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Viele, viele Blumen für „Tante Regina“

Weigersdorf. Regina Fietze nimmt nach 45 JahrenAbschiedvon ihremBerufsleben.

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Von Bernhard Donke

Tränen standen Regina Fietze in den Augen, nachdem die Kinder der Kindertagesstätte ihr Lied beendet hatten. 43 Berufsjahre liegen hinter der sehr agil und temperamentvoll wirkenden Frau, die als Kindergartenerzieherin ihre ganze Kraft und liebevolle Zuwendung stets der Erziehung von Kindern gewidmet hat. Am Mittwochvormittag erhiete sie nun von den Kindern der Einrichtung ein kleines Abschiedsständchen. Ein Abschied in den Vorruhestand, der der in Tschernske geborenen und heute in Förstgen wohnenden Frau wahrlich schwer fällt.

Es wird sicher kein Abschied für immer. „Hin und wieder werde ich doch auch einmal vorbeischauen“, versichert sie ihren Kolleginnen lächelnd, während sie von den Kindern mit Blumen förmlich überschüttet wird.

Es war der Traumberuf

Wie nur wenige ihrer heutigen Altersgenossinnen kann sie auf ein erfolgreiches und ununterbrochenes Berufsleben zurückschauen. Fast auf den Tag genau hat sie 45 Jahre im Berufsleben ihren Mann bzw. ihre Frau gestanden. Und das noch dazu in ihrem Traumberuf. Aufgewachsen in einer Familie mit fünf Geschwistern, hatte sie schon frühzeitig den Wunsch, einen Beruf zu ergreifen, in dem sie mit Kindern arbeiten konnte. Dabei hatte sie auch etwas Glück.

Nach ihrer Schulzeit 1960 hat sie sich im Kinderkurheim Wunscha als Erziehungshelferin beworben und wurde sofort angenommen. „Damit ging mein Traum in Erfüllung, den ich seit meiner Schulzeit hatte: mit Kindern zu arbeiten“, erzählt sie. Ganze sieben Jahre blieb sie im Kinderkurheim, um dann als Erziehungshelferin in die Kinderkrippe des Waggonbau Niesky überzuwechseln. Ein Wechsel, der nur von kurzer Dauer war. Denn schon im Mai 1968 nahm sie die Tätigkeit als Erzieherin im Kindergarten Weigersdorf auf; nicht ahnend, dass sie hier 37 Jahre ihres Berufsleben verbringen würde. „Ein Berufsleben, das mich auch aus heutiger Sicht total ausgefüllt und befriedigt hat.“

Von Weigersdorf aus nahm sie ein Fernstudium am sorbischen Lehrerinstitut in Bautzen auf, das sie mit dem Staatsexamen als Kindergartenerzieherin abschloss. Mitte der 80er Jahre wurde ihr dann die Leitung der Einrichtung übertragen. Fast 20 Jahre hatte sie diese Position inne. 2003 gab sie die Leitung an Monika Dobrzykowski ab. Danach arbeitete sie ihre Kollegin in die Leitungsposition ein.

Auf die Frage „45 Jahre im Beruf und 37 Jahre immer auf der gleichen Arbeitsstelle, wie hält man das aus?“ antwortet sie: „Zum einen waren und sind wir immer unter den Kolleginnen ein gutes Arbeitsteam. Die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Gemeindeverwaltung als Träger der Einrichtung, war und ist immer sehr gut gewesen. Das sind doch Dinge, die die Arbeit zur Freude machen. Deshalb fällt mir auch der Abschied wirklich sehr, sehr schwer.“ Gab es nie Momente, in denen sie ans Aufhören dachte? „Sicher, es gab Höhen und Tiefen wie in jedem Berufsleben. Aber alle Probleme waren lösbar. Man braucht nur aufeinander zuzugehen“, so ihre Antwort darauf.

Mit dem Vorruhestand beginnt für Regina Fietze nun eine Zeit, in der sie sich verstärkt ihren Hobbys Reisen, Garten und Lesen widmen kann. Aber noch einmal wird sie in die Einrichtung kommen und ihre Sachen packen. Sie am Abschiedstag mitnehmen, das konnte sie nicht, da hing sie noch zu sehr an der Arbeit und den Kindern. „Doch bald wird es so sein, als wäre ich im Urlaub“, sagt sie mit tränenfeuchten Augen, die ahnen lassen, dass ihr der garantiert sehr schwer fällt.

Am Nachmittag erschien auch Bürgermeister Hans-Herrmann Zschieschank mit einem Blumenstrauß zur Verabschiedung seiner Mitarbeiterin in den Vorruhestand. Von den Eltern der Kinder, viele von ihnen waren selbst noch bei ihr in der Einrichtung, wurde sie mit vielen herzlichen Worten ebenfalls am Nachmittag im Rahmen der kleinen „Muttertagsfeier“ verab- schiedet.