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Viel Geld fürs Weinhübler Kühlhaus

Nach dem Second Attempt plant ein zweiter Jugendverein langfristig. Der Unterschied zwischen beiden ist groß.

Von Ingo Kramer

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Große Freude beim Kühlhaus-Verein: Die jungen Leute, die seit 2008 das einstige Firmengelände hinter dem Bahnhof Weinhübel wieder mit Leben erfüllen, erhalten 50 000 Euro von der Robert-Bosch-Stiftung. Ihr Projekt „Mittelpunkt Stadtrand“ wurde als eine von insgesamt 17 Ideen in Ostdeutschland für eine Förderung im Programm „Neulandgewinner“ ausgewählt. Insgesamt gab es über 200 Bewerbungen. Das Programm widmet sich „kreativen Visionen für Leerstand im ländlichen Raum“ in den neuen Bundesländern.

„Wir können das Geld verteilt über die Jahre 2015 und 2016 einsetzen“, sagt Kühlhaus-Vereinschef Danilo Kuscher. Und er weiß auch schon, wohin das Geld fließen soll: „Wir planen 25 Veranstaltungen, darunter Workshops, Vorträge, Poetry Slams, eine Filmwoche und vier Musikveranstaltungen.“ Den Auftakt bildet am 28. Februar ein Workshop zum Thema Visualisierung. „Dort geht es um Lichtkunst, also um das Ausleuchten mit Beamertechnik“, sagt er. Auch später mangelt es nicht an Ideen. Teilnehmer bei einem Fotowettbewerb sollen durch Weinhübel ziehen, auch Zeichnen in Weinhübel ist geplant. Hintergrund: Der Stadtteil soll belebt und in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Dazu strebt das Kühlhaus-Team auch Kooperationen mit anderen Einrichtungen im Stadtteil an, zum Beispiel wollen die jungen Leute auf das Mehrgenerationenhaus zugehen.

Der Großteil der Veranstaltungen aber soll auf dem Kühlhaus-Gelände stattfinden. Dort allerdings nicht in dem viel zu großen Hauptgebäude, sondern im Außengelände, im Vereinshaus und der alten Maschinenhalle. „Für diese Gebäude stehen wir unmittelbar vor der Baugenehmigung“, sagt Danilo Kuscher. Wenn alles klappt, kommt der Bescheid noch diese Woche. Dann könnten im Frühling die drei wichtigsten Ein- und Anbauten erledigt werden: Brandschutztüren, Brandschutzwände und eine Feuertreppe für das Vereinshaus. All diese Arbeiten werden aber nicht über die Robert-Bosch-Stiftung finanziert, sondern ungefähr jeweils zur Hälfte aus Eigenmitteln des Vereins und des Kühlhaus-Besitzers. Dann wäre das Wichtigste erledigt – bis auf einen größeren Toilettenkomplex. Der kommt nach und nach. „Übergangsweise mieten wir erst einmal zusätzliche Toilettenwagen an“, sagt Danilo Kuscher.

Das Kühlhaus-Projekt ist nicht das erste dieser Art, für das viel Geld nach Görlitz fließt: Der Verein Second Attempt hatte sich 2013 mit seiner Initiative Rabryka um das vom Bund finanzierte dreijährige Modellprojekt JugendStadtLabor beworben und 120 000 Euro dafür bekommen. Das Geld steht für die Jahre 2014 bis 2016 bereit. 2014 war in der früheren Hefefabrik an der Bautzener Straße als „Baujahr“ deklariert: Die jungen Leute haben Büroräume, Holzwerkstatt, Lager und Toiletten errichtet. Das ist soweit abgeschlossen. Doch so richtig in Betrieb ist die Werkstatt noch nicht: Sie lässt sich nicht beheizen, sodass es dort jetzt recht ungemütlich ist. „Im April wird es richtig losgehen“, sagt Margarete Kozaczka vom Verein. Das Gleiche gilt für das Projekt „Urban Gardening“, also städtisches Gärtnern auf einem Hügel an der Fabrik.

Die erste Veranstaltung für 2015 findet aber schon eher statt: Vom 20. bis 22. Februar wird es ein Aktions-Wochenende geben – mit Volksküche am Freitag, Kreativworkshop und Konzert am Sonnabend und Plenum am Sonntag. Das Wichtigste ist der Workshop. Dort sollen die Teilnehmer unter fachlicher Anleitung Projektideen entwickeln, die im Laufe des Jahres auf dem Gelände umgesetzt werden. Das ist ein großer Unterschied zum Kühlhaus. Während in Weinhübel schon ganz viele Ideen vorhanden sind und vom Verein selbst umgesetzt werden, kann bei der Rabryka jeder seine eigenen Ideen verwirklichen. Der Second-Attempt-Verein unterstützt das – und reicht die Gelder, die er vom Bund erhält, an die einzelnen Organisatoren weiter.

Opfer des Ganzen ist das Fokus Festival: Weil der ehrenamtlich tätige Verein nicht genügend Leute hat, um Rabryka, A-Team, Campus Open Air, Zukunftsvisionen-Ausstellung und Fokus Festival gleichermaßen umzusetzen, bleibt Fokus auf der Strecke. Ähnlich wie vor Jahren schon der Kulturkombinat-15-Grad-Verein setzt nun also auch der Second Attempt lieber auf viele kleinere, über das Jahr verteilte Veranstaltungen anstatt auf ein großes Festival.

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