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Vertriebene schildern Erlebnisse

Bad Muskau. Vom 15. November bis 9. Januar ist im Bad Muskauer Neuen Schloss eine deutsch-polnische Ausstellung zu sehen, die schon seit 1999 in zahlreiche Orte im deutsch-polnischen Grenzgebiet wanderte und darüber hinaus auch in Berlin, Travemünde, Heidelberg, Rüsselsheim und Lublin zu sehen war.

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Bad Muskau. Vom 15. November bis 9. Januar ist im Bad Muskauer Neuen Schloss eine deutsch-polnische Ausstellung zu sehen, die schon seit 1999 in zahlreiche Orte im deutsch-polnischen Grenzgebiet wanderte und darüber hinaus auch in Berlin, Travemünde, Heidelberg, Rüsselsheim und Lublin zu sehen war. Unter dem Titel „Und dann mussten wir raus“ sollen Berichte von deutschen und polnischen Vertriebenen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so der Berliner Kultursoziologe Dr. Wanja W. Ronge zum Anliegen. Er initierte seit 1992 Gesprächskreise diesseits und jenseits der deutsch-polnischen Grenze, in denen Menschen ihre Erlebnisse schilderten.

Beispielsweise in Chojna, Slonsk, Osno und Witnica. Viele erzählten von ihrer Flucht vor dem Krieg, der im September 1939 für die einen von Westen und für andere von Osten hereinbrach. Ihre Geschichten handelten von Zwangsaussiedlungen aus den von Deutschland besetzten Gebieten, berichteten von ihrer Verschleppung nach Sibirien und von der Zwangsarbeit in der deutschen Industrie und Landwirtschaft oder der Deportation ins KZ.

Das Kriegsende bedeutete für viele die erneute Vertreibung aus ihrer Heimat in die neuen Westgebiete Polens. Und die aus diesen Gebieten stammenden Deutschen erzählten von ihrer Flucht vor der sowjetischen Front oder von den Vertreibungen nach Kriegsende, andere schilderten ihre Internierung oder ihre Deportation als lebende Reparation in die Sowjetunion. Diese Menschen leben auf der anderen Seite der Oder, in Obersdorf, Lebus, Storkow, Letschin, Eisenhüttenstadt und Vogelsang. All die Erinnerungen sind in die zweisprachige Ausstellung eingegangen.

Auf beiden Seiten der Grenze an Oder und Neiße habe es für die Menschen nach 1945 fast ein halbes Jahrhundert lang keinen öffentlichen Raum gegeben, in dem sie ihre Erlebnisse thematisieren hätten können, so Ronge. Öffentlich Gesagtes, vorgeschriebene Interpretationen und privat Erinnertes sei deshalb oft nicht im Einklang gewesen. Die Organsiatoren wollen, dass die Betroffenen öffentlich darüber berichten und dass das an ihnen verübte Unrecht endlich als Unrecht öffentlich zur Kenntnis genommen wird. Aufklärung solle aber nicht mit Aufrechnung verwechselt werden. (KOM/SZ)

Ausstellungseröffnung am 15. November 9 Uhr, Neues Schloss (Südflügel), Eintritt: frei.