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Verrückte Geschichten

Wie Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus zu Verträgen steht und warum er sich um seine Zukunft keine Sorgen macht.

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© Robert Michael

Von Sven Geisler

So schnell, wie sich das Trainerkarussell in der Fußball-Bundesliga dreht, könnte einem schwindlig werden. Markus Weinzierl von Augsburg nach Schalke, Dirk Schuster von Darmstadt nach Augsburg – und ein Sitz bleibt frei. Holger Fach, gerade zum Sportchef befördert, soll für Darmstadt den Neuen suchen. Er könnte den bei Schalke entlassenen André Breitenreiter nehmen, damit sich der Kreis schließt. Aber so einfach läuft es dann doch nicht.

„Wir wollen sehr schnell einen Trainer finden. Es geht uns aber nicht darum, einen Schnellschuss zu machen“, erklärt Fach und will damit sicher beruhigend auf die eigenen Reihen wirken. Nach außen sendet er ein anderes Signal, das bei anderen Klubs einiges Unbehagen auslösen dürfte. Denn offenbar will auch er sich nicht auf dem angeblich freien Markt vereinsloser Trainer umschauen, sondern lieber bei anderen wildern. Die besten Chancen auf den vakanten Posten werden Norbert Meier eingeräumt. Der 57-Jährige ist noch vertraglich an Arminia Bielefeld gebunden – genau wie die ebenfalls gehandelten Kandidaten Stefan Ruthenbeck bei Greuter Fürth und Alois Schwartz in Sandhausen. Allesamt Zweitligisten.

Es ist also alles andere als weit hergeholt zu fragen, wie sicher sich Dynamo Dresden sein kann, dass Uwe Neuhaus nicht abgeworben wird. Wer gut ist, wird umworben. Das ist bei Trainern nicht anders als bei Spielern. Nicht nur dass, sondern wie er die Schwarz-Gelben zum Aufstieg geführt hat, dürfte seinen ohnehin guten Namen in der Branche noch mehr ins Gespräch gebracht haben. Vor seinem Urlaub angesprochen, ob er seinen bis Juni 2017 datierten Vertrag definitiv erfüllt, pustete Neuhaus erst einmal kräftig durch – um schlagfertig zu antworten: „Ich könnte jetzt sagen: Wenn man mich lässt …“

Wer weiß schließlich, wie die Saison in der zweiten Liga anläuft und wie das Umfeld reagiert. Wenn man sich die jüngere Fluktuation auf der Dresdner Bank anschaut, könnte ein Trainer tatsächlich auf die Idee kommen, seinen Absprung lieber selbst zu organisieren. „Der Fußball schreibt verrückte Geschichten, das ist klar“, meint Neuhaus. Entscheidungen hätten manchmal wenig mit Verträgen zu tun. „Da spielen andere Dinge eine Rolle, es gibt vielleicht im Verein eine Tendenz, mit der man nicht einverstanden ist … Es kann immer alles passieren, sowohl von der einen als auch von der anderen Seite.“

Nur einen Augenblick denkt Neuhaus über das Gesagte nach, das zu Spekulationen führen könnte. Deshalb schiebt er hinterher: „Das ist aber rein fiktiv, da steckt kein Gedanke dahinter oder eine Geschichte, die schon am Laufen ist.“ Es gibt für ihn kaum einen Grund, derzeit über eine Veränderung nachzudenken. Mit Dynamo ist er erfolgreich, bei den Fans beliebt, mit seiner Frau Britta fühlt er sich am Stadtrand von Dresden wohl, wo es auch genug Auslauf für die Hunde Kenzo und Patch gibt.

Außerdem erinnert er sich sicher noch an die Aussage bei seiner Vorstellung im April 2015: „Ich habe einen Vertrag für zwei Jahre, und mein erstes Ziel ist es, die Vertragslaufzeit zu erfüllen.“ Das war, erklärt er jetzt, nicht skeptisch gemeint angesichts der Fluktuation auf dem schwarz-gelben Schleudersitz. Immerhin ist er bei Dynamo der 27. Chefcoach seit 1990. „So ticke ich nicht, dass ich mir im Juli Gedanken mache, was passiert, wenn, und denke: Hoffentlich siehst du hier im Herbst noch die Blätter fallen“, sagt der 56 Jahre alte Westfale. „Dafür habe ich als Trainer zu viel Arbeit. Wenn ich die Energie nicht dafür einsetze, sondern mit solchen Gedanken rechts und links verpulvere, macht das keinen Sinn.“

Man könnte das Thema freilich auch anders diskutieren, nämlich über eine vorzeitige Vertragsverlängerung des Trainers bei Dynamo. Doch auch das sei ihm „im Moment gar nicht wichtig“, erklärt Neuhaus, und mit einem vielsagenden Schmunzeln fügt er hinzu: „Wenn die ersten Spiele in der zweiten Liga gut gelaufen sind, kann man zum Jahresende mal darüber sprechen.“ So hat er das bei Union Berlin schließlich auch gehalten – und ist sieben Jahre lang eisern bei den Köpenickern geblieben. Sicher auch Abwerbungsversuchen zum Trotz.