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Dresden

Fünf Brunnen, fünf Geschichten

Die Wasserspiele in der Dresdner Altstadt sind nicht nur schön anzusehen, wie die Besucher des Brunnentages erfahren durften.

Der Brunnentag spürt auch Wasserspiele auf, die man sonst nur selten sehen kann.
Der Brunnentag spürt auch Wasserspiele auf, die man sonst nur selten sehen kann. © Marion Doering

Wenn die Besucher des Dresdner Brunnentages eines erwarten, dann ist es – viel Wasser. Das kam am Sonnabend jedoch auch von oben, und zwar reichlich. Mehr als 50 Besucher wollten dennoch erfahren, welche Geschichten hinter den Wasserspielen stecken und schnappten sich einfach einen Schirm. „Ins Schwitzen werden wir heute zumindest nicht kommen“, sagte Organisator Detlef Eilfeld und gab am Vormittag auf der Brühlschen Terrasse den Startschuss. Fünf Geschichten:

Der Mythische

Der Delphinbrunnen auf der Brühlschen Terrasse wurde 1750 von Pierre Coudray geschaffen, die ersten Figuren stammten von Johann Gottfried Knöffler. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Replikate.
Der Delphinbrunnen auf der Brühlschen Terrasse wurde 1750 von Pierre Coudray geschaffen, die ersten Figuren stammten von Johann Gottfried Knöffler. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Replikate. © Marion Doering

Delphinbrunnen auf der Brühlschen Terrasse: August der Starke gab sich zwar alle Mühe, Dresden ein mediterranes Flair einzuhauchen. Man denke nur an die Orangerie im Zwinger. Delphine konnte aber auch er nicht in der Elbe heimisch machen. Trotzdem ist das Säugetier überall in der Stadt zu sehen – vor allem als Teil von barocken Wasserspielen wie dem Delphinbrunnen auf der Brühlschen Terrasse. Ja, das Tier sei damals beliebtes Motiv gewesen, sagt der Dresdner Springbrunnenbauer Eberhard Grundmann. Es sei ein Symbol für Lebendigkeit gewesen. Im Zusammenspiel mit den mythischen Figuren Neptun und seiner Gemahlin Amphitrite kommt dem Delphin noch eine andere Rolle zu. Er soll nämlich das Herz der Dame erweicht haben und sie auf dem Rücken zu Neptun gebracht haben, woraufhin sich beide vermählten. Grundmann verbindet mit dem Brunnen aber noch seine ganz eigene Geschichte. Nach der Wende durfte er ihn sanieren. Er baute Scheinwerfer ein, die im Wasser einen besonderen Welleneffekt erzeugen sollten. „Dann kam die Stadtbeleuchtung, stellte eine Laterne daneben auf und machte den Effekt zunichte.“ So hatte sich das Grundmann nicht gedacht.

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Der Neue

Noch kein Jahr sprudelt der neue Trinkbrunnen im Grünen Gewandhaus auf dem Neumarkt.
Noch kein Jahr sprudelt der neue Trinkbrunnen im Grünen Gewandhaus auf dem Neumarkt. © Marion Doering

Trinkbrunnen auf dem Neumarkt: Früher stand auf dem Neumarkt ein Gewandhaus. Im Zuge des Wiederaufbaus entschied sich Dresden, das Gebäude nicht wieder aufzubauen. Stattdessen entstand in den vergangenen Monaten an dieser Stelle das Grüne Gewandhaus - eine gepflasterte Fläche mit Mustern, die an Tuchbahnen aus anatolischem Kelim, venezianischer Spitze, Herringbone Tweed und Lausitzer Leinen erinnern. Darauf wurden 28 ahornblättrige Platanengepflanzt. Mittendrin können sich die Dresdner und Touristen im Sommer erfrischen. Ein modern gestalteter Trinkbrunnen aus Naturstein lädt zum Ausruhen ein. Eine Bronzetafel davor würdigt die Spender für das Grüne Gewandhaus.

Der Wiederentdeckte

Einst schmückte das Wasserbecken auf der Brühlschen Terrasse den Garten des Grafen Heinrich von Brühl. Dann verschwand es. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde es wieder freigelegt.
Einst schmückte das Wasserbecken auf der Brühlschen Terrasse den Garten des Grafen Heinrich von Brühl. Dann verschwand es. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde es wieder freigelegt. © Marion Doering

Brühlsches Becken: Viele Dresdner werden sich nicht erinnern können, das Wasserbecken auf der Brühlschen Terrasse zu DDR-Zeiten jemals gesehen zu haben. Aus gutem Grund, denn erst bei Bauarbeiten kurz nach der Wende stieß man auf die Überreste einer Gartenanlage, die im 18. Jahrhundert für Heinrich von Brühl angelegt wurde. Überdeckt waren sie unter anderem mit Asphalt, erinnert sich Brunnenbauer Eberhard Grundmann, der den Brunnen damals mit moderner Technik ausstattete. Graf von Brühl, der in der Gunst von August dem Starken stand, gehörte zu seiner Zeit zu den Großverdienern. Vom Wasserbecken führte eine Treppe hinauf zu seinem, nach ihm benannten Palais. Brühl starb 1763. Heute ist die Fontäne ein beliebtes Fotomotiv von Dresden-Touristen - wahlweise mit Hofkirche, Elbe oder Albertinum als Kulisse.

Der Versteckte

Wer wusste es? Das Oberlandesgericht am Schloßlatz beherbergt zwei der wertvollsten Wandbrunnen Dresdens.
Wer wusste es? Das Oberlandesgericht am Schloßlatz beherbergt zwei der wertvollsten Wandbrunnen Dresdens. © Marion Doering

Neptun und Amphitrite im Ständehaus: Der Mann umwirbt sie, die Frau ziert sich – es ist wie so oft im Leben, scherzt Detlef Eilfeld, als er sich zwischen Neptun und die auf einem Delphin reitende Amphitrite stellt. Die beiden Sandsteinfiguren sind Teil zweier Wandbrunnen im Foyer des Ständehauses. Vorher waren sie im Innenhof des Brühlschen Palais‘ untergebracht, das 1900 abgebrochen wurde, um Platz fürs Ständehaus zu machen – den damals neuen Sitz des sächsischen Landtags. Heute befindet sich das Oberlandesgericht darin. Weil Wasser früher ein knappes Gut war und es noch keine Pumpen gab, floss immer ein recht dünner Wasserstrahl aus den Skulpturen in die Brunnenbecken, sagt Springbrunnenbauer Eberhard Grundmann. Dass Neptuns rechter Arm abgebrochen ist, ist übrigens keine Hommage an die antike Kunst, sondern war vermutlich ein Unfall beim Umzug ins Ständehaus.

Der Idyllische

Drei Parabeln plätschern im Garten des Hofgartenhauses unterhalb der Brühlschen Terrasse.
Drei Parabeln plätschern im Garten des Hofgartenhauses unterhalb der Brühlschen Terrasse. © Marion Doering

Hofgärtnerhaus am Brühlschen Garten: Tausende Touristen flanieren Tag für Tag über die Brühlsche Terrasse. Doch nur die wenigsten werden einmal einen Blick hinter die Mauer des Hofgärtnerhauses gleich gegenüber des Albertinums geworfen haben. Dabei verbirgt sich dort ein kleiner Garten Eden mit einem ganz besonderen Wasserspiel. Aus drei Parabeln plätschert Wasser ins Grüne. Früher waren es noch mehr, sagt Detlef Eilfeld. Zwei Fontänen schossen in einem Bogen über den schmalen Gehweg und trafen erst auf der anderen Seite auf, sodass die Köpfe in den meisten Fällen trocken blieben. Inzwischen sind die Düsen aber mit Laub zugewachsen. Ein Ort zum Innehalten und Verschnaufen ist der Garten heute aber allemal.