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„Viele abgeholzte Bäume waren gar nicht krank“

In fünf Jahren hat sich die Zahl der Fällungen nahezu verdoppelt. Die Grünen fordern intensivere Untersuchungen.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Juliane Richter

Das Fällen von Straßenbäumen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das geht aus einer Anfrage hervor, die Grünen-Stadträtin Andrea Schubert an die Verwaltung gestellt hat. Demnach hat die Stadt im vergangenen Jahr 741 Straßenbäume abholzen lassen. 2012 waren es noch 686, im Jahr 2011 noch 602. Doch wirklich deutlich wird der Anstieg beim Vergleich mit dem Jahr 2009. Wie im damaligen Straßenbaumkonzept nachzulesen ist, wurden zu dieser Zeit nur 300 bis 400 Bäume pro Jahr gefällt.

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Nach Auskunft von Stadtsprecher Karl Schuricht muss die überwiegende Zahl der Straßenbäume aus „Verkehrssicherheitsgründen“ ihr Leben lassen. Entweder sei ihr Zustand so, dass sie nicht gefahrlos am Standort verbleiben können, oder die Standfestigkeit sei nach Eingriffen in den Wurzelraum, etwa durch Straßenbauarbeiten, gefährdet. Grünen-Stadträtin Schubert kritisiert dieses Vorgehen. „Die Verwaltung führt immer wieder diese Verkehrssicherheitsgründe an. Aber dabei werden auch vollkommen gesunde Bäume gefällt“, sagt sie. Die Stadt kann diesen Vorwurf laut Schuricht nicht nachvollziehen und weist ihn zurück.

Etwa 200 Neupflanzungen pro Jahr

Doch Andrea Schubert führt Beispiele an, wie etwa die Fällungen zum Jahresbeginn entlang der Bautzner Straße zwischen Wilhelminenstraße und den Elbschlössern. Dort fielen auf einem langgezogenen Streifen mehrere alte Bäume den Kettensägen zum Opfer. Auch hier rechtfertigte die Stadt den Eingriff mit der Verkehrssicherheit und der geplanten Verjüngung des Stadtwaldes. Zwar gelten diese Bäume nicht unmittelbar als Straßenbäume, sie sind laut Schubert aber dennoch größtenteils unnötig gefällt worden. „Wie man an den meisten Baumstümpfen sieht, waren sie überhaupt nicht krank.“

Die 33-Jährige plädiert deshalb dafür, dass die Stadt die Bäume vor dem Fällen genauer untersucht. Mittels Ultraschall oder einer Tomografie könnten Pilze und Fäule sicher erkannt werden. Als unverhältnismäßig führt Schubert auch die Abholzungen von Straßenbäumen im vergangenen Jahr am Bönischplatz und in diesem Jahr an der Johann-Meyer-Straße an. Sie hat Bedenken, dass sich der Fälltrend fortsetzt. Denn der Bestand an Straßenbäumen ist noch weit entfernt von früheren Rekorden: So gab es 1928 etwa 60.000 Straßenbäume, zur Wende 1990 war deren Zahl auf etwa 28.000 gesunken. Nach Angaben der Stadt gab es Ende vergangenen Jahres dann wieder etwa 52.100 Straßenbäume in Dresden.

Je nachdem, wie viel Geld in den Haushalt eingestellt wird, investiert die Stadt in Neupflanzungen. So werden jährlich zwischen 200 und 250 Bäume, insbesondere an Einzelstandorten, nachgepflanzt. Grundsätzlich hatte das Amt für Stadtgrün im laufenden Haushalt 100.000 Euro für diese Pflanzungen zur Verfügung. Darüber hinaus hatten sich die Fraktionen in den Haushaltsverhandlungen aber geeinigt, diese Summe um 400.000 Euro zu erhöhen.

Wie aus der mündlichen Anfrage hervorgeht, sind somit im vergangenen Jahr insgesamt 838 Bäume an Straßen und 60 Bäume in Grünanlagen und Schulen neu gepflanzt worden. Dadurch konnten die Fällungen kompensiert werden. Der Grünen-Fraktion geht das jedoch nicht weit genug. „Wir sind sehr froh, dass die Stadt das macht. Allerdings bringen junge Bäume beim Kohlenstoffdioxid-Abbau bei Weitem nicht so viel Leistung wie die großen, alten Bäume“, sagt Andrea Schubert. Der Baumbestand spiele für das Klima bekanntermaßen eine wichtige Rolle. Auf Nachfrage, wie die Stadt nun auch Erkenntnisse des aktuellen Weltklimaberichts einbezieht, fällt die Antwort zurückhaltend aus: Insbesondere bei der Arten- und Sortenauswahl sei man bemüht, bei Neupflanzungen der Thematik gerecht zu werden. Allerdings könnten teilweise aus Denkmalschutzgründen nur historische Sorten nachgepflanzt werden.

Erfreulich ist, dass bisher für den Herbst keine neuen Fällungen von Straßenbäumen geplant sind. Bei Kontrollen seien aber immer kurzfristige Fällungen möglich, räumt Sprecher Schuricht ein.