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Versagen im Kampf gegen die Droge Crystal

Der dramatische Anstieg des Crystal-Konsums in Sachsen beschäftigt auch die Politik. Dort macht man sich gegenseitig Vorwürfe

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Dresden. In Sachsen werden immer mehr Menschen von der synthetischen Droge Crystal abhängig. Jetzt beschäftigt das Thema auch den Landtag. Bei einer Debatte äußerten sich gestern Vertreter aller Fraktionen besorgt über die drastische Zunahme der Fälle. Im vergangenen Jahr hatten etwa 3 500 Crystal-Konsumenten die Suchtberatung aufgesucht, in einigen Landkreisen wuchs die Zahl der Betroffenen binnen Jahresfrist um 70 Prozent.

Während Vertreter der CDU/FDP-Koalition eine härtere Gangart gegen Drogenhersteller und -dealer forderten, verlangte die Opposition mehr Geld und Augenmerk für die Suchthilfe.

Die schwarz-gelbe Koalition warf den Linken vor, mit ihrer Forderung nach Legalisierung weicher Drogen das Problem erst anzuheizen. Man könne nicht erst Feuer legen und dann nach der Feuerwehr rufen, hielten die Koalitionäre den Linken vor. Innenminister Markus Ulbig (CDU) beschrieb Fortschritte bei der Kooperation mit tschechischen Behörden. Crystal entsteht vor allem in Drogenküchen des Nachbarlandes und wird dort auf grenznahen Märkten verkauft. Tschechien hatte 2010 ein liberales Drogengesetz verabschiedet. Seither wird der Besitz von bis zu zwei Gramm Crystal nicht als Straftat, sondern nur als Ordnungswidrigkeit geahndet.

Es gebe mittlerweile auch auf tschechischer Seite eine veränderte Sicht auf die Dinge, sagte Ulbig. Es seien in den vergangenen Monaten deutlich mehr gemeinsame grenzüberschreitende Aktivitäten gelaufen als in den Jahren zuvor. Das werde auch bei der Aufklärung deutlich. Noch im Mai soll eine gemeinsame Fahndungsgruppe ins Leben gerufen werden. Tschechien kündigte unterdessen wieder eine Verschärfung der Drogengesetze an.

Die Opposition im sächsischen Landtag verlangte von der Regierung eine klare Strategie für die Suchtprävention. Es sei richtig, Hersteller und Händler von Drogen mit aller Härte der Gesetze zu verfolgen. Mit der gleichen Intensität müsse man sich aber auch um Drogenabhängige kümmern und Drogenkonsum im Vorfeld verhindern. Darin versage Schwarz-Gelb jedoch auf ganzer Linie.

Die Grünen verlangen dabei ein Sofortprogramm zur Stärkung der ambulanten Suchtberatung in Sachsen. Die Linken möchten das gesamte Suchthilfesystem auf den Prüfstand stellen. Beiden Anträgen wird aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Parlament keine Chance eingeräumt. Die Koalition geht davon aus, die Prävention bereits gut im Blick zu haben.