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Versteckplätze für Kreuzottern

Projekt. Naturschützer kümmern sich im Forst Luchsenburg nahe der Gemeinde Rammenau um eine kleine Population dergefährdeten Reptilien.

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Von Helga Koch

Behutsam nähert sich Steffen Teufert den lockeren Steinhaufen am Feldrand. Einen nach dem anderen sucht er ab. Doch vergeblich. Kein einziges Tier liegt zusammengerollt in der Sonne. „Die Kreuzottern sind schon an ihren Sommerplätzen. Höchstens ein trächtiges Weibchen wäre geblieben. Aber wir haben seit Jahren keine jungen Kreuzottern mehr im Forst Luchsenburg entdeckt“, bedauert der Bischofswerdaer Biologe. Er arbeitet im Naturschutzzentrum „Oberlausitzer Bergland“ in Neukirch und hat schon als Kind seine große Liebe zu Waldeidechsen, Australischen Südfröschen, kleinen Leguanen und später zu vielen anderen Reptilien entdeckt. G emeinsam mit dem Neukircher Landschaftsplaner Jens Felix und dem Bischofswerdaer Informatiker Uwe Martins hat Steffen Teufert ein Konzept zum Schutz der Kreuzottern erarbeitet. In der Gemeinde- und der Forstverwaltung, im Jagdverband und einem Waldbesitzer fanden sie aufgeschlossene Partner.

Vom Aussterben bedroht

Deshalb ließ die Gemeinde einige Haufen aus Feldsteinen und Totholz aufschichten. Zwischen Waldrand und Feld sollen sie den Kreuzottern als Versteckplätze und obendrein zum Sonnen dienen. „Vorher mussten jede Menge Brennnesseln rausgerissen werden. Durch den starken Nährstoffeintrag aus den Feldern wachsen die Waldränder zu.“ Die Fichten, vielleicht zwei Jahrzehnte alt, schlucken alles Licht – Kreuzottern brauchen aber lichte Waldränder. Die auf der Roten Liste der Gefährdeten Arten stehenden Schlangen verbringen den Sommer in kühleren, lichten Bereichen des Waldes oder auf Feuchtwiesen. Oft liegen Frühjahrs- und Sommerplätze 400 bis 1 000 Meter auseinander, weiß Steffen Teufert. Doch in Wäldern, die überwiegend ökologisch bewirtschaftet werden, fehlt es an Lichtungen. Früher, als Kahlschläge noch gang und gäbe waren, profitierten zumindest die Kreuzottern davon. „Günstig wäre es, wenn kleinere Flächen im Wald nach Sturmschäden offen blieben“, sagt Steffen Teufert. Nach Absprachen mit Waldeigentümern, Revierförster Jörg Kother, der Gemeindeverwaltung und Holger Scheumann vom Jagdverband haben die drei Kreuzottern-Liebhaber mehrere Bäumchen auf ein paar kleinen Stellen an Waldwegen fällen und als mögliches Versteck für die Tiere liegen lassen. „Sie haben das angenommen“, freuen sich die Naturschützer.

Die verbliebene Population nahe Rammenau schätzt Steffen Teufert auf höchstens 20 Tiere. „Zum Überleben braucht eine Population mindestens 150 bis 250 Hektar. Kreuzottern sind Einzelgänger und werden zehn bis 15 Jahre alt. Finden wir ein Tier, lassen wir es in Ruhe, fotografieren es aber. Jedes hat ein individuelles Muster auf Kopf und Nacken. Falls sich zwei Tiere ähneln, unterscheiden sie sich in der Beschuppung“, erklärt er. Kreuzottern haben eine sehr enge Bindung an ihren Lebensraum. „Wenn angestammte Paarungsplätze verloren gehen, verzichten sie darauf, sich zu paaren.“ Es könnte ein Grund dafür sein, warum seit mehr als zehn Jahren keine kleinen Kreuzottern mehr im Forst Luchsenburg entdeckt worden sind.

Netz zur Grünbrücke nötig

Vor zwei Jahren hätte es beinahe mal mit Kreuzotter-Nachwuchs in den Rammenauer Wäldern geklappt. Doch das trächtige Weibchen lag zerfahren auf einem Waldweg; vermutlich war es einem Mountainbiker zum Opfer gefallen. Zu den natürlichen Feinden gehören hauptsächlich Greifvögel und Wildschweine. Als Nahrung bevorzugen Kreuzottern unter anderem Mäuse, ein erwachsenes Männchen benötigt zehn bis 15 im Jahr. Kleine Kreuzottern fressen Eidechsen-Babys oder winzige Frösche.

„Wir hoffen, dass wir den Restbestand der Population hier erhalten und wieder fördern können. Deshalb brauchen wir ein Netz aus Wegen, Lichtungen oder Schneisen für die Tiere bis zur Grünbrücke über die Autobahn, denn sie zerschneidet den angestammten Lebensraum“, sagt Steffen Teufert.