SZ +
Merken

Viele Wege queren Mandau und Lausur

Über Mandau und Lausur in Großschönau spannen sich 22 Brücken und Stege, steinerne und stählerne Zeitzeugen und Denkmale der Verkehrsgeschichte verschiedener Epochen. Sieben steinerne Bogenbrücken, zwei im 18. und fünf im 19. Jahrhundert erbaut, sind besonders betrachtenswert.

Teilen
Folgen

Von Heinrich Erbe

Über Mandau und Lausur in Großschönau spannen sich 22 Brücken und Stege, steinerne und stählerne Zeitzeugen und Denkmale der Verkehrsgeschichte verschiedener Epochen. Sieben steinerne Bogenbrücken, zwei im 18. und fünf im 19. Jahrhundert erbaut, sind besonders betrachtenswert.

Unmittelbar nach der Landbrücke von 1769 (SZ vom 13. August 2003) wurde die so genannte Totenbrücke 1777 an der Waltersdorfer Straße, der Ausfallstraße nach Süden, über die Lausur gebaut (Aufwand 173 Reichstaler). Ihren makabren Namen soll sie von dem „Totenhaus“, dem ehemals in der Nähe befindlichen Gemeinde- und Armenhaus erhalten haben. Die mit zwei Bogen ausgeführte Brücke ist heute in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht mehr zu erkennen, da die späteren Verkehrsführungen mehrfach Veränderungen erforderten.

Einen zweifachen Bogen weist noch heute die Obere Schmiedebrücke an der Spitzkunnersdorfer Straße auf. Einst befand sich gleich daneben die obere Schmiede. Erbaut wurde der Flussübergang anstelle eines Steges im Jahre 1820 mit einem Kostenaufwand von 500 Reichstalern. Genau wie bei der Totenbrücke misstrauten wahrscheinlich die Bauausführenden der Statik bei einem Bogen und führten die Brücken mit zwei Bogen aus. Damit widerstand die Obere Schmiedebrücke größeren Belastungen, zum Beispiel, als am 9. Mai 1945 die Sowjetarmee mit ihren Panzern und schwerer Technik nach Großschönau einrückte.

Mit dem Bau der Chaussee von Warnsdorf nach Zittau ab 1831 machte sich auch ein Neubau einer Brücke über die Lausur erforderlich. An der Bogenbrücke war an der oberen Seite folgende Inschrift angebracht: „Erbauet im Jahre 1832. J. E. A. von Ingenhüff, Amtshauptmann, C. Bahse, Bauinspektor, C. G. Erler, Maurermeister.“ An der niederen Seite stand: „Durch die öffentlich hiermit dankbar anerkannte Aufopferung der Fabrik-Gemeinde zu Groß- und Neuschönau wurde diese Chaussee im Jahre 1832 erbauet.“ Auch damals wurden also die Einwohner schon zur Kasse gebeten.

Die eleganteste Bogenbrücke stellt wohl die Kupferhausbrücke am Deutschen Damast- und Frottiermuseum dar. Das „Kupferhaus“ wurde 1807 bis 1809 vom Damastverleger Christian David Waentig erbaut. Aus jener Zeit gibt es einen Stich, der dieses Haus mit einer Furt durch die Mandau und einen einfachen Holzsteg abbildet. 1853 wurde für 1 700 Reichstaler eine steinerne Brücke erbaut, die Großschönau von allen Brücken am wenigsten gekostet hat. Den Grund verriet eine Ehrentafel, die leider nicht mehr erhalten ist: „Mit dieser Brücke schuf sich Herr Gottfried Waentig (Sohn des Vorgenannten – d. R.) durch den Legat von 1 000 Talern ein bleibendes Andenken.“

Von ähnlich eleganter Gestalt ist die 1854 für 1 675 Reichstaler anstelle einer Holzbrücke errichtete Niedere Schmiedebrücke. Im Gegensatz zur Kupferhausbrücke ist der Bogen als Flachbogen ausgebildet. Auch hier ist der Erhaltungszustand gut, störend wirken allerdings die an beiden Seiten des Gewölbes außen angebrachten Versorgungsleitungen für Gas und Elektro.