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Viel zu sehen am nicht ganz dunklen Sommerhimmel

Astronomie. Riesaer Sternenfreunde laden für Sonnabend zum Beobachten auf den Flugplatz Canitz ein.

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Von Jörg Mosch

Für die Amateurastronomen sind die Wochen um die Sommersonnenwende eigentlich eine Durststrecke. Zum einen müssen sie abends sehr lange warten, bis die Sonne untergegangen ist, zum anderen wird es selbst mitternachts – wegen der Sommerzeit erst 1 Uhr! – nicht richtig dunkel. Tief im Norden steht dann immer noch ein schwacher Dämmerungsstreifen. Ein Zeichen dafür, dass jenseits des Polarkreises die Sonne nicht mehr untergeht und beispielsweise in Schweden und im Baltikum die Weißen Nächte gefeiert werden.

In unseren Breiten heißt der schwache Abglanz des Polartages Mitternachtsdämmerung. Dass auch die ihren Reiz hat, wollen die Riesaer Sternenfreunde am Sonnabend ab 21.45 Uhr auf dem Flugplatz Canitz zeigen. Sie hoffen auf eine schöne Abenddämmerung und wollen ihre Fernrohre zu Beginn auf den Mond und den Gasplaneten Jupiter richten.

Jupiterstürme und ISS

Dem Erdtrabanten fehlen noch zwei Tage bis zum Halbmond. Im Gegensatz zum Vollmond, der im Sommer sehr tief steht, hat er noch eine brauchbare Beobachtungshöhe und zeigt im Teleskop beeindruckende Kraterlandschaften.

Auch Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems, ist ein lohnendes Beobachtungsziel. Nicht nur wegen seinen vier, bereits von Galileo Galilei beobachteten Monden. Sondern auch wegen seiner sich ständig verändernden Wolkenoberfläche. Obwohl Jupiter im Durchmesser elf Mal so groß wie die Erde ist, dreht er sich in knapp zehn Stunden einmal um seine Achse. Seine Wolken sind dadurch streifenförmig angeordnet. In einem dieser Streifen „schwimmt“ der Große Rote Fleck, ein seit Jahrhunderten tobender Wirbelsturm. Dieses Objekt, das immerhin von doppelter Erdgröße ist, hat in diesem Jahr unerwartet Konkurrenz bekommen. Red junior nennen die Astronomen den kleineren Sturm, der gegenwärtig südlich am Großen Roten Fleck vorbei zieht.

Mit etwas Glück können die Besucher des Riesaer Beobachtungsabend beide Stürme sehen. Gegen 22.20 Uhr steht der größere recht genau in der Mitte des Jupiterscheibchens. Er ist problemlos als orangefarbenes Oval auszumachen, während der Junior-Sturm ein geübtes Auge verlangt.

Aber auch von Menschenhand gemachte „Sterne“ werden an diesem Abend zu sehen sein. Zwischen 21.54 und 22.03 zieht die internationale Raumstation ISS ihre Bahn über den Himmel im Süden. Während sie bis 40 Grad Höhe steigt, dürfte das Space Shuttle „Discovery“ gegen 22.08 Uhr nur knapp über dem Westhorizont als auffallend heller Stern zu sehen sein. Es sei denn, der für 21.48 Uhr geplante Start wird noch einmal verschoben.

Leuchtende Nachtwolken

Voraussetzung, um all das zu sehen, ist natürlich wie immer ein wolkenfreier Himmel. Die einzigen Wolken, die sich die Sternenfreunde wünschen, sind die nur in diesen Wochen sichtbaren Leuchtenden Nachtwolken. Im Gegensatz zu den normalen, bis zu 13 Kilometer hohen Wolken, befinden sich diese zarten Wolkenbänder in 90 bis 120 Kilometern Höhe und werden von der nur wenige Grad unterm Horizont stehenden Sonne beschienen.