sagt Monika Daßler.

Bereits seit Ende Mai laufen nach Informationen von Stefan Buscher, Pressesprecher der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom (Mitnetz Strom), die Bauarbeiten in Meinsberg mit dem Ziel, die Versorgungssicherheit zu verbessern. Voraussichtlich Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dabei werden die bestehenden Freileitungen durch Erdkabel ersetzt und die Hausanschlüsse der rund 80 betroffenen Grundstückseigentümer erneuert. 

„Zusätzlich wird die Leistungsfähigkeit der bereits bestehenden Erdkabel erhöht“, so Buscher. Die Arbeiten kosten rund 230.000 Euro. Notwendig wurden sie, weil die Freileitungen altersbedingt verschlissen sind, Hinzu komme, dass sich zahlreiche Masten der Freileitungen auf privaten Grundstücken befinden und diese aus diesem Grund für Mitnetz Strom nur schwer zugänglich sind. Ausgleichsmaßnahmen für die Schwalben seien allerdings nicht vorgesehen. „Die Tiere sind in Meinsberg nicht auf die Freileitungen angewiesen und finden vor Ort genügend andere Ruhe- und Beobachtungsplätze“, sagte Buscher.

Das bestätigt auch Siegfried Reimer, Naturschutzbeauftragter des Landkreises Mittelsachsen. Auch er sieht das Entfernen der Stromleitungen als nicht problematisch an. Die Vögel sammeln sich in der Regel an solchen Stellen, an denen viel Nahrung vorhanden ist. Wenn dort gerade eine Stromleitung entlang führe, nutzen sie diese gern. Warum das so ist, kann er sich auch nicht erklären. Die Schwalben könnten sich aber genauso auf Bäumen oder in Büschen sammeln.

Mehr zum Thema Döbeln