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Vertriebene auf Heimatbesuch

Am Wochenende wird in Seifhennersdorf eine Ausstellung eröffnet, die sich mit dem Schicksal der Deutschen Bevölkerung aus dem Isergebirge nach 1948 beschäftigt.

Sommer 1945: Ein Bild von der Vertreibung Deutscher am Grenzübergang Petrovice (Petersdorf)/Lückendorf.
Sommer 1945: Ein Bild von der Vertreibung Deutscher am Grenzübergang Petrovice (Petersdorf)/Lückendorf. © Rolf Hill

Die alte Heimat und eventuell auch aus den Augen verlorener Freunde und Bekannte wiedersehen: Das ist das Anliegen ehemals Vertriebener, die dieses Wochenende zum 53. Bundestreffen der Niederländer im Karlihaus Seifhennersdorf zu Gast sind. 

Dabei werden sie neben dem offiziellen Programm auch Zeit haben, sich die Orte ihrer Kindheit und Jugend im Böhmischen Niederland  - dem Schluckenauer Zipfel - anzusehen. Ob Besuche in Alt-Ehrenberg (Staré Křečany), Georgswalde (Jiříkov), Kreibitz (Chřibská), Schönlinde (Krásná Lípa) oder anderswo: Neben den ehemaligen Elternhäusern und Schulen sind dabei meist die Kirchen und Friedhöfe besondere Orte des Gedenkens und der Besinnung. 

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Dabei haben sie auch die Möglichkeit, sich den zweiten Teil der Wanderausstellung zur Vertreibung der Deutschen Bevölkerung aus dem Isergebirge anzusehen, in der ehemaligen Fabrik "Heinrich und Ohmann" in Seifhennersdorf. Erstellt hat diese das "Haus der Deutsch-Tschechischen Verständigung" in Jablonec nad Nisou/Rýnovice (Gablonz/OT Reinowitz). Sein Anliegen ist es unter anderem, schmerzliche Erinnerungen an die damalige Zeit ohne Zorn und gegenseitige Schuldzuweisungen zu begegnen. 

So dokumentieren 18 großflächige Schautafeln anhand aussagekräftiger Fotos und Texten in deutscher und tschechischer Sprache die weitere Entwicklung nach 1948 bis zum "Prager Frühling" 1968. Dabei wird nicht nur der schwere Beginn für die Vertriebenen im fremden Land dargestellt, sondern auch das Schicksal derer, die dableiben durften, teilweise sogar mussten. Für sie ein schweres Leben, bedingt durch Repressalien, Verboten und Einschränkungen. Beispielsweise besaßen die Betroffenen weder die vollen Bürgerrechte, noch durften sie ihre Muttersprache benutzen. Zudem galten begrenzte Einkaufszeiten. So waren die Dagebliebenen praktisch heimatlos im eigenen Land geworden. Gerade diese zweite Seite blieb in der Vergangenheit oft unter "den Teppich" gekehrt.

Um das Programm nicht zu stören, erfolgt die offizielle Eröffnung der Ausstellung erst am Sonntag. Diese ist öffentlich. Weitere Öffnungszeiten sind für die nächsten Wochenenden vorgesehen und werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Ein Bild aus Kindertagen: Die Malerin Christa Scharf wurde am 26. November 1929 in Tiefenbach im Isergebirge (Potočná v Jizerských horách) geboren. Nach der Vertreibung fand ihre Familie eine zweite Heimat im österreichischen Enns.
Ein Bild aus Kindertagen: Die Malerin Christa Scharf wurde am 26. November 1929 in Tiefenbach im Isergebirge (Potočná v Jizerských horách) geboren. Nach der Vertreibung fand ihre Familie eine zweite Heimat im österreichischen Enns. © Rolf Hill
Ein Bild von heute: Christa Scharf (links) im Gespräch mit Journalistin Petra Laurin. Das Schicksal der Malerin ist auch Bestandteil der Wanderausstellung.
Ein Bild von heute: Christa Scharf (links) im Gespräch mit Journalistin Petra Laurin. Das Schicksal der Malerin ist auch Bestandteil der Wanderausstellung. © Rolf Hill

Das Programm

Freitag:

15 Uhr – Begegnung im Karlihaus zu Kaffee und Kleckselkuchen

Sonnabend:

11 Uhr – Begrüßung der Teilnehmer und Festansprachen

11.30 Uhr – Vortrag von Florian Vetter: „Die schicksalhaften Verträge der letzten 100 Jahre“

12.30 Uhr – Vortrag von H.-J. Rochelt über die Trauerfeier zum Ableben von Monsignore Wilfried Pilz

13 Uhr – Mittagspause

14 Uhr – Gemütliches Beisammensein, zum Tanz bittet eine tschechische Kapelle

18 Uhr – Ende der Veranstaltung

Sonntag:

10 Uhr – Gottesdienst in der Pfarrkirche Leitersdorf mit Pfarrer Andrzej Glombitza, Chor und Orchester

14 Uhr – Eröffnung der Ausstellung in der ehemaligen Fabrik Heinrich und Ohmann, An der Aue 3, Seifhennersdorf

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