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Viel Solidarität mit Sorbischem Institut

Die geplanten Kürzungensorgen im In- und Auslandfür Skepsis. Dass es auch anders geht, beweist einBlick nach Japan.

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Von Andreas Kirschke

Das Sorbische Institut soll massiv sparen. Ab 2013 soll die jährliche Förderung durch die Stiftung für das sorbische Volk um 500 000 Euro gekürzt werden. Im Institut soll die Stellenzahl von 28,5 auf 18,5 zurückgehen. Dies beschloss der Stiftungsrat am 30. Juni. Auf Antrag des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst wurde die Entscheidung über die Kürzungen vorerst vertagt. Der Wissenschaftsrat Deutschlands, so die Einigung in der Stiftungsratssitzung vor wenigen Tagen in Cottbus, soll das Sorbische Institut bewerten. In vielen Briefen aus dem In- und Ausland ans Institut zeigt sich starke Besorgnis über die Kürzungspläne.

So findet Monika Wingender, Vorsitzende des Deutschen Slavistenverbandes, dass das Sorbische Institut mit seiner Erforschung der Kultur des einzigen autochthonen slavischen Volkes in Deutschland von herausragender Bedeutung für die deutsche Politik, die Öffentlichkeit und für die deutsche Wissenschaft ist. „Durch die angekündigte drastische Kürzung würde der internationalen Wissenschaft sowie der Öffentlichkeit im In- und Ausland ein verheerendes Signal gegeben“, so Wingender.

Mìto Nowak, Mitarbeiter im Witaj-Sprachzentrum Cottbus, macht sich ganz konkrete Sorgen um die Zusammenarbeit beider Einrichtungen „Das Witaj-Sprachzentrum in der Niederlausitz benötigt ein starkes Sorbisches Institut als Partner für seine Bemühungen zur Revitalisierung der niedersorbischen Sprache. Mit den Einsparungen im beschlossenen Umfang steht zu befürchten, dass es Einschnitte geben wird und der Erfolg unserer Arbeit gefährdet ist“, gibt er zu Bedenken.

Und Benedikt Cyž, Sorbenbeauftragter des Kreises Bautzen, ergänzt: „Die öffentliche Verwaltung des zweisprachigen Kreises stützt sich oft genug in ihrer Alltagsarbeit auf Ausarbeitungen der sorbischen Wissenschaft wie zum Beispiel zur Geschichte und Sprachforschung.“

Japan investiert in Forschung

Längst hat die Debatte um immer stärkere Kürzungen für das in seiner Art einzigartige Institut auch über die Region hinaus für Aufsehen gesorgt. „Die vorgesehenen Maßnahmen der Stiftung würden nicht nur der sorbischen, sondern auch der internationalen Wissenschaft großen Schaden zufügen“, befürchtet Dr. Gerald Stone, Mitglied der Britannischen Akadamie der Wissenschaft. Dr. Goro Christoph Kimura, Sophia-Universität Tokyo verweist auf eine jahrelange Zusammenarbeit mit den Lausitzer Wissenschaftlern. „Seit 1994 stehe ich in Kontakt mit dem Institut und kann bezeugen, dass das Institut wissenschaftlich hervorragende Arbeit leistet, die international anerkannt ist. Aus der Perspektive der Wissenschaften gibt es keine Gründe, die eine Kürzung rechtfertigen könnten“, so der Forscher. Er nennt als Vergleichsgröße das Hokkaido Ainu Culture Research Centre in Japan, das sich mit der nationalen Minderheit der Ainu beschäftigt. „Statt Stellen zu kürzen, hat man 2008 an der Hokkaido Universität ein weiteres Zentrum für Ainu-Studien gegründet - zusätzlich zu bisherigen Abteilungen, die sich mit Fragen der Ainu beschäftigen. Dabei wurde auch Wert darauf gelegt, Stellen für Nachwuchswissenschaftler der Ainu zu schaffen“, berichtet Goro Christoph Kimura.