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Vier Fragen vor dem Härtetest

Dass sich die Konkurrenz verstärkt, sieht Sportchef Ralf Minge gelassen – aber: Ist Dynamo denn stark genug?

Von Sven Geisler

Es ist die letzte Gelegenheit, der obligatorische Härtetest vor dem scharfen Start. Mit dem tschechischen Erstliga-Sechsten FK Teplice haben sich die Dresdner Dynamos einen entsprechend starken Gegner eingeladen. Die Partie morgen, 13.30 Uhr, im Willy-Tröger-Stadion in Pirna, soll Trainer Stefan Böger entscheidende Aufschlüsse geben für das Spitzenspiel am 1. Februar bei Preußen Münster.

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Knobloch stürmt weiterhin für die Eislöwen

Auch in der kommenden Saison wird Stürmer Tom Knobloch das Trikot der Blau-Weißen tragen.

Es wäre zwar nicht unrealistisch, vom Kampf um den Aufstieg zu reden. Schließlich fehlt dem Tabellenvierten nur ein Punkt zu Platz zwei. Trotzdem sollte niemand so vermessen sein, das, was vor einem halben Jahr unmöglich zu sein schien, wegen der guten Ausgangsposition plötzlich vorauszusetzen. Die Schwarz-Gelben stehen vor ihrer bisher größten Herausforderung, nämlich die gute Entwicklung fortzusetzen. Dabei sind noch einige Fragen offen. Die SZ gibt Antwortmöglichkeiten.

Kann sich Dynamo nochmit Neuzugängen verstärken?

Alle tun es. Arminia Bielefeld holt Manuel Junglas vom VfR Aalen, Münster verstärkt sich mit Aaron Berzel aus Darmstadt, die Stuttgarter Kickers mit Baxter Bahn vom FC St. Pauli, der MSV Duisburg greift mit Martin Dausch von Union Berlin noch mal an, Energie Cottbus mit dem in Chemnitz aussortierten Ronny Garbuschewski. Der CFC holt dafür Frank Löning aus Aue.

Dynamo dagegen kann bisher keinen Neuzugang vermelden. Dabei besteht Handlungsbedarf, nachdem mit Mathias Fetsch und Marco Hartmann zwei Stammkräfte ausfallen. „Es ist etwas auf den Weg gebracht“, sagt Ralf Minge. Mehr möchte der Sportvorstand nicht sagen, was daran liegen könnte, dass er in den vergangenen Wochen sehr viele Gespräche geführt hat, die aber über ein gutes Gefühl hinaus zu keinem Ergebnis führten.

Finanzielle Vorstellungen, sportliche Perspektive, Freigabe des anderen Vereins – es muss schon einiges passen, und das passte eben bisher nicht. Das passt sowieso im Winter selten so perfekt wie 2011 mit Dani Schahin. Der Stürmer kam damals als Leihgabe von Greuther Fürth und war mit zehn Toren maßgeblich am Aufstieg beteiligt. Inzwischen ist Schahin von Mainz zum SC Freiburg verliehen, kam aber in dieser Saison nur auf sechs Kurzeinsätze.

„Dani ist ein feiner Kerl, hat in Dresden richtig gute Arbeit abgeliefert“, sagt Minge. An eine Rückkehr des einstigen Publikumslieblings sei jedoch nicht zu denken, was erstens daran liegt, dass ihn Freiburg nun doch nicht mehr abgeben will, zweitens er aber auch nicht zur Linie passen würde. „Wir schaffen keine Dysbalance“, erklärt der Sportdirektor, und er meint damit: Dynamo zahlt weder eine hohe Ablösesumme noch ein Bundesliga-Gehalt.

„Wir bewegen uns in unserem Budget, daran hat sich nichts geändert.“ Minge darf zwar die ungeplanten Transfererlöse von geschätzt knapp einer halben Million Euro ausgeben, die Dynamo im Sommer für Robert Koch und Thorsten Schulz erzielt hat, aber die zusätzlichen Einnahmen aus dem DFB-Pokal bleiben unangetastet. „Wir haben als Verein noch andere Baustellen.“

Ist Dynamo breit genug aufgestelltfür den Kampf um den Aufstieg?

Die Frage stellt sich auch deshalb, weil einige Spieler in der Vorbereitung nur eingeschränkt trainieren konnten. Während Cristian Fiel und Luca Dürholtz seit gestern wieder voll dabei sind, legt Michael Hefele wegen leichter Kniebeschwerden vorsorglich eine Pause ein. Tobias Müller absolviert ein Aufbauprogramm. Dabei ruhten die Hoffnungen auf dem 21-Jährigen, der im Herbst nach einer Sprunggelenksverletzung den Anschluss verpasst hatte.

„Wir versuchen alles, ihn wieder dorthin zu bringen, wo er schon mal war“, sagt Minge. Müller hatte in der zweiten Liga nachgewiesen, dass er sich auf hohem Niveau durchsetzen kann. Mit ihm hätte der Trainer eine Option sowohl für den Angriff als auch fürs offensive Mittelfeld. Dort ist die Personaldecke nach dem Ausfall von Fetsch knapp. Ansonsten aber verfügt Stefan Böger für jede Position über Alternativen, auch weil einige zumindest aushilfsweise ungewohnte Aufgaben übernehmen könnten wie in den Testspielen Dennis Erdmann oder Marvin Stefaniak in der defensiven Schaltzentrale.

Und – wenn man so will – sind sogar zwei Neuzugänge da: Verteidiger Nils Teixeira ist nach schwerer Viruserkrankung zurück- und Außenstürmer Furghill Zeldenrust nach einem halben Jahr Eingewöhnungszeit angekommen. Dass die Konkurrenz personell aufstockt, bereitet Minge deshalb keine Sorgen. „Was spricht denn dagegen, dass unsere Jungs noch mal zehn Prozent zulegen? Das Vertrauen in die Spieler steht an erster Stelle.“

Welche taktischen und personellen Änderungen plant Böger?

Weniger ausrechenbar, nicht mehr nur auf Justin Eilers zugeschnitten sollte das Offensivspiel werden. Das hatte Dynamos Chefcoach zu Beginn der Vorbereitung angekündigt – und das taktische System leicht verändert. Jedenfalls spielten Dominic Baumann und Justin Eilers eher neben als hinter Sylvano Comvalius. Eine zweite statt hängender Spitze? Das könnte eine Variante sein, zumal Dynamo – wieder: nach dem Ausfall von Fetsch – keinen „Zehner“ hat, der Torgefahr ausstrahlt. Dürholtz traf bisher nur einmal, und das am ersten Spieltag.

Böger forderte außerdem von den Anschlusskadern, den Konkurrenzkampf zu erhöhen. Außer Zeldenrust hat auch Baumann zumindest einen Schritt in Richtung Startelf gemacht. Insgesamt aber konnten die Stammkräfte ihren Status verteidigen.

Der Kampf um die Nummer eins:Wer steht im Tor?

Benjamin Kirsten darf seit gestern die rechte Hand wieder bedenkenlos belasten. Trotz der Verletzung hat der Torwart kaum an körperlicher Substanz verloren, weil er de facto wie ein Feldspieler trainiert hat. Trotzdem ist fraglich, ob er sofort wieder die Nummer eins ist im Dreikampf um den Platz zwischen den Pfosten. Patrick Wiegers hat ihn in den anderthalb Spielen mehr als gut vertreten, gegen Cottbus mit einer Parade das Siegtor eingeleitet und einen Elfmeter gehalten. Für Böger gibt es also zunächst keinen Grund, den durch Kirstens Verletzung nötigen Torwartwechsel rückgängig zu machen.

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