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Wogeno will grünen Charakter erhalten

Zittaus größter Vermieter saniert die Südstraße 64/66. Dabei entstehen auch Parkplätze hinterm Haus. Das sorgt für Kritik. Die Genossenschaft beruhigt aber.

Bernd Stieler und Vorstandsvorsitzender Michael Martin vor der Südstraße 64/66.
Bernd Stieler und Vorstandsvorsitzender Michael Martin vor der Südstraße 64/66. © Jan Lange

Rund um den Oertelplatz reiht sich ein schön gepflegtes Haus an das andere, üppig blühende Gärten umgrenzen die Gebäude. An einigen Gebäuden entdeckt man figürliche Reliefs. Nicht umsonst wurde das Gebäudeensemble an den Heimstätten zum Kulturdenkmal der Stadt Zittau erklärt. Vor allem die großzügigen Gärten hinter den Häusern sind typisch für die gesamte Wohngegend im Zittauer Süden. 

Auch die benachbarten Häuser an der Südstraße, die zum Teil nicht mehr zu dem geschützten Gebäudeensemble zählen, sind von reichlich Grün umgeben. Das soll auch künftig so bleiben, versichert Bernd Stieler, Technischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft (Wogeno) Zittau. Ein Bewohner des Viertels hatte den Großvermieter - rund 2.700 Wohnungen - zuletzt wegen gefällter Bäume und aufgelöster Gärten kritisiert. Die Gärten seien weggemacht worden, weil sie aufgrund leerstehender Wohnungen nicht mehr genutzt wurden, erklärt Stieler. Auf der Fläche wurde danach Wiese eingesät. Wenn künftige Mieter wieder einen Garten anlegen wollen, dann sei das problemlos möglich, sagt Stieler.

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Größtes Investitionsprojekt in diesem Jahr

Und neue Mieter erhofft sich die Wohnungsgenossenschaft vor allem für die Südstraße 64/66. Das mehr als 100 Jahre alte Haus wird derzeit aufwendig saniert. Weit über eine Million Euro investiert die Wogeno in das Gebäude. Es ist damit das größte Investitionsprojekt in diesem Jahr.

Die letzten verbliebenen Mieter, zwei alleinstehende Frauen, sind im Februar aus der Nummer 64 ausgezogen. Die Nummer 66 stand seit Jahren komplett leer. Seit den 1980er Jahren wurde das Doppelhaus nie richtig saniert. Nach fast 40 Jahren muss nun was getan werden, denn die Wogeno will das älteste Haus ihrer Genossenschaft erhalten, wie Stieler betont. Nach dem Auszug der letzten Mieter stand dem Beginn des Umbaus nichts mehr im Wege.

Das Objekt Südstraße 64/66, das im Gegensatz zu den Häusern rund um den Oertelplatz nicht unter Denkmalschutz steht, wurde inzwischen weitgehend entkernt. Eigentlich sollte damit bereits Anfang April begonnen werden, durch die Corona-Krise hatte sich der Baustart aber ein bisschen verschoben. Nun läuft der Ausbau, es wird gehämmert, gehackt, gebohrt und gebaggert. Denn das Haus muss zuerst trockengelegt werden. "Wenn wir schon mal mit dem Bagger zugange sind, erfolgt auch gleich die Trockenlegung der Nachbarhäuser Südstraße 62 sowie Ottersteg 3", erklärt Stieler. Beim Ottersteg 3 ist nach seinen Worten vorige Woche damit begonnen worden, die Südstraße 62 soll folgen, sobald die Trockenlegung am Ottersteg 3 abgeschlossen ist. 

Im vorigen Jahr wurde schon die Südstraße 58 trockengelegt. Dort sind damals ebenfalls die alten Gärten weggemacht worden - so wie jetzt an der Südstraße 64/66.

Aus 14 kleinen werden 7 große Wohnungen

Insgesamt 14 kleinere Wohnungen gab es vor dem Umbau in dem Doppelhaus an der Südstraße. Nach dem Ende der Sanierung werden es nur noch halb so viele sein, dafür mit deutlich größerer Wohnfläche von je etwa 95 Quadratmetern. 

Größere Wohnungen in Altbauten werden vor allem von Familien nachgefragt. Da die Wogeno im eigenen Bestand schon jede Menge kleinere Wohnungen hat - bedingt durch die Neubauten - sollten nun größere Wohnungen geschaffen werden, um auch diese Nachfrage bedienen zu können. Die ersten Interessenten für die Wohnungen gebe es bereits, berichtet Stieler. Dabei hat die Sanierung gerade erst begonnen. Der Abschluss ist fürs Frühjahr 2021 geplant. 

Dass die sanierten Wohnungen dann schnell vermietet sein werden, davon ist man in der Wogeno-Geschäftsleitung überzeugt. Denn die bereits sanierten Häuser Südstraße 58 und 62 seien auch fast komplett vermietet.

Pkw-Stellflächen hinterm Haus

Mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten sollen möglichst auch die Pkw-Stellplätze hinterm Haus fertiggestellt sein. Die geplante Parkfläche ist ebenfalls von Nachbarn kritisiert worden. Doch auch hier kann Bernd Stieler die Anwohner beruhigen. Es werde keine Betonwüste entstehen, betont der Vorstand. Die Stellplätze sollen mit viel Grün dazwischen gestaltet werden, damit sie dem "grünen Charakter" des Viertels entsprechen. Dazu sollen auch Schallschutzhecken beitragen. Die geplante Gestaltung werde derzeit noch mit der Stadtverwaltung abgestimmt. Es könne sein, so Stieler, dass sich noch etwas verändert, weil noch Forderungen der Stadt eingearbeitet werden müssen.

Dass hinter dem Haus Pkw-Stellplätze entstehen sollen, sei der Baugesetzgebung geschuldet, erklärt Stieler. Bei einer Komplexsanierung - wie sie im Fall der Südstraße 64/66 erfolgt - ist der Bauherr gesetzlich verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Stellflächen zu schaffen. Entlang der Südstraße stehe diese Anzahl nicht zur Verfügung. In den engen Nebenstraßen wie dem Ottersteg gebe es auch nur begrenzte Parkmöglichkeiten. Deshalb müsse die Wogeno auf den bisherigen Gartenflächen Ausweichmöglichkeiten schaffen - auch, um die Heimstättensiedlung zu entlasten. Die zusätzlichen Stellplätze sollen aber nur von den Anwohnern genutzt werden können, eine Schrankenanlage soll verhindern, dass Fremdparker hier ihre Fahrzeuge abstellen.

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Auch mit dem Anwohner, der die Wogeno wegen der Baumfällungen kritisiert hatte, gab es inzwischen ein Gespräch. Man konnte ihn beruhigen, so Stieler, dass der grüne Charakter des Wohnviertels erhalten bleiben soll. Dazu wird der Nachbar selbst einen Beitrag leisten: Er will vier bis fünf Sträucher kaufen und diese einpflanzen.

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