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Vielfalt und Mut zur Improvisation

Der Hoyerswerdaer Altstadt-Boulevard braucht bis Mai eine Entscheidung – die Hoffnung darauf ist allerdings groß.

Dorit Baumeister
ist City-Managerin
in Hoyerswerda.
Das Foto entstand beim Altstadt-
Boulevard 2019.
Dorit Baumeister ist City-Managerin in Hoyerswerda. Das Foto entstand beim Altstadt- Boulevard 2019. © Foto: Archiv

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Ob der Altstadtboulevard in diesem Jahr stattfinden kann, steht noch nicht fest. Wir fragten bei Citymanagerin Dorit Baumeister nach, ob es einen Plan B gibt.

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Frau Baumeister, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an den diesjährigen Altstadtboulevard denken?

Die Ungewissheit erzeugt viel Nebel im Kopf, jedoch begleitet von einer klaren Überzeugung: Wenn es irgendwie geht, müssen wir unbedingt daran festhalten. Sicherlich unter angepassten Rahmenbedingungen und mit mehr Mut zur Improvisation. Die unterstützende Wirkung für unsere Händler, Gastronomen, Dienstleister, Kulturschaffende ist mehr denn je erforderlich. Unsere Citymanagement-Vorbereitungen dafür setzen zurzeit auf das Prinzip Hoffnung. Alle formalen Anträge wurden eingereicht. Das Fördermittel vergebene Gremium vom Verfügungsfond „Zentren Gebiet Altstadt“ konnte jedoch Ende März nicht mehr tagen. Falls wir Anfang Juni starten dürfen, bräuchten wir bis spätestens Anfang Mai dazu eine Lösung.

Ist das alles nur eine Geld-Frage?

Entscheidend ist jedoch, dass wir ausreichend Akteure überzeugen können, sich trotz, der für Sie sehr schweren, ungewissen Situation, aktuell mit dem „Boulevard“ zu beschäftigen. Es ist ein großes Gemeinschaftsprojekt und kann nur als solches stattfinden. Wir haben unsere vielen Akteure dazu vor Ostern per Mail angefragt, ihnen Vorschläge zu angepassten Rahmenbedingungen unterbreitet, aber vor allem um ihre Meinungen und Ideen gebeten.

Was wird passieren, wenn der Boulevard nicht wie geplant durchgeführt werden kann?

Über eine generelle Verschiebung in den Herbst denken wir zurzeit nicht nach, eher über eine verkürzte, also zum späteren Zeitpunkt startende Variante. Aber auch hier gilt: Wir brauchen eine von der Mehrheit der Akteure gemeinsam getragene Entscheidung – und natürlich die gesetzliche Erlaubnis.

Wie sieht derzeit Ihr Alltag aus?

Ganz klar: Home-Office. Der Citymanagement-Arbeitsplatz ist in mein privates Büro umgezogen. Auf meinem Schreibtisch stehen drei Bildschirme, zwei Tastaturen und zwei Mäuse, was in der Bedienung gerne zur Verwechslung führt. Als in Teilzeit angestellte Citymanagerin bin ich täglich erreichbar und agiere entsprechend.

Haben Sie konkrete Projekte?

Meine freiberufliche Tätigkeit bringe ich momentan in ein ehrenamtliches Projekt ein. Mit ein paar Leuten haben wir innerhalb von einer Woche die Internetplattform www.maz-hoy.de auf die Beine gestellt. Unter dem Motto „Mit Abstand – Zusammenrücken“ möchten wir Angebote, Initiativen und Möglichkeiten zu Corona Zeiten im Raum Hoyerswerda bündeln, sichtbarer machen und damit ein unterstützendes lokales Handeln erzeugen. Es geht um den Erhalt der städtischen Vielfalt. Jeder kann dazu etwas beitragen. Bisher haben sich schon 54 Unternehmen, Vereine und Institutionen mit sehr vielseitigen Offerten eintragen lassen. Wir hoffen natürlich auf weiteren Zulauf und bitten die Bürger, diese Angebote kräftig zu nutzen. Seit seinem Antritt vor knapp drei Wochen stehe ich im sehr regen Austausch mit unserem neuen Hoyerswerdaer Wirtschaftsförderer Alexander Kühne. Wir unterstützen uns gegenseitig und stimmen uns zu erforderlichen Handlungen und Ideen für die Zeit nach Corona ab.

Haben Sie als Citymanagerin Tipps für Vereine und Einzelhändler, die ihre Läden geschlossen haben?

Diese Krise zeigt auf, wie wichtig eine gute Online-Präsenz in Kombination mit Online-Angeboten ist. Das hilft, handlungsfähig und sichtbar zu bleiben. Ich sehe hier großen Nachholbedarf im kleinteiligen Gewerbe. Hier müssen Vorbehalte und die Scheu „davor“ dringend abgebaut werden. Die Volkshochschule bietet bereits Kurse zum erfolgreichen Online-Marketing für kleinere Unternehmen an. Vielleicht könnte man hier auch Kurse für die Erstellung und Betreibung von Online-Shops einrichten. Heute gibt es dafür vorbereitete Internet-Formate, in die man sich einführen lassen kann, ohne gleich zum Programmierer zu werden.

Ihr Motto in diesen Zeiten?

Ich kann mich nur wiederholen: Wir müssen uns deutlich mehr als lokale Gemeinschaft betrachten, gemeinsam vitalisierende Projektideen und Aktionen entwickeln und realisieren. Unsere Kunden und Gäste sehen das Gesamtpaket. Sie wollen Vielfalt und sich willkommen fühlen. Ein übergreifendes Engagement schafft dafür das Wohlfühlklima. Das konnten wir die letzten zwei Jahre gut beobachten.


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