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Versöhne dich mit deinen Schmerzen

Der Wille, den Schmerz zu beseitigen, macht ihn oft noch schlimmer. Kolumnistin Ilona Bürgel empfiehlt deshalb eine andere Methode.

© Matthias Rietschel

Mein Fuß tut weh. Seit Monaten. Erst habe ich so getan, als ob nichts sei. Dann hat mich der Schmerz hartnäckig darauf aufmerksam gemacht, dass etwas ist. Also ging ich los, zum Orthopäden, Osteopathen, Einlagenhersteller. Parallel habe ich natürlich nach den psychischen Ursachen gesucht, ich war beim Heilpraktiker und beim Schmerzcoach.

Dann die Diagnose, dass organisch – abgesehen von einer Fehlstellung des Fußes – alles in Ordnung ist. Körperliches glauben wir zu verstehen. Doch bei jeder Erkrankung spielt die Einheit von Körper und Seele eine Rolle. Was meine Seele mir sagen will, ist aber viel schwerer zu erkunden oder zu ändern als Muskeln zu trainieren. Die Seele hat nur die Sprache der Symptome und Träume. Mein Fußproblem brachte mich zu der Frage, wie ich mit meinem Körper Tag für Tag umgehe.

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So lange alles funktioniert, ignorieren wir, dass unser Körper viel Fürsorge braucht. Noch deutlicher wird das bei Geist und Seele: Wie oft hinterfragen wir einen seelischen Kummer, gleichen ihn durch Fürsorge aus? Mir ist klar geworden, dass mein unbedingter Wille, den Schmerz zu beseitigen, alles nur schlimmer macht. Dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit genau auf das Unangenehme statt auf die vielen Dinge, die funktionieren und wohltun. Lebensenergie und gute Gedanken aktivieren aber Selbstheilungskräfte.

Als positiv denkender Mensch bevorzuge ich positive Gefühle wie Freude, Zufriedenheit, Genuss. Manchmal vergesse ich darüber, die negativen nicht nur zu akzeptieren, sondern genauso in mein Herz zu schließen. Denn auch Ärger, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder eben Schmerz sind ein Teil von mir.

Leichter gesagt, als getan: Der Körper und somit auch die Seele brauchen Ruhe. Und: Liebe Dich genau so, wie Du gerade bist – nicht erst dann, wenn deine unendlich vielen Bedingungen für Glück erfüllt sind. Mal fehlt eine glückliche Partnerschaft, mal ein angestrebter beruflicher Erfolg. Nun fehlt Schmerzfreiheit. Ich entscheide mich deshalb, mich mit dem Schmerz zu versöhnen, danke ihm, dass er mein Lehrmeister ist. Ich nehme den Druck raus, ändere das Ziel aller Maßnahmen. Ich denke beim Massieren, Rollen und Eincremen nicht mehr krampfhaft darüber nach, wie schnell das helfen soll. Stattdessen, wie gut es ist, dass ich mir gerade Zeit nehmen kann. Dass der Fuß nicht wehtut, wenn ich sitze und dass ich schon unangenehmere Schmerzen hatte. „Weiche“, liebevolle Gedanken lockern nicht nur den Geist, sondern auch den Körper und führen zu entspannteren Gehirnfrequenzen. Entspannung fördert Heilung. Haben wir Stress, entsteht der Tunnelblick. Wir sehen nur das Problem. Dadurch es mental immer größer und belastender, das führt zu mehr Stress. Ein Teufelskreis.

Und schließlich lerne ich, aus dem Kontrollmodus auszusteigen. Wir leben in der Illusion, dass wir unser Leben kontrollieren könnten. Das kann klappen, muss aber nicht. Das Leben amüsiert sich über unser „Kontrollieren wollen“ und empfiehlt uns stattdessen Geduld und Vertrauen.


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Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig. Am 10. September, 18.30 Uhr erklärt sie live beim Leserforum „Die Kunst des guten Umgangs mit sich selbst“. 

Der Vortrag findet im Haus der Presse Dresden, Ostra-Allee 20 statt. Karten ab 15 Euro, mit SZ-Card ab 14 Euro in allen SZ-Treffpunkten oder unter www.sz-ticketservice.de.

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