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Viele Speise-Eise sind teure Luftnummern

Verbraucherschützer kritisieren, dass bei Eis das Volumen und nicht das Gewicht zählt. Der Kunde zahlt auch für Luft.

In Eispackungen versteckt sich mitunter jede Menge Luft, die der Kunde teuer mitbezahlt.
In Eispackungen versteckt sich mitunter jede Menge Luft, die der Kunde teuer mitbezahlt. © Franziska Gabbert/dpa

Cremissimo gehört zu den beliebtesten Eismarken für zu Hause. Tatsächlich ist das Eis wunderbar cremig. Doch was viele nicht wissen: Erreicht wird das durch jede Menge Luft. Sie wird ins Eis gerührt und die Masse mit Zusatzstoffen stabilisiert. Diese Luft bezahlt der ahnungslose Kunde teuer mit, wie eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Hamburg eindrucksvoll beweist.

Die Verbraucherschützer haben sechs abgepackte Eisprodukte gekauft und dokumentiert, wie sich das Eis nach 24 Stunden bei Zimmertemperatur und nach dem Wiedereinfrieren verändert hat. „Manche Packung war dann nur noch zur Hälfte gefüllt“, sagt Ernährungsexperte Armin Valet. So sei das Volumen des laktosefreien Vanilleeises von Cremissimo mehr als doppelt so groß wie die Eismasse ohne Luft gewesen. Das Eis von Mövenpick, Edeka Bio und Cremissimo in der herkömmlichen Variante habe noch einen Lufteinschlag von über 50 Prozent enthalten. Nur Vanilla von Häagen-Dazs sei nicht durch übermäßig viel Luft aufgefallen.

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Die Grafik zeigt, wie sich das Eis bei Zimmertemperatur verändert – und wie wenig am Ende übrig bleibt.
Die Grafik zeigt, wie sich das Eis bei Zimmertemperatur verändert – und wie wenig am Ende übrig bleibt. © Verbraucherzentrale Hamburg

Verboten ist die Luft im Eis nicht. Doch die Verbraucherschützer kritisieren, dass abgepacktes Eis nur nach Volumen, nicht aber nach Gewicht gekennzeichnet werden muss. Damit können Kunden nicht erkennen, wer Zutaten durch Luft ersetzt – und dadurch Kosten spart. Valet: „Zwar schreiben viele Hersteller das Gewicht freiwillig mit auf die Packung. Doch für den Grundpreis, der Kunden beim Preisvergleich hilft, wird nur die Volumen-Füllmenge herangezogen.“ Zu welchen Preisverzerrungen das führen kann, rechnen die Verbraucherschützer vor. Beim Cremissimo laktosefrei lag der Grundpreis pro Liter bei 4,61 Euro, bei der Edeka Eiscreme Bio Bourbon-Vanille bei 5,86 Euro. Doch abzüglich der Luft ist das Edeka-Eis nicht teurer, sondern sogar billiger. Denn sein Grundpreis pro Kilogramm liegt bei 9,16 Euro, während er bei Cremissimo 9,51 Euro beträgt.

Die Luftnummern fielen zudem dadurch auf, dass mit mehreren E-Stoffen nachgeholfen werden musste. So enthält das laktosefreie Cremissimo gleich drei Stabilisatoren und einen Emulgator, dazu noch einen Farbstoff und Aroma – insgesamt 14 Zutaten.

Lobbyisten setzen sich durch

Auch beim letzten Eistest der Stiftung Warentest vorigen Sommer konnte Cremissimo nicht überzeugen. Häagen-Dazs schnitt als einziges Vanilleeis mit „Sehr gut“ ab. Schon damals wiesen die Warentester auf das Luftproblem hin. „Weil Häagen-Dazs am wenigsten Luft enthält, ist es so fest, dass es sich erst nach etwa zehn bis 15 Minuten portionieren lässt. Doch das Warten lohnt sich“, urteilten die Tester. Häagen-Dazs ist aber auch am teuersten.

Verbraucherschützer Valet hatte gehofft, dass die neue Fertigverpackungsverordnung, über die der Bundesrat im September entscheiden muss, mehr Klarheit für Eisliebhaber bringt. „Ursprünglich war vorgesehen, Speiseeis mit einer Maßeinheit wie Gramm zu kennzeichnen“, sagt er. „Doch die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie haben sich mal wieder durchgesetzt. Die Schaumschläger unter den Eisherstellern sollen weiter wie bisher machen dürfen.“ In Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich oder Holland sei die Nettogewichtskennzeichnung längst Praxis.

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