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Offene Türen, ausgebuchte Zimmer

Unterkünfte gibt es viele in Kreischa. Ein Zimmer findet man in aber teilweise nur mit Glück.

Von Sebastian Martin

Der erste Versuch läuft ins Leere, denn die Absage kommt prompt. „Nein, wir haben am Wochenende leider kein Zimmer für Sie frei“, sagt die freundliche Stimme am anderen Ende des Telefons. Okay, kein Problem. Schließlich gibt es in Kreischa und Umgebung Dutzende Unterkünfte. Mehr als 30 sind allein auf der Webseite des Heimat- und Fremdenverkehrsvereins gelistet, in denen laut der Vorsitzenden Fränze-Ulrike Göbel rund 250 Betten vermietet werden.

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Dennoch ist es anscheinend schwierig, spontan eine Übernachtung in Kreischa zu finden – vor allem fürs Wochenende, wenn viele Gäste von auswärts ihre Angehörigen in der Klinik Bavaria besuchen wollen. Etwa 1000 Patienten kann das Reha-Zentrum nach eigenen Angaben gleichzeitg aufnehmen.

Dementsprechend groß ist der Andrang auf die Zimmer. Und neben den Gästen der Patienten wollen ja auch noch Handwerker, Touristen oder Hochzeitsgesellschaften in Kreischa nächtigen.

„Am Pfingstwochenende hätten wir die Gäste wieder übereinander legen können“, sagt eine Vermieterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie bietet eine Ferienwohnung, ein Einzelzimmer und ein Doppelzimmer an. Letzteres ist bereits für die mehrere Wochen ausgebucht. Der Klassiker. Denn viele Gäste bleiben länger als eine Nacht. Daher ist es in Kreischa relativ schwierig, ein Zimmer nur für eine Nacht zu finden.

Das spürt man auch am Telefon. Denn Versuch Nummer zwei verläuft ebenfalls ins Leere. Wieder eine Absage. Der Aufwand sei relativ groß, sodass es sich eigentlich nicht rentiere, Gäste nur für eine Nacht aufzunehmen, heißt es. Fränze-Ulrike Göbel, die Vorsitzende des Heimat- und Fremdenverkehrsverein Kreischa, kann diese Argumentation nicht richtig akzeptieren. Sie sagt, dass die Pensionsbetreiber die Preise für Gäste, die nur eine Nacht bleiben wollen, lieber erhöhen sollten, anstatt sie abzuweisen.

Ein Dach über den Kopf erhält man als Tourist im Hotel Kreischaer Hof. Meist auch am Wochenende. „Zu 95 Prozent haben wir ein Zimmer frei“, sagt Geschäftsführerin Andrea Werner. Und sollten die 49 Zimmer komplett belegt sein, vermittelt sie die Gäste weiter – zum Beispiel an das Hotel Hähnel im benachbarten Possendorf.

Insgesamt würden zahlreiche Unterkünfte mit noch einmal etwa 150 Gästebetten in der näheren Umgebung von Kreischa zur Verfügung stehen, auf die die Mitglieder des Heimat- und Fremdenverkehrsvereins ihre Gäste notfalls verweisen, sagt Fränze-Ulrike Göbel. Ihr zufolge reicht das Angebot in Kreischa aus. „Die Auslastung liegt bei etwa 50 Prozent, am Wochenende oder an Feiertagen wie Ostern oder Pfingsten ist aber natürlich höher“, sagt sie.

Ob die Anzahl der Unterkünfte auch künftig noch ausreichen wird, ist allerdings ungewiss. Das Durchschnittsalter der meist nebenberuflichen Pensionsbetreiber liegt bei über 50 Jahren. Schon heute ist zu hören, dass manch einer aus Altersgründen das Geschäft aufgeben möchte. Und ob sich Nachfolger finden, ist ebenfalls fraglich.

Denn reich wird man mit einer Pension in Kreischa kaum. Die Preise sind gering und kaum wirtschaftlich. Eine Ferienwohnung bekommt man teilweise schon für 18 Euro pro Person und Nacht. Ein Einzelzimmer mit Frühstück kostet selten mehr als 20 Euro – sofern man Glück hat. Denn erst der Anruf in der vierten Pension führt zum Erfolg. Zum Pfingstwochenende hätte man vermutlich aber noch länger für eine Unterkunft in Kreischa telefonieren müssen.