merken
PLUS Dresden

Zweifel am Konzept zum Fernsehturm

Das Mobilitätskonzept lässt nicht nur aus Sicht der Dresdner Anwohner viele Fragen offen. Dazu kommen Kosten von über 40 Millionen Euro, die nicht jeder zahlen will.

Die Idylle ist doppelt trügerisch: Keiner weiß, wie lange noch Dampfer am Fernsehturm vorbeifahren und ob es gelingt, den Verkehr dorthin gut zu steuern.
Die Idylle ist doppelt trügerisch: Keiner weiß, wie lange noch Dampfer am Fernsehturm vorbeifahren und ob es gelingt, den Verkehr dorthin gut zu steuern. © Arvid Müller

Dresden. Jetzt ist es da, das Konzept, wie Besucher zum Dresdner Fernsehturm kommen sollen, wenn er wieder öffnet. Ziel ist es, die Gäste mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Wachwitz zu bringen, um die Anwohner zu entlasten. In die nötige Straßensanierung und den Bau von Park+Ride-Plätzen müssen rund 40 Millionen Euro investiert werden, zusätzlich zu den 26,5 Millionen Euro, die für die Revitalisierung des Turmes vorgesehen sind. Neben mehreren Anwohnern äußern inzwischen aber auch  Kommunalpolitiker Zweifel am Konzept. 

Vor allem der zeitliche Horizont, bis wann die Infrastruktur verbessert werden kann, scheint nicht mit dem der Fernsehturmeröffnung übereinzustimmen. Ob die Maßnahmen bis zur vorgesehenen Eröffnung  geplant, finanziert und auch tatsächlich umgesetzt sind, sei bei den langen Abstimmungsprozessen in der Verwaltung und den begrenzten Finanzmitteln zweifelhaft, sagt Stefan Engel, der verkehrspolitische Sprecher der SPD. Bei den DVB würden zudem zusätzliche Betriebskosten in Höhe von 600.000 Euro pro Jahr entstehen.

Anzeige
Durchstarten aus der Krise
Durchstarten aus der Krise

Das Experten-Team der IHK Dresden unterstützt Unternehmen dabei, möglichst schnell wieder zur betrieblichen Normalität zurück zu kehren.

Er hält es jedoch für unabdingbar, dass das Konzept funktioniert, wenn der Turm öffnet. Sonst seien Schleichverkehr und ungeordnetes Parken die Folge. Doch der öffentliche Nahverkehr habe nur eine Chance, angenommen zu werden, wenn die Reisezeit kurz ist. Dafür ist der Straßenausbau unbedingt erforderlich. "Bei anderen Planungen wie einem Parkplatz im Bereich Laubegast/Tolkewitz sind derzeit noch nicht mal passende Flächen absehbar. Ich bezweifle aber ohnehin, ob eine Kombination aus einem mehrere hundert Meter langen Fußweg, einer Fährfahrt und dem Umstieg in einen halbstündlich verkehrenden Kleinbus tatsächlich praktikabel ist.“

Die Konzentration von Straßenbau- und ÖPNV-Mitteln für dieses eine Projekt lehnt Engel ab." Wir brauchen in ganz Dresden, inklusive dem Hochland und Elbhang, spürbare Verbesserungen." Zudem fordert Engel, dass die Zeit zur Beteiligung am Mobilitätskonzept verlängert wird und es nicht bei den nur 14 Tagen bleibt. 

Gute Diskussionsgrundlage

Weitaus positiver ist da André Schollbach gestimmt, der Fraktionsvorsitzende der Linken. "Mit dem Konzept haben wir jetzt eine vernünftige Diskussionsgrundlage. Es setzt sehr deutlich auf den ÖPNV und will die Belastung der Anwohner reduzieren", sagt Schollbach. Das Ziel müsse sein, mit der Turmeröffnung auch alle nötigen baulichen Aktivitäten angeschlossen zu haben. Er habe Verständnis für die Sorgen der Anwohner, deshalb müsse man die mit den Interessen zur Eröffnung in Einklang bringen. "Jetzt ist Zeit, das Konzept dahingehend zu qualifizieren." 

Der Erfolg des Turmes hänge vom Konsens ab, den man mit den Anwohnern erzielt, sagt FDP-Mann Holger Zastrow. Ihre Belange seien von überragender Bedeutung, darüber sei man sich im Stadtrat einig. Aber das Mobilitätskonzept setze da gute Prioritäten.  

Kritisch schauen dagegen ie Grünen auf das Konzept. "Die Idee ist zunächst mal gut, die Besucher  auf den öffentlichen Nahverkehr lenken zu wollen", sagt Stadtrat Wolfgang Deppe. Die Frage sei, wie das umsetzbar ist. "Dafür müsste dort das Ordnungsamt ständig kontrollieren. Aber wie soll das gehen, wenn die Autos Dresdner Kennzeichen haben?", fragt Deppe. Er glaubt, dass viele Besucher dennoch mit dem Auto an den Turm fahren werden. "Und das ist den Anwohnern nicht zuzumuten."

Angesichts der Kosten von rund 40 Millionen Euro sei die Frage von Aufwand und Nutzen zu stellen. Denn davon würden ja nur Wenige profitieren und der Straßenbau schaffe eine weitere Belastung der Pillnitzer Landstraße. "Ganz zu schweigen von einem Parkplatz in Tolkewitz oder Laubegast. Ich kann nicht erkennen, dass es dort geeignete Flächen gibt." Insgesamt sieht Deppe die Vorschläge im Mobilitätskonzept kritisch.

Wasserbus als "Schnapsidee"

Zeitprobleme, die nötige Infrastruktur auszubauen, sieht auch Veit Böhm von der CDU. Allein schon die Verlegung der Straßenbahn-Schleife an die Rossendorfer Straße würde mindestens fünf Jahre dauern, der nötige Straßenausbau auch. "Das sind noch sehr viele Hausaufgaben zu erledigen", sagt Böhm. Als "Schnapsidee" bezeichnet er auch den Vorschlag im Konzept,  Touristen mit einem Wasserbus vom Stadtzentrum nach Niederpoyritz zu bringen, wo sie in den Bus umsteigen sollen. "Dafür müssten Anleger gebaut werden und wäre eine hohe Frequentierung nötig." 

Die, die von Anfang an Probleme mit der Turmeröffnung auf sich zukommen gesehen haben, sind erneut enttäuscht: Die Anwohner. "Wir wollen keinesfalls nur als die Verhinderer wahrgenommen werden", sagt Stefan Döring von der Bürgerinitiative Fernsehturm. Doch das Konzept lasse viele Fragen offen. Auch er fragt sich zum Beispiel, wie verhindert werden soll, dass im Zeitalter von Navigationssystemen die Besucher dennoch mit dem eigenen Auto anreisen. "Von Schildern lassen die sich doch nicht abhalten", ist Döring überzeugt. 

Weiterführende Artikel

Kommt Fernsehturm-Parkplatz zu spät?

Kommt Fernsehturm-Parkplatz zu spät?

An der Rossendorfer Straße soll der P+R-Platz entstehen. Doch bisher ist der früheste Baubeginn für 2026 geplant. Kippt damit das Mobilitätskonzept?

43 Millionen für Straßen zum Fernsehturm

43 Millionen für Straßen zum Fernsehturm

Das Geld wird für den Ausbau von Zufahrtsstraßen, den Bau von P&R-Plätzen sowie bessere Fußwege benötigt, erklären Verkehrsplaner im Mobilitätskonzept.

Schranken vorm Fernsehturm?

Schranken vorm Fernsehturm?

Der SPD-Ortsverein Elbhang kritisiert die Informationspolitik des Oberbürgermeisters im Vorfeld der Einwohnerversammlung.

Fernsehturm: Anwohner wollen mitreden

Fernsehturm: Anwohner wollen mitreden

Am kommenden Freitag stellt Dresden das Mobilitätskonzept zum Fernsehturm vor. Kritiker haben zahlreiche offene Fragen, was die Zufahrt und das Parken anbelangt.

Seine Bürgerinitiative schlägt stattdessen vor, den Turm als technisches Museum jeden Sonntag zwei Mal für eine Gruppe von je 50 Interessierten zu öffnen. Ehrenamtliche vom Fernsehturmverein könnten das womöglich betreuen. "So könnte man das öffentliche Interesse mit wenig Aufwand befriedigen und müsste auch nicht so viel Geld in den Ausbau des Turms investieren", sagt Döring. 

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden