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Bautzen

Viel Lärm um neue Rauchmelder

Kaum Parkplätze, neue Räume, Umbau der Kantine: Was Besucher in der Arbeitsagentur jetzt in Kauf nehmen müssen.

Mehrere Hundert Kilometer Kabel müssen in der Bautzener Arbeitsagentur neu verlegt werden. Grund dafür sind neue Brandschutz-Regeln. Christian Scherer (l.) und sein Bruder Sebastian von der Firma Henry Scherer Elektrotechnik aus Petersberg bringen Notlich
Mehrere Hundert Kilometer Kabel müssen in der Bautzener Arbeitsagentur neu verlegt werden. Grund dafür sind neue Brandschutz-Regeln. Christian Scherer (l.) und sein Bruder Sebastian von der Firma Henry Scherer Elektrotechnik aus Petersberg bringen Notlich © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Weil Thomas Berndt sich unterhalten möchte, muss er sein Fenster schließen. Zu laut schallen die Geräusche der Baustelle in das Büro des Chefs der Bautzener Arbeitsagentur. „Das sind die Pumpen“, erklärt er. Die kommen gerade bei den Bauarbeiten in der Tiefgarage zum Einsatz – ein eigentlich vergleichsweise leises Verfahren. „Manchmal“, so erzählt der Geschäftsführer, „sind die Bauarbeiten aber auch für einen Moment so laut, dass Gespräche nicht mehr möglich sind“.

Bei laufendem Betrieb wird derzeit in der Bautzener Arbeitsagentur gebaut. Ein Umzug während der Bauarbeiten war nicht möglich, weil es kein passendes Gebäude in der Gegend gab. Der Baulärm – er ist nicht das einzige Manko, das Bürger nun zu spüren bekommen, wenn sie die Arbeitsagentur besuchen. Einige Berater sitzen plötzlich in ganz anderen Räumen, „jeder der etwa 400 Mitarbeiter muss mindestens einmal umziehen“, sagt Thomas Berndt. Zeitweise war der Haupteingang gesperrt, nun gibt es weniger Parkplätze. Seit etwa einem Jahr wird gebaut – aber was wird da eigentlich genau gemacht? Und warum?

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Thomas Berndt konnte erst vor Kurzem wieder zurück in sein Büro ziehen. Auch hier wurde mehrere Monate lang gewerkelt. Nun ziert ein neuer Teppich den Boden, die Wände sind frisch gestrichen. Aber das ist natürlich nicht alles. Berndt zeigt auf den Lautsprecher über seiner Tür. „Wir bekommen eine komplett neue Brandschutzanlage“, erklärt er. „Unser Haus wurde 1995 gebaut, 1997 sind wir eingezogen. Die damaligen Bau- und Sicherheitsvorschriften entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard“, sagt er. Auf dem Flur vor seinem Büro gibt es nun deutlich mehr Rauchmelder als zuvor, in anderen Gebäudeteilen werden sie noch eingesetzt.

Dreieinhalb Jahre Bauzeit

Der Alarm wird im Falle eines Feuers oder auch eines anderen Ernstfalles künftig über eine neue Zentrale unten im Gebäude gesteuert. Durch die neuen Lautsprecher soll der Alarm dann auch besser zu hören sein. Auch die Fluchtwege im Gebäude werden ausgebaut. Leute, die von der Treppe in die Gänge abbiegen wollen, stehen nun in einigen Gebäudeteilen des Amtes bereits vor Glastüren. Die neu eingezogene Abtrennung soll sicherstellen, dass Besucher und Angestellte, wenn es im Gebäude brennt, im Ernstfall durch ein rauchfreies Treppenhaus fliehen können. Weil die Rauchmelder noch nicht komplett verkabelt sind, laufen derzeit jeden Tag vier Brandwachen durch das Gebäude – immer auf der Suche nach möglichen Feuern.

Insgesamt dreieinhalb Jahre sollen die Bauarbeiten dauern, und die neuen Brandschutzvorschriften für öffentliche Gebäude waren der Grund dafür. Eine ziemlich lange Zeit für ein paar Rauchmelder, denkt man – doch Thomas Berndt erklärt: „Der hohe Aufwand der Arbeiten zeigt sich in den Fluren. Die Decken müssen komplett geöffnet, hunderte Kilometer Kabel neu verlegt werden“, berichtet er. Zusätzlich zu den neuen Glaswänden werden zwei neue Fluchttreppen benötigt. Die sind größer als die alten und werden an beiden Seiten des Gebäudes angebracht. Außerdem beschloss sich die Agentur – weil jetzt ja sowieso angepackt werden musste – das Ganze dann auch gleich richtig anzugehen. „Die Teppiche waren verschlissen, die Holz-Fenster hätten auch bald ausgetauscht werden müssen“, erzählt Berndt.

Der Lärm, den Thomas Berndt gerade täglich hört, stammt von Pumpen, die einen Hochdruckwasserstrahl erzeugen. „Einige tragende Säulen waren von Korrosion betroffen“, sagt Berndt. Mit dem Wasserstrahl werden der Boden und die insgesamt 38 Säulen in der Tiefgarage abgetragen. Die Technik ersetzt noch lautere Presslufthammer. Im September soll die Sanierung der Garage abgeschlossen sein.

Weniger Parkplätze

Auf Parkplätze verzichten müssen die Besucher trotzdem: Weil in der Vergangenheit die Rettungszufahrten häufig zugeparkt waren, steht der Parkplatz der Arbeitsagentur künftig nur noch Mitarbeitern zur Verfügung. Lediglich eine geringe Zahl an Plätzen wird es in der Zukunft für Besucher geben. Auch Besucher der Kantine im Amt müssen sich im kommenden Jahr auf Einschränkungen einstellen: Weil auch dort wegen des Brandschutzes Umbauarbeiten stattfinden und die Räume mit neuer Technik ausgestattet werden sollen, wird die Kantine im kommenden Jahr für externe Besucher wohl für etwa sechs Monate geschlossen werden.

Insgesamt sechs Millionen Euro soll das Bauprojekt, für das der Bund aufkommt, kosten – die Sanierung der Tiefgarage noch nicht mit eingerechnet. Läuft alles nach Plan, können Besucher und Mitarbeiter im dritten Quartal 2020 aufatmen, die neuen Fenstern öffnen – und Ruhe genießen.

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