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Verzahnung für 30 Jahre Standzeit

Hoyerswerdas Lausitzer Platz wird vollendet – zum Stadtfest vom 13. bis 15. September ist er wieder komplett nutzbar.

Falko Niemz dirigiert das Vakuumsauggerät an eine Platte. Gut erkennbar: die „Verzahnungen“.
Falko Niemz dirigiert das Vakuumsauggerät an eine Platte. Gut erkennbar: die „Verzahnungen“. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Was denn: Vom 23. April bis Ende August dauert das bisschen Platten-Neuverlegen am Lausitzer Platz? Das schafft ein professionelles Unternehmen mit 500 Arbeitern und modernster Technik in zwei Wochen Tag-und-Nacht-Arbeit! Eine Woche die alten Quader runter, eine Woche die neuen rauf. Fertig. Was soll da so schwierig sein? Hab’ ich nicht meinen Gartenweg fast alleine an einem Wochenende mit Rasenbord fertig bekommen?

Plausibel? Nein; nicht übertragbar auf die Verhältnisse am Lausitzer Platz. Das hat nicht nur mit der Größe des Areals zu tun, 2 800 Quadratmeter sind es, sondern mit den Anforderungen, die hier gestellt werden mussten. Und da es eine Arbeit mitten in der Stadt, direkt an einem Wohngebiet ist, kann man nicht Tag und Nacht arbeiten, sondern nur vom Morgen (zu einer christlichen Aufsteh-Zeit) bis gegen 15 Uhr. Schließlich sollen die Anwohner nicht dauer-genervt sein; Berliner Verhältnisse wünscht sich gewiss keiner.

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Zu dünn, zu flach, zu instabil

Vor allem aber muss(te) etwas Grundsolides geschaffen werden; etwas, was sich vom Gebrauchswert her deutlich unterscheidet von der bisherigen Lösung. Denn der Lausitzer Platz in seiner alten Fassung war ein ziemliches Ärgernis geworden: Die Platten waren verschlissen; teils zerbrochen, „ausgewackelt“ und auch optisch in Mitleidenschaft gezogen durch die Begleit-Erscheinungen wahrscheinlich tausender Wochenmarkttage seit der Erst-Gestaltung. Beim Aufnehmen der alten Platten zeigte sich noch einmal, warum sie auf Dauer den Anforderungen nicht hatten standhalten können: Sie waren viel zu dünn gewesen. Das Material war wohl vor allem nach optischen und Kostengesichtspunkten ausgewählt worden. Zudem konnten sich die Platten gegeneinander verschieben bei Belastungen, wie sie auftreten, wenn beispielsweise ein Kleinlaster auf engem Raum rangiert. Vor allem aber waren sie zu flach verlegt worden. Das ist jetzt kein Vorwurf an die damaligen Platz-Gestalter. Sie konnten ja nicht wissen, dass die Beanspruchungen des Platzes Ausmaße wie die heutigen annehmen würden. Doch jetzt kennt man sie. Darum hat der Bauherr, die Stadt Hoyerswerda, beim Planungsbüro BiKo (Birkigt planen + überwachen Senftenberg) ein Projekt in Auftrag gegeben, das harten Beanspruchungen gewachsen ist. Die Ausführung wurde der Schwarzkollmer Firma LBB (Landschaftsbüro Buder) übertragen.

Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Zuerst mussten die alten Platten raus. Die waren zu nichts mehr zu gebrauchen; Nachnutzung unmöglich. Sie wurden entsorgt. Zweiter Schritt: Für einen dauerhaften Unterbau musste der Boden ausgekoffert werden. 85 Zentimeter tief.

Als Nächstes wurde Schotter eingebracht, der ganz andere Untergrund-Festigkeitswerte wie Sand oder Kies erreicht. Freilich ist damit kein grober Schotter wie in Gleisbetten der Bahn gemeint, sondern feine Körnungen, die ein Verdichten ermöglichen, das Standfestigkeit garantiert.

Pfützen wären eine Katastrophe

Schon dabei musste darauf geachtet werden, dass die Nivellierung stimmt. Die Gefällerichtung muss festgelegt werden – zu den Entwässerungsanlagen hin. Regen soll abfließen; Pfützen auf dem Pflaster wären eine mittlere Katastrophe.

Jetzt erst kommen die Platten ins Spiel. Ein ganz anderes Kaliber als ihre Vorgänger: 40 x 40 Zentimeter, 60 x 40 Zentimeter und 60 x 60 Zentimeter messen sie. 16 Zentimeter Dicke weisen sie auf. Sie bestehen aus Beton mit angestrahltem Natursteinvorsatz in Granit-Optik. Sie sind zwischen 80 und 130 Kilogramm (pro Exemplar!) schwer. Und sie haben eine Art „Verzahnung“ an den Seiten; das heißt, sie greifen ineinander und können sich nicht gegeneinander verschieben, wie es die entfernten Tafeln taten. Bisweilen müssen die massiven Elemente geschnitten werden. Verlegt werden sie nicht von Hand, sondern mit zwei Vakuumsauggeräten, die jede einzelne der über 8 000 benötigten Platten ansaugen und vom Stapel durch die Luft zum Bestimmungsort schweben lassen, wo sie millimetergenau justiert werden. Mit angefeuchtetem Schotter werden die Platten fixiert und mit Wasser nachbehandelt, bis alles sitzt.

Lärm ja, Schmutz nein

Solche Arbeiten können nicht lautlos vonstattengehen. Wir in der Tageblatt-Redaktion sind in unserem „Glaskasten“ an der Stirnseite des Lausitz-Centers Tag für Tag Ohrenzeugen, wenn Bau-Fahrzeuge, Schneidmaschinen und Rüttelplatten ihr Werk verrichten. Es wäre gelogen, zu behaupten, dass uns die einprägsamen Geräusche nach Ablauf der Bauzeit fehlen werden – aber sie sind nun einmal unvermeidlich. Anders als Lärm hat es Schmutzbelastungen so gut wie gar nicht gegeben. Nassschneidetechniken haben es möglich gemacht. Was Christian Buder vom LBB ein bisschen verblüfft hat: Es gab keinerlei Beschwerden von Anwohnern oder Passanten. Eher Interesse und Wohlwollen – und bisweilen sogar unverhoffte Unterstützung. „Die größte Schwierigkeit“, sagt Buder, „war die Hitze. Hier auf dem Platz steht dauernd die Sonne; kein Schatten, nichts.“ Um so dankbarer waren die Schwarzkollmer, als sie vom „Backhaus“ an einem besonders argen Tag mit erfrischenden Kaltgetränken versorgt wurden.

Feld-Ahorn wird neu gepflanzt

43 Tage trennen Hoyerswerda noch vom Beginn des Stadtfestes. Gefeiert werden soll es vom 13. bis 15. September. Auf dem Lausitzer Platz. Der wird dann fertig sein – und zum Stadtfest (und ähnlichen Veranstaltungen) nicht mehr mit kreuz und quer verlegten Kabeln, Brücken und „Stolperstellen“ versehen sein. Alles an Medien wird nun durch einen unterirdischen Tunnel geführt. Zwei Schutzrohre und drei Kabeleingangsschächte ermöglichen es, alles an Strom & Co. unsichtbar seinem Bestimmungsort zuzuführen. Dann sollen auch die vier Ecken des Brunnen-Areals neu bepflanzt worden sein – mit Feld-Ahorn-Bäumen, die anspruchslos und pflegeleicht sind und viele Jahre stehen können, ohne all zu sehr in die Höhe und Breite zu gehen.

Vielleicht zur 800-Jahr-Feier

Apropos Jahre: Wie lange soll denn der „neue“ Lausitzer Platz vorhalten? „Mindestens 30 Jahre“, sagte Ursula Bischoff vom Tiefbauamt und Gebäudemanagement der Stadt Hoyerswerda. Sebastian Rost von BiKo ergänzt: „Bei ordnungsgemäßer Nutzung.“ Sollten (unbeabsichtigt) Chemikalien auf die Platten gelangen oder extreme Belastungen unglücklich auf eine einzelne Platte einwirken, etwa eine Stütze eines überdimensionierten Jahrmarkt-Fahrgeschäfts, könne eine partielle Reparatur notwendig werden. Aber das wird hoffentlich die nächsten (mindestens!) 30 Jahre nicht passieren. Vielleicht ist ja auch sogar erst zur 800-Jahr-Feier von Hoyerswerda (das wäre anno 2068) wieder eine Rundum-Erneuerung des Lausitzer Platzes fällig.

Mathias Nitz justiert das Teil. 
Mathias Nitz justiert das Teil.  © Foto: Uwe Jordan
Hoyerswerdas Lausitzer Platz, die Nordwestseite, also gesehen vom Ex-Centrum her in Richtung Lausitzhalle. Hier ist er schon so gut wie fertiggestellt ...
Hoyerswerdas Lausitzer Platz, die Nordwestseite, also gesehen vom Ex-Centrum her in Richtung Lausitzhalle. Hier ist er schon so gut wie fertiggestellt ... © Foto: Uwe Jordan
... und so sieht er von der Lausitzhalle her gen Lausitz-Center / Ex-Centrum aus. An dieser Südostseite ist noch einiges zu tun.
... und so sieht er von der Lausitzhalle her gen Lausitz-Center / Ex-Centrum aus. An dieser Südostseite ist noch einiges zu tun. © Foto: Uwe Jordan

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