merken
PLUS Riesa

Viele Güter, wenig Schiffe

Die Kenia-Koalition bekennt sich zum Hafen Riesa. Eine Partei allerdings nur mit deutlichen Einschränkungen.

Der Hafen Riesa ist ein wichtiger Umschlagplatz für Unternehmen aus der ganzen Region. Zuletzt kam allerdings nur noch ein einstelliger Prozentsatz der Güter per Schiff an.
Der Hafen Riesa ist ein wichtiger Umschlagplatz für Unternehmen aus der ganzen Region. Zuletzt kam allerdings nur noch ein einstelliger Prozentsatz der Güter per Schiff an. © Lutz Weidler

Riesa. Im Hafenareal stapeln sich die Container. Ein Güterzug wird von einem Portalkran beladen, Lkws fahren über das Gelände in Gröba. Nur Schiffe sind im Riesaer Hafen kaum zu sehen – eine Ansicht, wie sie typisch ist für die vergangenen Jahre. Wie das Wirtschaftsministerium erst jetzt wieder auf eine Anfrage der Linken bestätigte, wurden 2017 nicht mal fünf Prozent der Güter per Schiff umgeschlagen. Ein Wert, der sich seitdem auch nicht wesentlich verändert haben dürfte. Denn auch 2018 und 2019 waren durch die Trockenheit und die Ebbe in der Elbe denkbar schlechte Jahre für die Binnenschifffahrt.

Dennoch hatte sich Sachsens neue Koalition aus CDU, Grünen und SPD im Koalitionsvertrag gerade erst zum Erhalt des Hafenstandorts Riesa bekannt. Die Grünen lehnen den Bau des geplanten Containerterminals in Riesa allerdings nach wie vor ab. Die Elbe könne als Niedrigwasserfluss derzeit nur saisonal als Verkehrsweg eine Rolle spielen, sagt Grünensprecher Andreas Jahnel-Bastet. Um die Elbe als umweltfreundliche Alternative zum Straßenverkehr häufiger nutzen zu können, solle man aber nicht das Flussbett vertiefen – sondern lieber in eine moderne Binnenflotte investieren, mit umweltfreundlicheren Antriebstechniken und Schiffen mit geringerem Tiefgang. „Die aktuell eingesetzte Flotte ist völlig überaltert“, sagt Jahnel-Bastet. „Einige Touristenschiffe mit modernen Schaufelradantrieben zeigen, dass Modernisierungen möglich sind.“ Allerdings müsse man mit hohen Investitionen rechnen.

Anzeige
Hygiene ist der beste Infektionsschutz
Hygiene ist der beste Infektionsschutz

Die korrekte Anwendung der richtigen Desinfektionsmittel hilft beim Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus. Tipps und Angebote hat die Domos Apotheke.

Er verweist darauf, dass sich der Koalitionsvertrag zwar für den Erhalt des Hafenstandorts Riesa ausspricht – aber gleichzeitig gegen einen Elbeausbau und vor allem gegen den Bau der Staustufe bei Tetschen/Děčín. Im Vertrag ist zwar auch die Rede von „Maßnahmen zur Sicherung der Schiffbarkeit“, die sollten sich aber auf die jährlichen, millionenteuren Maßnahmen zur Sohlstabilisierung und Erosionseindämmung beschränken und dürften den Anforderungen des Naturschutzes nicht zuwiderlaufen. „Auch hier gilt für uns Grüne der Grundsatz, nicht die Elbe an die Wünsche der Schiffbarkeit anzupassen, sondern die Schifffahrt technisch und logistisch an den Gegebenheiten der Elbe auszurichten.“

Mit der Ansicht finden die Grünen auch im Riesaer Stadtrat einen Fürsprecher. Während sich der Riesaer CDU-Stadtverband den geplanten Ausbau des Hafens für unverzichtbar hält, sieht der frühere Kämmerer Markus Mütsch das ganz anders. Das CDU-Mitglied war wegen Differenzen mit seiner Partei bei der Kommunalwahl für die Freien Wähler angetreten und in den Stadtrat gewählt worden. „Es wäre ja schön, wenn durch das Festhalten der Staatsregierung am Hafen Riesa zukünftig mehr Güter über das Wasser transportiert würden. Dies ist aber gerade nicht der Fall“, sagt Mütsch. 

Hierzu müsste die Elbe ausgebaut werden, Staustufen geschaffen werden und leichtere Schiffe konstruiert und gebaut werden. „Hier fehlen im Freistaat Sachsen aber das Interesse und der politische Wille!“ Vielmehr sei es so, dass das Gelände des Hafens Riesa sukzessive zum Güterumschlagplatz für Schiene und Straße weiterentwickelt werde. Das führe zu deutlich mehr Lkw-Verkehr in Riesa, der das kommunale Straßennetz in der Stadt, aber auch in den Dörfern des Umlandes belaste. „Gleichermaßen ist mit einer erheblichen Zunahme an Lärm für die Anwohner zu rechnen“, so Mütsch.

Würde man wenigstens gleichzeitig die B 169 zur Autobahn weiter bauen, ließe sich der Lkw-Verkehr dort konzentrieren – was die Dörfer entlaste. „Davon ist im Koalitionsvertrag aber überhaupt keine Rede. Vielmehr ist davon auszugehen, da die B 169 nicht im Koalitionsvertrag genannt ist, dass man auch in fünf Jahren keinen Schritt weiter gekommen sein wird.“

Weiterführende Artikel

Containerrekord im Riesaer Hafen

Containerrekord im Riesaer Hafen

Zum dritten Mal in Folge steigert der Betreiber die Umschlagszahlen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings.

Das Verfahren zum Bau des neuen Containerterminals liegt momentan bei der Landesdirektion Sachsen. Wie die Behörde mitteilt, arbeitet der Hafenbetreiber SBO noch an angeforderten Planergänzungen. Laut Behördensprecher Ingolf Ulrich geht es dabei vor allem um Ausgleichsmaßnahmen für mögliche Hochwasser und um Ergänzungen bei den Themen Artenschutz und Landschaftspflege. Ein Entscheidungstermin lasse sich erst absehen, wenn die Planergänzungen vorlägen.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa