SZ + Leben und Stil
Merken

Vielen Kaminen droht die Abschaltung

In Sachsen gibt es hunderttausende Holzöfen, die oft zu hohe Schadstoffe ausstoßen. Für viele endet bald die Schonfrist. Umrüsten oder neu kaufen?

 5 Min.
Teilen
Folgen
Sieht gemütlich aus. Doch der Nachbar ist über das, was aus dem Schornstein kommt, nicht immer begeistert.
Sieht gemütlich aus. Doch der Nachbar ist über das, was aus dem Schornstein kommt, nicht immer begeistert. © 123rf

Von Melanie Schröder

Kalte Tage am Kaminfeuer genießen: Für viele ist das nicht nur eine romantische Vorstellung, sondern eine ökologische Überlegung. Doch Holz steht als umweltgerechter, nachwachsender Brennstoff in der Kritik. Jedes Feuer gibt Schadstoffe in die Luft ab – Feinstaub, Kohlenmonoxid, Ruß. Laut Umweltbundesamt könne der Feinstaub-Ausstoß eines Kamins sogar mit dem eines Dieselautos mithalten. 

Um Emissionen zu verringern, greift der Gesetzgeber ein. Ende 2020 endet nun eine weitere Schonfrist für viele Altöfen: Sie müssen per Gesetz stillgelegt oder umgerüstet werden.

Wie hoch ist die Feinstaubbelastung durch Kaminöfen in Sachsen?

In Sachsen gab es 2018 laut Schornsteinfegerverband rund 490.000 Kaminöfen, Kachelöfen und Herde, die mit festen Brennstoffen betrieben wurden. Die meisten Anlagen stehen im Erzgebirgskreis und im Kreis Mittelsachsen. Solche Kleinfeuerungsanlagen sollen laut sächsischem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie rund 15 Prozent des Feinstaubausstoßes im Land verursachen. Dieser Wert bezieht sich auf eine Partikelgröße mit einen Durchmesser bis zu 10 Mikrometer (10-PM). „Der größte Teil wird mit rund 70 Prozent durch Holzfeuerung freigesetzt“, so Sprecherin Karin Bernhardt.

In Sachsen gibt es 29 Feinstaub-Messstationen – neun an verkehrsreichen Straßen, neun im städtischen Hintergrund, sechs auf dem Land. Hinzu kommen Forschungsstationen. Die gesetzlichen, EU-weit gültigen Feinstaubgrenzwerte seien in Sachsen laut Bernhardt in den letzten fünf Jahren eingehalten worden. Der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm 10-PM-Feinstaub pro Kubikmeter Luft darf an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Wie man den Feinstaubausstoß eines Kamins mit dem eines Autos vergleichen kann, erklärt das Umweltbundesamt mit einem Beispiel: Demnach stößt ein neuer Kamin üblicher Größe bei Volllast in der Stunde etwa so viel Staub aus, wie bei 100 Kilometer Autofahren mit einem Pkw entstehen, der die Grenzwerte der Euro-6-Abgasnorm voll erreicht.

Welche Öfen sind überhaupt problematisch?

Viele Hauseigentümer müssen in den nächsten Monaten prüfen, ob ihr Kaminofen, Kachelofen oder Heizkamin für feste Brennstoffe wie Holzscheite, Pellets, Hackschnitzel oder Brickets den gesetzlichen Anforderungen der Bundes-Immissionsschutzverordnung entspricht. Betroffen sind ummauerte Feuerstätten mit einem industriellen Heizeinsatz und einer Leistung von mindestens vier Kilowatt, die zwischen 1985 und 1994 errichtet wurden, eine verschließbare Tür haben und folgende Grenzwerte überschreiten: 0,15 Gramm Staub und vier Gramm Kohlenmonoxid je Kubikmeter Luft. Aber auch Raumheizer wie Schwedenöfen, die nicht ummauert sind, müssen bis Ende 2020 nachgerüstet oder stillgelegt werden, wenn sie die Grenzwerte überschreiten.

Woher weiß ich, ob mein Ofen betroffen ist?

Auskunft über den Schadstoffausstoß gibt die Messbescheinigung des Herstellers. Alternativ kann auch der Schornsteinfeger eine Messung vornehmen. Für Geräte, die zwischen 1995 und 2010 in Betrieb genommen wurden, gilt eine längere Schonfrist bis 2024. Wer unsicher ist, wann sein Ofen errichtet wurde, dem rät Schornsteinfegermeister Dietrich Leonhardt aus Annaberg-Buchholz den Blick aufs Typenschild. „Oftmals versteckt sich das Datum noch hinter einer Herstellnummer.“ Auch könne man den zuständigen Schornsteinfeger fragen.

Offene Kamine, handwerklich errichtete Grundöfen, Kochherde sowie geschlossene Kamine, die auch im offenen Zustand betrieben werden dürfen, sind von der Regelung ausgenommen. Das gilt auch für historische Öfen, die vor 1950 errichtet wurden und noch an der gleichen Stelle im Haus stehen. Wurden sie umgesetzt, gilt ebenfalls die Frist Ende 2020.

Für Neugeräte gilt schon seit dem Jahr 2015 ein noch strengerer Grenzwert von 0,04 Gramm Staub und 0,125 Gramm Kohlenmonoxid pro Kubikmeter Luft.

Die Bundesregierung will mit neuen Vorgaben für die Höhe und Position von Schornsteinen gegen Luftverschmutzung durch private Kaminöfen vorgehen. 
Die Bundesregierung will mit neuen Vorgaben für die Höhe und Position von Schornsteinen gegen Luftverschmutzung durch private Kaminöfen vorgehen.  © Armin Weigel/dpa

Welche Gesundheitsschäden kann es für Nutzer und auch Nachbarn geben?

Ob Kaminöfen zur Gesundheitsgefahr werden, hängt laut sächsischem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie von Betriebsweise und Brennmaterial ab – zum Beispiel der Feuchte des Holzes. Entstehen beim Verbrennen beißende Gerüche, sollte man vorsichtig sein. „Was riecht, sind sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Sie entstehen, wenn mit zu niedriger Temperatur verbrannt wird und sind krebserregend“, so Leonhardt. Der Zusammenhang von Feinstaubemissionen und Krankheitsbildern wird noch untersucht – etwa in Bezug auf ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie kann ich meinen alten Ofen umrüsten?

Zwei Möglichkeiten der Nachrüstung zeigt Volker Lenz, Forschungsleiter am Deutschen Biomassezentrum in Leipzig, auf: Den Einbau eines elektrostatischen Abscheiders bzw. Partikelfilters oder den Umbau der Luftsteuerung. Die Nachrüstung des Abscheiders lohne sich nur für Öfen, die die Grenzwerte knapp überschreiten oder für sehr gute Altgeräte, denen lediglich der Messnachweis vom Hersteller fehlt. „Der Abscheider wird entweder im Schornsteinrohr eingebaut – dafür muss dieses aus Metall sein – oder an der Schornsteinmündung installiert. Bei einer Nachrüstung der Luftsteuerung wird eine Luftregelung vorgesetzt und ein Messsensor im Ofen installiert.“ Der Aufwand sei kostspielig und die Funktionalität nicht gesichert. „Für emissionsarme Geräte zahlen Sie heute zwischen 2.000 und 5.000 Euro“, sagt Lenz. Eine Nachrüstung könne man schon für 500 Euro hinbekommen, ob diese dann aber der Umwelt und der Nachbarschaft etwas bringe, sei dahingestellt.

Oder soll ich lieber gleich einen neuen Kamin kaufen?

Für alle, die sicher umweltfreundlich mit Holz heizen wollen, gilt seit Jahresbeginn ein neues Verbrauchersiegel: Das Umweltzeichen Blauer Engel zertifiziert damit nun auch Scheitholzkaminöfen. „Ein Partikelabscheider und oder optimierte Konstruktionen senken Staubemissionen erheblich, eine automatisierte Luftregelung vermeidet Fehler beim Verbrennen. Auch gelten für diese neuen Geräte noch strengere Emissionsvorgaben“, erklärt Lenz. Je nach Luxusfeatures könne so ein Gerät zwischen 3.000 und 10.000 Euro kosten. Bis Mitte des Jahres sollen die Blauen-Engel-Kamine den Markt kommen (mit dpa)

Nähere Infos zu Emissionen aus Holzöfen unter www.cert.hki-online.de

Die Bestimmungen der Rechtsgrundlage finden Sie unter www.sz-link.de/Immission

So heizen Sie möglichst schadstoffarm

Kaminofen mit Bedacht entfachen: „In der Regel heizt der Ofen zusätzlich zur Zentralheizungsanlage. Wenn er die Temperatur im ohnehin geheizten Gebäude dann nach oben treibt, öffnen viele das Fenster. So werden bis zu 70 Prozent der Wärme rausgeheizt“, erklärt Forschungsleiter Lenz. Sein Tipp: Vor dem Kaminfeuer das Thermostat runterregeln, damit die Wärme auch ausgenutzt wird.

Brennstoff muss sich eignen: Laut Umweltbundesamt sollten Kohleöfen nicht mit Holz und Scheitholzofen nicht mit zu großen Holzscheiten beheizt werden. Die Bedienungsanleitung gibt Auskunft, welche Brennstoffqualität erforderlich ist. Schornsteinfegermeister Dietrich Leonhardt ergänzt: „Die Größe des Brennstoffes muss der Feuerstätte angepasst werden, Holzscheite dürfen zum Beispiel nicht an der Wandung des Kamins anliegen.“ Auch sollte man auf Rundhölzer verzichten und das Holz demzufolge aufspalten.

Trockenes Holz: Die optimale Feuchte liegt zwischen zwölf und 18 Prozent und kann mit preiswerten Holzfeuchtemessgeräten aus dem Baumarkt zu Hause überprüft werden, so Schornsteinfegermeister Leonhardt. Da auch zu trockenes Holz hohe Emissionen erzeugt, sollte es nicht zu lange im Heizungskeller oder direkt am Ofen aufbewahrt werden.

Richtige Holzmenge: Mengenangaben der Bedienungsanleitung sollte man laut Lenz auf der Küchenwaage gern mal überprüfen. „Oft wird das Gewicht unterschätzt, was sofort zu hohen Emissionen führt. Der Brennraum reicht nicht aus, um das entstehende Holzgas abzureagieren.“ Wenn der Ofen voller Flammen ist, sehe das zwar toll aus, jedoch entstünden so Ruß und andere kritische Stoffe, die man dem Nachbarn nicht zumuten sollte. Eine kleine Holzmenge ist auch beim Anzünden ratsam.

Wichtiger Hinweis nach dem Feuern: Wenn die Glut heruntergebrannt ist, sollten alle Luftklappen dicht verschlossen werden. „Sonst verschwindet durch den Schornsteinzug die warme Luft nach draußen. Mit diesem Wärmeverlust geht auch der ökologische Effekt verloren“, so Lenz.

1 / 5