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Vermieter der Plattenblocks hat Insolvenz angemeldet

Der pleite gegangene Immobilienfonds Level One hat auch 185 Wohnungen in Großenhain im Bestand.

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Gestern Vormittag an der Elsterwerdaer Straße: Wilfried K. schlendert mit einer Einkaufstüte den Fußweg an den Plattenblocks am Ortsausgang entlang. Davon, dass sein Vermieter pleite ist, hat er nichts mitbekommen. „Ich weiß gar nicht wer das ist“, meint er bloß. Von der Hausverwaltung hängen Zettel in den Eingängen, wem die Wohnblöcke überhaupt gehören, kann er gar nicht sagen.

Versorgung zunächst sicher

Es ist die „Level One“ – eine Fondsgesellschaft. Und der Immobilienkonzern Level One ist pleite. Wie Insolvenzverwalter Rolf Rattunde am Mittwoch in Berlin mitteilte, hat das Unternehmen rund 1,5 Milliarden Euro Schulden angesammelt. Er sprach von einer der größten Immobilienpleiten in Deutschland. In den vergangenen Wochen seien beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg 38 Insolvenzverfahren über Gesellschaften des Konzerns eröffnet worden. Betroffen seien bundesweit insgesamt 20000 Wohnungen und 500 Gewerbeobjekte vor allem in Berlin und Ostdeutschland. Die Versorgung der Mietobjekte mit Strom und Wasser sei vorerst gesichert, sagt Rolf Rattunde.

Bei der Baucontrol Hausverwaltung GmbH in Chemnitz stehen die Telefone unterdessen noch still. Anfragen habe es keine gegeben. „Nein, es wird sich für die Mieter erst einmal nichts ändern“, sagte Heike Zschach gestern auf Nachfrage der SZ.

Verwalter vorerst derselbe

Die Chemnitzer Hausverwaltungsfirma hat weitere Niederlassungen in Erfurt, Jena und Weimar und Geschäftsbeziehungen mit der Chemnitzer Capridge Real Estate GmbH. Diese war es auch, die im Jahr 2007 die 185 Wohnungseinheiten von einem Privatmann aus der Nähe bei Augsburg an den Immobilienfonds verkaufte.

Eyk Schade, Geschäftsführer des Mietervereins Meißen und Umgebung, bestätigt, dass die Mieter den Eigentümerwechsel zunächst oft gar nicht bemerken. Es werde zum Beispiel ganz normal gebucht. „Probleme gibt es erst, wenn der Mieter größere Schäden meldet. Dann findet sich keiner, der noch zuständig ist“, sagt Eyk Schade. Solche Fälle habe es schon gegeben. Oft passiere das, wenn Zahlungen nicht mehr fließen oder plötzlich eine andere Hausverwaltung eingesetzt wird.

Birgit Ulbricht