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Döbeln

Vertauschte Rollen vor Gericht

Ein Rechtsanwalt soll Mandantengelder veruntreut haben. Doch auch der berufliche Neustart endet vor Gericht.

©  dpa / Symbolbild

Für den Jurist muss es sich komisch angefühlt haben. War es sonst seine Aufgabe, als Anwalt für das Recht der Mandanten zu streiten, so musste er sich am Montag als Angeklagter auf seinen Anwalt verlassen.

Nachdem gegen den früheren Rechtsanwalt ein Verfahren wegen mehrfacher Veruntreuung von Mandantengeldern lief, musste er sich nun erneut vor Gericht verantworten. Denn sein beruflicher Neustart lief ebenfalls nicht ganz sauber ab: Fernab von der Verwaltung von Finanzen kümmerte sich der Mann um Verträge im Bereich des Einkaufs der Agentur für Arbeit in Chemnitz.

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 Seine Arbeit soll gut gewesen sein. Im Normalfall hätte sogar ein unbefristeter Vertrag auf den früheren Rechtsanwalt gewartet. Allerdings stand nun den früheren Mitarbeitern vor Gericht gegenüber.

Schon vor der Vertragsunterzeichnung solle er die Arbeitsagentur betrogen und das gegen ihn laufende Strafverfahren verheimlicht haben. Das bestritt der Angeklagte auch gar nicht, sondern berief sich vielmehr auf sein Recht zur Lüge. Die Frage des Arbeitgebers nach laufenden Verfahren sei unzulässig gewesen. 

Außerdem sei der Arbeitsagentur gleichgültig gewesen, ob gegen ihn ein schwebendes Verfahren vorliege oder nicht. Denn die entsprechenden Unterlagen habe man sich erst nach der Vertragsunterzeichnung angeschaut.

So flog der Schwindel erst auf, als ein Vertragspartner der Arbeitsagentur nicht mit dem Angeklagten zusammenarbeiten wollte – aufgrund der Vorgeschichte des Juristen. Einer Vorgeschichte, die der Arbeitsagentur zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt war. Ein Personalreferent, der immer dann eingeschaltet wird, wenn es Probleme mit dem Personal gibt, wurde hinzugezogen. 

Als Zeuge vor Gericht musste er der Darstellung des Angeklagten widersprechen. Denn normalerweise sei ein laufendes Verfahren ein KO-Kriterium bei der Einstellung. Allerdings konnte er nicht zur Aufklärung beitragen, ob im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung alles ordnungsgemäß abgelaufen sei. 

Von Seiten des Angeklagten wurde nämlich versichert, dass zu keinem Zeitpunkt nach möglichen laufenden Verfahren gefragt wurde. Das muss in einem weiteren Verhandlungstermin geklärt werden.

So viel konnte der Zeuge allerdings zum Verfahren beitragen: Bei einem wahrheitsgemäß ausgefüllten Fragebogen sei der Bewerbungsvorgang unterbrochen und der Jurist möglicherweise nicht eingestellt worden. Ein Schwindel, der so erst nach der abgelaufenen Probezeit auffiel. Bis das Arbeitsverhältnis beendet wurde, erwirtschaftete der Angeklagte ein Bruttoeinkommen von über 28 000 Euro.

Die nächste Verhandlung ist für übernächsten Montag anberaumt. So soll unter anderem geklärt werden, ob der Vertrag tatsächlich ohne Durchsicht aller Unterlagen unterschrieben werden konnte.

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