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Viel Lärm ums Gewerbegebiet

Die Gemeinde kommt den Firmen im Ottendorfer Gewerbepark sehr entgegen. Anwohner fühlen sich im Stich gelassen.

Von Marleen Hollenbach

Die Kopfhörer lässt er lieber auf. Einfach entspannt auf der Terrasse sitzen, das ist für Falk André nicht möglich. Dabei hat der Ottendorfer seinen Garten so idyllisch gestaltet. Einen kleinen Teich gibt es hier, eine Schaukel fürs Kind, Stühle zum Verweilen. Zur Ruhe aber kommt die Familie derzeit nicht. Es dröhnt, es scheppert, es kracht. Permanent, rund um die Uhr.

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Mit dem Lärm leben, das muss Falk André seit vielen Jahren. Hinter seinem Einfamilienhaus beginnt der Ottendorfer Gewerbepark. Der stand schon, als Falk André mit seiner Familie das Haus baute. Doch damals sei es einfach noch nicht so laut gewesen, weiß der Anwohner. „Es wird immer schlimmer. Und anstatt darüber zu reden, wie man den Lärm eindämmen kann, geht es nur darum, wie sich die Firmen erweitern können“, sagt er. Falk André ist Schichtarbeiter. Kommt er von der Nachtschicht, muss er sich ins Gästezimmer im Keller legen. Nur dort kann er zur Ruhe kommen. Eine Dauerlösung sei das aber nicht. Auch Roland Hempel wohnt in der Nähe des Feldweges in Ottendorf. Auch er hat genug vom Lärm. „Warum wollen wir jetzt auch noch die Vorgaben aufweichen, die uns Anwohner doch schützen sollten“, fragt er. Die Angst ist groß. Täglich wandert eine neue Information über die Gartenzäune. Von Erweiterung der benachbarten Firmen ist die Rede, von Produktion rund um die Uhr, von noch mehr Krach. Die Anwohner sind verunsichert, fühlen sich von der Gemeinde im Stich gelassen. Das ist auch der Grund, warum sie sich neulich versammelten. Gemeinsam verfassten die Ottendorfer Häuslebesitzer eine Petition. Fast 100 Bürger haben unterschrieben. „Natürlich wissen wir nicht, ob es etwas bringt. Aber wir wollen zeigen, dass wir mit diesen Erweiterungsplänen nicht einverstanden sind“, sagt Falk André. Dann betont er: Die Anwohner haben nichts gegen den Gewerbepark an sich. „Aber es muss endlich ein Weg gefunden werden, wie wir hier alle miteinander gut leben können.“

Die Interessen der Firmen auf der einen, die Sorgen der Anwohner auf der anderen Seite. Beides kennt Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald (parteilos). Er ist im Streit um den Lärm der Vermittler. Diese Aufgabe hat er nicht gewählt und doch muss er sie jetzt stemmen. „Ich möchte die Probleme nicht wegreden. Es gibt immer wieder Störungen. Aber das, was wir jetzt vorhaben, wird den Anwohnern nicht schaden“, sagt er. Den nördlichen Rand des Industrieparks möchte die Gemeinde von einem „eingeschränkten Gewerbegebiet zu einem „richtigen Gewerbegebiet“ umfunktionieren. Das ist notwendig, damit die Firmen Rechtssicherheit haben und auch anbauen können. Die Lärmschutzwerte sollen dabei eingehalten werden. Doch welche Werte hier überhaupt gelten, das muss jetzt ein Gutachten ermitteln.

Das Problem ist kompliziert, sagt der Bürgermeister. Deshalb hatte er sich in der jüngsten Ratssitzung Unterstützung geholt. Mit gleich zwei Juristen wollte er die anwesenden Gemeinderatsmitglieder von der Notwendigkeit des Projektes überzeugen, alle offenen Fragen klären. Kontingentierung war das Wort des Abends, also Zuteilung. Denn will man das Ottendorfer Gewerbegebiet verändern, dann muss auch die Lärmverteilung neu betrachtet werden. Doch das nimmt viel Zeit in Anspruch. Erst gegen Ende des Jahres werden die ersten Ergebnisse erwartet. Damit die Firmen in der Zwischenzeit nicht schalten und walten können, wie sie wollen, soll es eine Veränderungssperre geben. Das heißt aber nicht, dass sich die Firmen am nördlichen Rand in nächster Zeit gar nicht mehr wandeln können, beziehungsweise keine Neuansiedlung möglich ist. „Ausnahmen dürfen beantragt werden. Es liegt dann an uns, im Gemeinderat darüber abzustimmen“, erklärt Michael Langwald.

All das möchte der Bürgermeister auch den Anwohnern mitteilen. Eine Bürgerversammlung hatte Gemeinderat Tilo Bräunig (CDU) vorgeschlagen. Diese Idee greift Langwald auf. Eine solche Runde könnte er sich im Speisesaal der Ottendorfer Grundschule vorstellen. Falk André und die anderen Anwohner würden das begrüßen.