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Verwirrung um die Straßen

Während in Dresden eine Bauinvestorin einfach mal so ein Stück asphaltierten Radweg verschwinden ließ – und dann auch noch das falsche – sind in Freiberg tatsächlich Straßen verschwunden. Allerdings geschah...

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Von Siggi Grohmann

Während in Dresden eine Bauinvestorin einfach mal so ein Stück asphaltierten Radweg verschwinden ließ – und dann auch noch das falsche – sind in Freiberg tatsächlich Straßen verschwunden. Allerdings geschah das nur auf dem neuen Stadtplan, der vom Kultur-Stadt-Marketing an die Hotels der mittelsächsischen Kreisstadt verteilt wurde. Auf den 50 DIN-A4-Abreißblöcken mit je 100 Plänen fehlen zwei Gassen und ein Fußgängertunnel. Die Stadt bedauert den Fehler und will im zweiten Halbjahr neue Pläne liefern.

Nun geht davon die Welt nicht unter – die Touristen, die sich per Smartphone durch die Stadt navigieren, haben exaktes Kartenmaterial, obwohl auch das Internet nicht unfehlbar ist.

Vielleicht war das aber gar kein Fehler, sondern Absicht. Gerade jetzt in den Zeiten des Wahlkampfs sprechen die Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters davon, dass man Freiberg attraktiver darstellen und die Touristen länger hier halten müsse. Und wie geht das besser als mit dem ersten Ansatz eines Irrgartens? Dadurch bekommt ein Besuch in der mittelsächsischen Kreisstadt doch den Hauch eines Abenteuerurlaubs. Vielleicht kann man beim nächsten Plan wieder etwas weglassen und ein Gewinnspiel für Touristen daraus machen. Wer die fehlenden Straßen aufspürt und einträgt, bekommt dann einen Preis namens „Freiberg-Scout“. Ein Kandidat dafür wäre die B 173 am Rande der Altstadt, die wird ab Juli sowieso wegen Bauarbeiten gesperrt. Es gibt aber auch Straßen, die im Plan enthalten sind, aber in der Realität schon fast keine mehr sind, sich also vom Belag her nach unten selbst in Wohlgefallen auflösen.

Andererseits könnte man auch Straßen eintragen, die es noch gar nicht gibt, wie zum Beispiel die seit der Wende diskutierte Umgehungsstraße. Aber wie dem auch sei, ob es nun ein bedauerlicher Fehler oder Absicht war, eines ist klar: In Freiberg wurde schon immer – und so wird es auch bleiben – nur an den Stellen der Asphalt von Straßen oder Wegen weggebaggert, wo anschließend auch gebaut wird.