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Kamenz

Verlosung mit Einkaufschip und Sparbüchse

Ottendorf-Okrilla ist bei Häuslebauern beliebt. Weil die Nachfrage das Angebot übersteigt, vergibt die Gemeinde ihre Grundstücke auf besondere Weise.

Die neuen Eigenheimstandorte in Ottendorf-Okrilla sind bereits erschlossen
Die neuen Eigenheimstandorte in Ottendorf-Okrilla sind bereits erschlossen © Thorsten Eckert

Ottendorf-Okrilla. Als der erste gelbe Einkaufschip in dem kleinen transparenten Häuschen aus Plaste landet, herrscht Stille. Die Anspannung in den Räumen des Notariats Heckschen und van de Loo in Dresden ist deutlich zu spüren. Schließlich geht es für die meisten der mehr als 30 Personen in den beiden Räumen um eine Entscheidung für die Zukunft: den Traum vom eigenen Haus. Und den sehen sie nun im Kleinformat als Spardosen in Hausform vor sich, die auf einem Plan des Wohngebietes „Wachberg Süd“ in Ottendorf-Okrilla angeordnet sind und jeweils ein Grundstück symbolisieren.

Von den ehemals 90 Interessenten für die 17 Grundstücke, waren im Dezember noch 46 übrig. Zur Verlosung am Freitag eingeladen waren 21, gekommen sind am Ende 19. Viele von ihnen sind in den 20ern und 30ern und schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einem bezahlbaren Grundstück im Raum Dresden.

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„Es wird leider nicht für alle reichen“, sagt Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald zu Beginn. Deshalb hat sich die Gemeinde auch für die ungewöhnliche Vergabemethode per Los entschieden, die es so in Sachsen noch nicht gegeben habe, wie Notar Heribert Heckschen betont.

Wer welches Grundstück bekommt, wurde in einem Losverfahren mit Plastehäuschen und Einkaufschips ermittelt.
Wer welches Grundstück bekommt, wurde in einem Losverfahren mit Plastehäuschen und Einkaufschips ermittelt. © Alexander Buchmann

Alle Interessenten haben zwei solcher Lose in Form von Einkaufschips erhalten, je einen gelben und einen roten, die mit einer Nummer versehen sind. Einige der potenziellen Käufer haben außerdem noch ausgedruckte Pläne in der Hand, in denen die favorisierten Grundstücke farbig markiert sind. Mit aufsteigender Nummer werden sie an den großen braunen Konferenztisch gebeten, auf dem Lageplan und Häuschen platziert worden sind. An einem Bücherregal daneben hängt eine große Luftbildaufnahme des gleichen Areals. 

Die Interessenten zeigen die Marke mit der Nummer und werfen sie in das gewünschte Häuschen. Manche schnell, andere überlegen oder müssen erst einmal das gewünschte Grundstück finden. So landen Chip für Chip in den Häusern und für die Interessenten heißt es währenddessen warten und hoffen. Bange Blicke folgen jedem, der an den Tisch tritt, und seine Marke einwirft. „Ich habe den Chip eingeworfen und dann gezittert, dass niemand mehr seine reinwirft“, sagt eine Frau in den Zwanzigern. Sie hatte Glück und war in der ersten Runde die einzige Interessentin für ihr Wunschgrundstück.

Während sechs Häuschen leer geblieben sind, sind in manchen zwei oder sogar drei der gelben Los-Chips gelandet. Nach der ersten Runde werden diese aus jedem Haus zunächst in ein braunes Säckchen entleert, ehe sie von einer Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung nacheinander gezogen werden. So wird ermittelt, in welcher Reihenfolge die Interessenten für ein Grundstück die Chance zum Kauf erhalten. Rechtlich verpflichtend ist die Entscheidung für ein Grundstück mit dem Einwurf des Chips nämlich noch nicht. Das werde es erst mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages, erklärt Kämmerer Robin Lehmann.

Neue Chance in Runde zwei

Die Freude des einen, ist das Leid des anderen. Während sich mancher, der sein Wunschgrundstück ergattern konnte oder nach der Ziehung enttäuscht ist, bereits auf den Heimweg macht, beginnt die zweite Losrunde. Unter den übrig gebliebenen Interessenten sind auch zwei Pärchen aus Dresden. Beide haben es in der ersten Runde mit ihrem Los nur auf den zweiten Platz geschafft. Während eines von ihnen noch hofft, dass der erste Interessent doch noch abspringt, ist das zweite Paar diesbezüglich wenig optimistisch. „Der andere sucht auch schon zwei Jahre. Der gibt das nicht zurück“, erzählt der Mann Mitte 30.

In der zweiten Runde haben sie eine neue Chance. „Nehmen sie sich Zeit, überlegen sie“, sagt der Kämmerer, „die Häuschen sind absichtlich einsehbar“. Wer also nicht auf sein Losglück vertrauen will, sollte die Möglichkeit nutzen auf ein anderes Grundstück auszuweichen. Eine Option, die eines der beiden Paare auch nutzt, da das andere zuvor schon seinen roten Chip in das gewünschte Häuschen geworfen hat. Also fiel die Wahl auf das Grundstück daneben. Stand jetzt werden sie damit Nachbarn, wie die Paare feststellen. Es sei denn, es springt doch noch jemand ab.

In den nächsten Tagen und Wochen werden nun die Kaufverträge abgeschlossen. Vielleicht melden sich auch noch Interessenten für die drei Grundstücke, für die sich zur Überraschung des Bürgermeisters an diesem Abend niemand gefunden hat. „Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Grundstücke übrig bleiben“, sagt Langwald. Eines der drei sei gefühlt schon weg, erzählt der Kämmerer. Die anderen werden ansonsten ausgeschrieben.