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Vielfalt statt Einfalt

Herder. Das Gymnasium wird im Kreis die erste „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

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Von Marco Mach

Schwuchtel, Nigger, Zecke, Negertante – Solche Schimpfwörter gehören heutzutage leider zum Schulalltag dazu, auch am Herder-Gymnasium in Pirna-Copitz. Schüler sollen sogar hin und wieder das Rollenspiel „Juden einfangen“ spielen.

Solche und ähnliche Fälle von Alltagsrassismus gegenüber Andersdenkenden, farbigen Menschen oder Homosexuellen waren für eine Handvoll Jugendliche vor zwei, drei Jahren ein Grund, sich für mehr Aufklärung und Toleranz stark zu machen – und sich um den europaweit vergebenen Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu bewerben. Jetzt hat die Schülergruppe, die sich „Variedad“ (spanisch: Vielfalt) nennt und ihre eigenen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, die Nachricht bekommen, dass dem Gymnasium der Titel verliehen werde. Dies soll im Herbst geschehen, vielleicht zur offiziellen Eröffnung der neuen Mehrzweckhalle.

Voraussetzung der Namensgebung ist nicht nur, dass das Ganze von Schülern ausgehen muss, sondern ebenfalls eine Unterschriftenliste. Mindestens 70 Prozent aller Personen, also der Schüler, Lehrer und Mitarbeiter des Gymnasiums, mussten zustimmen. Auch wenn sich einige offen wehrten, haben letztlich laut der Gruppe knapp 71 Prozent unterschrieben.

Erste Projekte wurden auch schon gestartet. Zusammen mit dem Pirnaer Alternativen Kultur- und Bildungszentrum veranstaltete man Vorträge über rechte Kleidung und Musik. Ältere Schüler hielten Unterrichtsstunden in den fünften und sechsten Klassen zum Thema Alltagsrassismus. Ein überdimensionales rotes Ampelmännchen informiert im Schulgebäude über aktuelle Ereignisse und entsprechende Veranstaltungen im Landkreis.

Mindestens ein Projekt beziehungsweise ein Schulfest gegen Rassismus hat die titeltragende Schule im Jahr zu organisieren, so die Vorgabe. Das erste derartige Fest, so „Variedad“, sei bereits mit dem Netzwerk für Demokratie und Courage in Vorbereitung.

Weitere Ziele der engagierten Schüler sind, den Geschichtswissenschaftler und Buchautoren Hugo Jensch als Paten zu gewinnen, vielleicht selbst eine Patenschaft des Bonnewitzer Kinderheimes zu übernehmen und Nachwuchs zu finden. Denn diejenigen, die das Ganze vorangetrieben haben, kommen im nächsten Schuljahr in die zwölfte Klasse. Wichtig sei nach ihren Aussagen aber auch, was außerhalb der Schule passiere. Doch da seien kostenlose Freizeitangebote Mangelware, kritisieren sie.

Sven Forkert, der Koordinator gegen Extremismus der Stadtverwaltung Pirna, findet es fantastisch, mit welcher Energie die Jugendlichen zu Werke gehen. Er würde sich freuen, sagt er, wenn sich noch mehr Schüler und Schulen um den Titel bewerben. Kommentar S.17