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Vertrauen auf Vater Staat

Dresden - Ein Jahr nach der Flut haben mehr als Drittel der betroffenen Firmen in Sachsen noch keine Vorsorge für Schäden aus Naturereignissen getroffen. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Vereinigung...

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dpa

Dresden - Ein Jahr nach der Flut haben mehr als Drittel der betroffenen Firmen in Sachsen noch keine Vorsorge für Schäden aus Naturereignissen getroffen. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW). Vize-Chef Roland Pohnert sprach in Dresden von einem „erschreckenden Ergebnis“. Nur knapp die Hälfte der befragten Firmen habe mit Versicherungen und baulichen Maßnahmen vorgesorgt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) glaubt, dass der Staat bei einem ähnlichen Ereigniss wieder umfangreich materiell hilft.

Die Wirtschaftsvereinigung forderte die Betriebe nachdrücklich auf, Vorkehrungen für den Notfall zu treffen. Beleg für die unzureichende Vorsorge sind auch die Versicherungsleistungen nach der Flutkatastrophe. Demnach erhielt nur ein reichliches Fünftel der befragten Unternehmen Geld von der Versicherung. Der VSW schätzt ein, dass Dreiviertel der Betriebe dagegen überhaupt nicht versichert waren.

Nach Angaben von Pohnert waren knapp 12.000 sächsische Firmen mit rund 100.000 Beschäftigten vom Hochwasser im August 2002 betroffen. Die Schadenssumme belief sich auf etwa zwei Milliarden Euro. In erster Linie wurden Gebäude, Maschinen und Lagerbestände zerstört. Der Produktionsausfall könne nicht beziffert werden, sagte er. Insgesamt seien die finanziellen Mittel aus Förderung, Spenden, Versicherungsleistungen und gegebenenfalls auch eigenen Rücklagen, um bei 80 Prozent der Unternehmen die Schäden zu beseitigen.

Laut Studie haben 4 Prozent der befragten Unternehmen den Betrieb nach der Flut nicht wieder aufgenommen. VSW-Geschäftsführer Hartmut Fiedler hält es für legitim, diesen Anteil auf alle geschädigten Firmen hochzurechnen. Demnach gaben 478 Handwerker und Betriebe als Folge des Hochwassers auf. Während dem Wirtschaftsministerium nach eigenem Bekunden kein Unternehmen bekannt ist, das auf direktem Wege von der Flut in die Insolvenz trieb, weiß der VSW von solchen Fällen. Vermutlich hätten viele Betroffene aber auch einen Neuanfang beispielsweise aus Altersgründen gescheut.