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Verschoben, abgesagt, ausgesetzt

Schulen sind zu, Universitäten im Notbetrieb, Betriebe in Kurzarbeit: Corona bringt die Pläne von jungen Leuten durcheinander. Ein Überblick.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich am Mittwoch darauf verständigt, dass die schriftlichen Abiturprüfungen in allen Ländern stattfinden sollen – entweder zum geplanten oder zu einem Nachtermin.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich am Mittwoch darauf verständigt, dass die schriftlichen Abiturprüfungen in allen Ländern stattfinden sollen – entweder zum geplanten oder zu einem Nachtermin. © Armin Weigel/dpa

Von Luise Martha Anter

Emilie Herrmann saß gerade in der Bibliothek und lernte für eine Klausur, als plötzlich die Durchsage kam: Wegen der Corona-Pandemie schließt die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (Slub) bis auf Weiteres. Herrmann studiert im 10. Semester Oberschullehramt für Deutsch und Geschichte an der Technischen Universität Dresden. Die anstehenden Prüfungen: verschoben, Termine unbekannt. Die Abgabe ihres ersten Staatsexamens: einen Monat später. Eigentlich sollte Herrmann am 1. September in ihr Referendariat starten – aber jetzt weiß sie nicht, ob sie die Zeugnisse und die Bestätigung vom Arzt rechtzeitig bekommt. „Wir lernen auf Risiko und fürs Ungewisse“, sagt sie. Wie ihr geht es vielen jungen Menschen im Freistaat.

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Schüler: Prüfungen finden statt

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich am Mittwoch darauf verständigt, dass die schriftlichen Abiturprüfungen in allen Ländern stattfinden sollen – entweder zum geplanten oder zu einem Nachtermin. Der Beschluss gilt auch für die Abschlussprüfungen an Oberschulen. Diese Linie hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) bisher schon für Sachsen verfolgt. Er hatte die Ankündigung Schleswig-Holsteins scharf kritisiert, die Abiturprüfungen ausfallen zu lassen. „Wir wollen kein Notabitur“, sagte er am Mittwoch.

Ausbildungsstart: Flexible Lösungen

Piwarz versicherte, dass der Schulabschluss von Universitäten und künftigen Arbeitgebern anerkannt wird. Wenn sich die Prüfungen verschieben, könnten an den Universitäten die Zulassungsfristen geweitet werden. Der Ausbildungsbeginn ist ohnehin flexibel, sagt Daniel Bagehorn, Pressesprecher der Dresdner Handwerkskammer (HWK). Die Ausbildung soll zwischen dem 1. August und dem 31. Oktober anfangen. Theoretisch kann man eine Ausbildung auch ohne Abschluss beginnen, sollte ihn dann aber nachholen.

Auszubildende: Prüfungen verschoben

Auch für Azubis läuft es gerade nicht wie geplant. Anne Neuendorf, stellvertretende Vorsitzende des DGB Sachsen, berichtet von vielen Azubis, die weiter im Betrieb eingebunden sind und zu Hause den Schulstoff bewältigen sollen. Prüfungen wird es aber vorerst nicht geben: Wie überall in Deutschland haben die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden und die HWK alle Prüfungen abgesagt – die IHK bis mindestens 24. April, die HWK bis mindestens 19. April.

Studenten: Absagen und längere Fristen

Die 13 sächsischen Universitäten und Hochschulen befinden sich im Notbetrieb. Labore, Seminarräume und Bibliotheken sind zu, Lehrveranstaltungen abgesagt. Die Prüfungen standen oft schon im Februar an, Verteidigungen können laut Pressesprecherin Kim-Astrid Magister etwa an der TU Dresden auch online durchgeführt werden. „Die TUD arbeitet trotz des Notbetriebs mit allen Kräften daran, Prüfungen und Verteidigungen unter den Rahmenbedingungen der Allgemeinverfügung in Sachsen zu organisieren“, sagt sie. Das Problem ist für viele Studenten: Wie sollen sie Belege und Abschlussarbeiten schreiben, wenn alles zu hat? Sie können etwa an der TUD einen Antrag auf Fristverlängerung stellen. Die Hochschule Zittau/Görlitz gibt Studenten mehr Zeit für die Themenwahl und erteilt Zulassungen für die Abschlussarbeit erst zum „gegebenen Zeitpunkt“. Bei der Berufsakademie Sachsen verweist Pressesprecherin Susanne Schulze auf Fernleiehe und Online-Literatur. Die Studenten der Hochschule für bildende Künste bräuchten eigentlich gerade Werkstätten und Ateliers für ihre (Abschluss-)Arbeiten – geht nicht. Die Konsequenzen seien nicht absehbar, sagt Pressesprecherin Andrea Weippert.

Das Semester soll im April zunächst mit digitalen Lernformen beginnen, bevor der Präsenzbetrieb am 4. Mai startet. Viele gehen aber davon aus, dass im Sommersemester gar kein normaler Betrieb möglich sein wird – der Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz hat deshalb ein „Nichtsemester“ ins Spiel gebracht: Seminare könnten belegt und Abschlussarbeiten geschrieben werden, aber es wäre mehr ein „Kreativ-Semester“, das nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet wird.

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„Viele Studenten machen sich momentan nicht nur Sorgen um ihr Studium, sondern vor allem auch um ihr Einkommen“, sagt Lutz Thies, studentisches Mitglied im Senat der TU Dresden. Viele haben ihre Nebenjobs verloren. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat am Mittwoch bekräftigt, dass alle Bafög-Leistungen weitergezahlt werden. Auch Auszubildende sorgen sich laut Anne Neuendorf vom DGB um ihr Auskommen. Einige Betriebe hätten ihre Übernahmegarantien zurückgenommen. 

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