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Viel Ärger wegen einer Delle im Auto

Der Geschädigte, dessen Vater und vier junge Leute werfen sich gegenseitig Körperverletzung vor.

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Vier junge Leute, drei Männer und eine Frau, sollen einen 42-jährigen Meißner und dessen 75 Jahre alten Vater getreten und geschlagen haben. Gefährliche Körperverletzung wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Ausgangspunkt der Rangelei war eine Sachbeschädigung. Der Streit um eine Delle in einer Autotür schaukelte sich hoch. Was wirklich geschah, lässt sich wohl kaum aufklären.

Es ist ein Wintertag im Dezember vorigen Jahres, als die jungen Leute die Wohnung verlassen und zum Döner gehen wollen. Dabei soll P., einer der Angeklagten, gegen die Autotür des Geschädigten getreten haben. Der will die Tat beobachtet haben, rennt zu dem Auto, stellt den Täter und seine Kumpels zur Rede. Dabei soll er von P. einen Faustschlag ins Gesicht bekommen haben. Als der 75-jährige Vater des Geschädigten, aufgeschreckt durch das Geschrei auf der Straße, hinzukommt, soll auch er geschlagen und getreten worden sein. Als er am Boden liegt, soll ihm die Angeklagte F. mit den Füßen in die Genitalien getreten haben.

Nur „ausgerutscht“

Die vier Angeklagten stellen die Sache anders dar. P. sei auf der glatten, weil schneebedeckten und nicht geräumten Straße „ausgerutscht“ und gegen die Autotür geprallt, sagen sie aus. Der Geschädigte habe ihn daraufhin zur Rede gestellt, ihn dabei auch tätlich angegriffen. „Ich habe mich nur gewehrt“, sagt P. Der Vater des Geschädigten sei hinzugekommen und habe Frau F. von hinten in den „Schwitzkasten“ genommen. „Er hat mich von hinten gepackt, da habe ich mich mit einem Tritt gewehrt“, sagt die 20-Jährige.

Der Geschädigte selbst sagt als Zeuge vor Gericht aus, es habe erst ein Wortgefecht und dann eine „Rangelei“ gegeben. Er sei von den Angeklagten P. und H. in den Schwitzkasten genommen worden, habe gesehen, wie Frau F. seinen Vater getreten habe. B. habe nichts gemacht. Von einem Faustschlag ist plötzlich nicht mehr die Rede. Dies widerspricht seinen Aussagen, die er bei der Polizei gemacht hatte. Dort hatte er auch B. beschuldigt, mit geschlagen zu haben. Davon will er jetzt nichts mehr wissen. Die Körperverletzung bezeichnet er als eine „Lappalie“. Wichtig sei ihm nur die Delle an seinem Auto gewesen. Das Verfahren wegen Sachbeschädigung wurde allerdings eingestellt. Deshalb ist der Geschädigte verwundert darüber, dass es dennoch vor Gericht erscheinen muss. Im Ärger wegen der Delle hat er bei seiner polizeilichen Vernehmung offensichtlich ein bisschen dick aufgetragen. Als Zeuge ist er jedenfalls nicht sehr glaubwürdig.

Strafbefehl gegen Vater

Auch sein Vater kann kaum zur Erhellung des Geschehens beitragen. Der 75-Jährige hat weder gesehen, dass sein Sohn geschlagen noch dass er in den Schwitzkasten genommen wurde. Er weiß auch nicht genau, wie er zu Fall kam. Weil er Frau F. verletzt haben soll, erhielt der alte Herr seinerseits einen Strafbefehl.

Das Gericht kann die Sache so nicht zweifelsfrei aufklären. Wegen geringer Schuld stellt es das Verfahren gegen die vier Angeklagten auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein. Jürgen Müller