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Meißen

Versteckter Hausschwamm

Weil es einzustürzen drohte, muss das Dach der Fahrzeughalle im Bauhof aufwendig saniert werden.

©  Claudia Hübschmann

Meißen. Wir sehen, was wir nicht sehen.“ Mit diesem Paradoxon bringt Bauunternehmer Uwe Riße auf den Punkt, was die außergewöhnliche Schwierigkeit dieser Baustelle ausmacht. 

Denn als im August 2018 plötzlich der Hauptträger des Daches teilweise einbrach – da waren alle perplex. „Wie konnte das sein, dass der Balken einfach runterkam, man konnte keinerlei Ursache dafür sehen“, sagt Oberbürgermeister Olaf Rasche (parteilos). 

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Und hier kann man ihm aufs Wort glauben, denn das nicht nur der Hauptträger, sondern große Teile des Daches vom Echten Hausschwamm zerfressen waren, „war nicht zu sehen“. „Das Gebäude war einsturzgefährdet“, erklärt dann auch Uwe Riße, der mit seiner im Klipphausener Ortsteil Sora ansässigen Firma im Juli vom Stadtrat den Auftrag erhielt, die alte Fahrzeughalle auf dem Bauhofgelände für knapp 243.000 Euro zu sanieren. „Die Deckung erfolgt zu 80 Prozent aus Efre-Fördermitteln und zu 20 Prozent aus der Vorsorgerücklage“, heißt es dazu.

Uwe Riße steigt auf dem Gerüst voran, bis hoch zur Dachkante der Halle. Einige Schichten Ziegel sind hier abgetragen, und so ist zu sehen, dass die Balken, die das Dach tragen, vollkommen eingemauert sind. Deshalb war der Hausschwamm von außen nicht zu sehen. Ein klarer Baufehler, den sich unsere Altvorderen hier geleistet haben.

Und ein zweiter kam in DDR-Zeiten hinzu, als die Dachhaut erneuert wurde. Die Schindeln aus Dachpappe waren so verlegt worden, dass über Jahre hinweg Wasser genau in das Balkenauflager hineinfließen konnte. Nachdem das Hallendach im vergangenen Sommer von innen mit Stahlstützen gesichert worden war, laufen seit Anfang August die Sanierungsarbeiten.

Die alten Balken – das Holz lässt sich teilweise mit der bloßen Hand ausbrechen – werden durch neue ersetzt. Auch das Mauerwerk muss gegen den Echten Hausschwamm immunisiert werden. Mitte Dezember soll alles fertig sein.

Bis dahin soll auch eine beheizte Werkstätte des Bauhofes, die sich bislang in der alten Fahrzeughalle befindet, aus- und in das große historische Werkstattgebäude auf dem Gelände einziehen. Die Fahrzeughalle selbst wird ein Kalthaus. Das hängt mit seiner Bestimmung zusammen. 

Denn hier soll einmal ein Museum zur Straßenbahngeschichte Meißens entstehen. Das erste und wertvollste Ausstellungsstück steht schon in der Halle. Unter einer großen weißen Plane zeichnen sich die Umrisse der Meißner Straßenbahn-Güterlok Nr. 3 ab. 

Diese hatte die Stadt bereits 2012 als Leihgabe des Dresdener Verkehrsmuseums erhalten. Sie wurde ebenfalls in den Betriebshof auf der Jaspisstraße 11 gebracht. Die elektrische Lokomotive war von 1901 bis 1967 zwischen dem Elbkai und Buschbad im Einsatz. Die acht Meter lange Güterlok aus Stahl hat vier elektrische Motoren zu je 25 PS und wiegt knapp 23 Tonnen. 

Die Stadt nennt zudem einen historischen Straßenbahnwagen ihr eigen. Der Personenwagen Nummer 14 kehrte 2014 nach fast 80 Jahren zurück nach Meißen. Seit 1936 diente der Wagen, der 24 Jahre auf der knapp 6,5 Kilometer langen Meißner Straßenbahnlinie unterwegs gewesen war, als Schuppen auf einem Privatgrundstück in Keilbusch. Außerdem habe man noch historische Rollböcke für das künftige Museum, so Oberbürgermeister Olaf Raschke.

Was die alte Fahrzeughalle in der Jaspisstraße betrifft, so ist sie für Bauunternehmer Uwe Riße auch eine Art Museumsstück: „Die Stadt sollte froh sein, solch ein Kleinod zu haben.“

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