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Corona: Wohnungen für Pendler gesucht

Hunderte Polen müssen in den kommenden Wochen in Görlitz bleiben. An Angeboten mangelt es kaum. Eine Chance für Hotels und Pensionen?

Von Maximilian Helm
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Mehrere Pendler sollen in der Villa Ephraim im Süden von Görlitz untergebracht werden.
Mehrere Pendler sollen in der Villa Ephraim im Süden von Görlitz untergebracht werden. © Pawel Sosnowski

Die Nachricht löste ein mittleres Beben in Görlitz aus: Ab Freitag wird das Pendeln zwischen Polen und Deutschland nahezu unmöglich. Denn alle nach Polen Einreisende müssen sich zwei Wochen in Quarantäne begeben - die bisherige Ausnahme für den Arbeitsweg wird abgeschafft. Das hatte die polnische Regierung am späten Dienstagabend entschieden. Derzeit gibt es in ganz Polen 1.085 bestätigte Corona-Infektionsfälle. 15 Menschen starben bislang.

Für die in Deutschland arbeitenden Polen gibt es jetzt nur zwei Optionen: In Polen zu bleiben oder für die Dauer der Regelungen (derzeit bis zum 13. April) nach Deutschland zu ziehen. Vor allem Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind betroffen.

Mehr Angebote als Suchende

Also werden kurzfristig Unterkünfte gebraucht. Der Kreis Görlitz hat sich bereits gestern spontan als Vermittler eingeschaltet und versucht nun, unterkunftsuchende Pendler und private Wohnungsgeber zusammenzubringen. "Die Zahl der angebotenen Unterkünfte übersteigt die Zahl der Suchenden bei weitem", sagt Landkreis-Sprecherin Franziska Glaubitz.

"Wir haben uns am Mittwoch bei den medizinischen Einrichtungen erkundigt, wer Bedarf an Unterkünften hat", sagt Glaubitz. Dabei habe der Landkreis jedoch festgestellt, dass die meisten Betriebe sich schon selbst gekümmert hatten. Sie hatten offenbar mit der Situation gerechnet. 

Nicht nur für Pflegekräfte

Das Krankenhaus St. Carolus, das insgesamt 16 Polen beschäftigt, bietet zum Beispiel Zimmer auf seinem eigenen Gelände an. Und auch das Görlitzer Klinikum teilte am Donnerstag mit, dass sich die meisten polnischen Ärzte und Pfleger für einen Verbleib in Deutschland entschieden hätten, jedoch nur noch ein Pole nach einer Unterkunft suche.

Als Reaktion darauf habe man die Vermittlung ausgeweitet, so die Landkreis-Sprecherin. War das Engagement anfangs nur für den medizinischen Sektor gedacht, werden nun auch Pendlern aus anderen Bereichen Wohnungen vermittelt. Auch die Stadt Görlitz beteiligt sich und hat auf ihrer Internetseite eine Liste mit geöffneten Hotels und Herbergen veröffentlicht. Derzeit sind es 22 Unterkünfte.

Zu den Unterkünften, die für Pendler ihre Türen öffnen würden, gehört auch das Hotel "Am Goldenen Strauß". Als Inhaber Roland Marth von der Unterbrechung des Pendelverkehrs hörte, habe er zuerst an das Klinikum gedacht, die Pfleger und Ärzte aus der Nachbarstadt Zgorzelec. 

"Das ist ja etwas, was für uns alle wichtig ist." Er nahm zunächst Kontakt zum Klinikum auf. "Wenn wir die Möglichkeit haben, ist es unsere Pflicht, in der ganzen Situation hilfreich zur Seite zu stehen." Wenn Polen also eine Unterkunft in Görlitz benötigen, würde er das Hotel für sie öffnen, so Marth.

Ein Mittel gegen die Durststrecke?

Auch das Unternehmen Görlitzer Kommwohnen ist dabei. "Wir haben uns kurzfristig entschieden, Ferienwohnungen in der 'Villa Ephraim' auf der Goethestraße bereitzustellen", sagt Jenny Thümmler, Medienreferentin des Unternehmens.

Sonst kommen hier Urlauber und Handwerker auf Montage unter - aufgrund der aktuellen Lage ist die Belegung derzeit jedoch reichlich überschaubar. Im Gesundheitswesen arbeitende Polen bekommen wie Tschechen derzeit 40 Euro pro Tag, wenn sie für die Dauer der Regelungen in Sachsen bleiben. Nicht zuletzt ist es daher auch für die Herbergsbetreiber ein willkommenes Geschäft, um die derzeitige Durststrecke zu überstehen.

In eigener Sache:

Die Zustellung der SZ ist ab Freitag in einigen Bezirken nicht mehr gesichert. Der Medienvertrieb Görlitz beschäftigt viele polnische Zusteller, die meisten von ihnen werden am Freitag nicht mehr zur Arbeit kommen können. Allerdings konnten am Donnerstag zumindest einige neue Zusteller gewonnen werden. Viele Zusteller übernehmen zudem mehrere Touren nacheinander. Dennoch ist noch nicht klar, ob und welche Touren zunächst unbesetzt bleiben. Wir bitten um größtes Verständnis, wenn die Zeitung ab Freitag nicht oder verspätet zugestellt wird. Eine Abholung in der Redaktion oder beim Medienvertrieb ist aufgrund der verschärften Sicherheitsmaßnahmen wegen Corona leider nicht möglich. (mit sod)

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