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Dresden

Viel Geld für einen Lover irgendwo in Afrika

Eine 75-jährige Rentnerin soll ihre Tante bestohlen haben. Doch die Sache ist nicht so einfach, wenn Liebe im Spiel ist.

Wo steckt der afrikanische Liebhaber nur? Wegen einer vermeintlichen Romanze mit einem Mann aus Ghana steht eine Dresdnerin nun vor Gericht.
Wo steckt der afrikanische Liebhaber nur? Wegen einer vermeintlichen Romanze mit einem Mann aus Ghana steht eine Dresdnerin nun vor Gericht. ©  dpa/Symbolbild

Gesehen hat sie den Mann nicht. Wer weiß, ob es den Romeo überhaupt gibt. Verguckt hatte sie sich aber schon. Wie das geht, ist eine interessante Frage in einem Strafprozess am Amtsgericht Dresden. Doch es geht nicht um den unbekannten Lover. Wahrscheinlich teilt er sich seinen betrügerischen Job mit anderen Gaunern, die irgendwo in Afrika so etwas wie ein Callcenter betreiben, Liebesköder in Form von Fake-Profilen im Internet auslegen und viel Geld einsammeln. Eine 75-jährige Rentnerin muss derweil die Scherben einer vermeintlichen Liebelei vom Frühjahr 2015 als Angeklagte zusammenkehren.

Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass sich die Rentnerin bewusst und absichtlich am Konto ihrer Tante vergriffen hat. Die inzwischen 88-jährige Frau lag im Jahr 2015 monatelang in verschiedenen Kliniken. In dieser Zeit habe die Angeklagte mit der EC-Karte der Tante sechsmal jeweils 1.000 Euro abgehoben – an Geldautomaten am Wilden Mann und in der Mälzerei, also in der Nähe der Wohnung der Angeklagten.

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Die 75-Jährige konnte kaum abwarten, bis Richter Markus Maier ihr das Wort erteilte. Sie wollte sofort sagen, dass sie sich völlig zu Unrecht verfolgt fühlt. Sie habe das Geld mit Wissen ihrer Tante abgehoben, ihr sogar einen Schuldschein unterschrieben. Dass sie nun vor Gericht stehe, dass ihre Tante sie belastet habe, das sei unverschämt, polterte die Angeklagte. „Das habe ich ihr auch gesagt!“

Doch wie so oft liegen die Dinge tiefer. Von sich aus räumte die Rentnerin gegenüber dem verdutzten Richter Maier ein, dass sie im Internet einen Mann kennengelernt habe. Das mit ihrer Ehe, „das ging einfach nicht mehr“, sagte sie. Richter Maier zog die Augenbrauen hoch. „Nach 50 Jahren Ehe?!“, rief er mehr überrascht, als dass er fragte. „Ja“, entgegnete die Angeklagte, „wir hatten schon die Goldene Hochzeit. Aber das ging dann nicht mehr.“ Getroffen habe sie den Mann aus Ghana nie, sagte sie. „Ich bin reingefallen!“ Er habe nach Dresden kommen wollen, habe 6.000 Euro gewollt für die Reise.

Es dauerte ein wenig, ehe das ganze – vermeintliche – Ausmaß der Betrügerei herauskam, der die Angeklagte zum Opfer gefallen ist. Immerhin gibt sie diese peinliche Sache zu. 30.000 Euro habe sie insgesamt per Western Union ins Ausland überwiesen. Eine Zahl, die einem dem Atem raubt. Sie habe sogar einen Kredit aufgenommen, sagte die 75-Jährige. Doch sie blieb dabei, dass sie ihre Tante nie bestohlen oder betrogen habe. Sie habe stets mit dem Wissen der betagten Frau Geld von deren Konto abgehoben. EC-Karte und Pin-Nummer habe sie von ihrer Tante bekommen, weil sie für die Tante Geld abheben sollte.

Sie sei die einzige Angehörige in Dresden gewesen, habe ihr etwa auch die Wäsche gewaschen. Die Tante habe alle Summen „auf ihren vielen Schmierzetteln notiert“, sagte die Angeklagte. Sie habe sich tatsächlich Geld für den Mann aus Ghana von der Tante geliehen. „Wir finden einen Weg“, habe man vereinbart. Sie habe ihrer Tante das ganze Geld längst zurückgezahlt. Richter Maier muss nun aber die Tante als Zeugin hören. Der Prozess wird fortgesetzt.