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Vier Gründerzeithäuser auf einen Streich

Die Berliner Firma Thamm & Partner saniert in Straßen, die andere längst aufgegeben haben.An zahlungskräftigen Mietern mangelt es trotzdem nicht. Dafür gibt es Gründe.

Von Ingo Kramer

Das Geheimnis der dicken Frau hat Frank Schacher noch nicht gelüftet. Aber immer, wenn der Görlitzer Immobilien- und Versicherungsmakler das Haus Jauernicker Straße 61 betritt, hat er die Dame sofort im Blick. Gleich im Parterre prangt ihr Bildnis von der Decke. „Für uns ist interessant, ob sie aus der Erbauungszeit des Hauses stammt oder später dazu gekommen ist“, erklärt Schacher. Eine restauratorische Grunduntersuchung ist jetzt gelaufen, aber die Ergebnisse hat er noch nicht gesehen.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Das Gebäude ist nicht das einzige, in dem der 49-Jährige derzeit häufiger zu tun hat. Im Auftrag der Berliner Firma Thamm & Partner, die in den vergangenen acht Jahren insgesamt 24 denkmalgeschützte Häuser in Görlitz gekauft hat, begleitet er die Sanierung der Gebäude. Jetzt sind vier Sanierungen gleichzeitig angelaufen – die Löbauer Straße 5 und 20 sowie die Jauernicker Straße 61 und 62.

Dass das alles keine 1A-Wohnlagen sind, ist Schacher bewusst. Um die Vermietung macht er sich trotzdem wenig Sorgen: „Wenn man hochwertig und denkmalgerecht saniert, bekommt man die Häuser schnell voll“, sagt er. Aufzüge, Balkone, Parkett, Bäder mit Dusche und Wanne, gefragte Grundrisse sowie Stellplätze im Hof gehören bei Thamm & Partner zum Standard. Das lassen sich die Berliner, die seit 30 Jahren am Markt sind und auch in Berlin, Potsdam und Leipzig sanieren, einiges kosten. Schacher rechnet bei den vier jetzt angefangenen Häusern mit Kosten von insgesamt drei Millionen Euro. Nach der Sanierung werden die Häuser so gut wie nie weiterverkauft, sondern bleiben im Bestand.

„Der Erfolg der vorangegangenen Häuser rechtfertigt die Entscheidung, so weiter zu machen“, sagt er und spielt auf vier Gebäude am Otto-Buchwitz-Platz sowie in der Hugo-Keller-, Konsul- und Landeskronstraße an. Sie wurden 2010/11 saniert. Auch das sind keine 1A-Wohnlagen. Doch auch hier hat er Mieter gefunden. Bei Quadratmeterpreisen zwischen 5,20 und 5,50 Euro Kaltmiete kann sich freilich nicht jeder die Wohnungen leisten. Etwa 90 Prozent der Mieter seien berufstätig. „Die Dachgeschosswohnung in der Landeskronstraße hätte ich problemlos dreimal vermieten können“, erklärt Schacher.

Trotzdem legt der Bauherr Wert darauf, dass nicht jedes Haus gleich aussieht. Der Standard ist zwar überall hoch, aber in den Details sollen sich die Häuser unterscheiden. Deshalb arbeiten Thamm & Partner mit unterschiedlichen Planern und Bauleitern, aber auch unterschiedlichen Baufirmen zusammen. „Auch wenn wir zufrieden waren, nehmen wir beim nächsten Mal vielleicht einen anderen“, erklärt Schacher. Das hat auch den Charme, dass die Wohnungen sehr unterschiedliche Grundrisse bekommen. In der Jauernicker Straße 62 beispielsweise ist eine Maisonettewohnung vom Parterre zum ersten Stock dabei. Der Denkmalschutz habe mit solch ungewöhnlichen Lösungen kein Problem: „Wir beziehen das Amt immer von Anfang an in alle Planungen ein.“

Auch die Görlitzer dürfen teilhaben. In der Jauernicker Straße soll es zum Tag der offenen Sanierungstür am 17. Juni ein Hoffest geben, bei dem sich die stramme Frau einem breiten Publikum zeigen will. Die beiden Häuser in der Löbauer Straße dagegen werden zum Denkmaltag am 9. September geöffnet. Und Interessenten, die nicht bis zur Fertigstellung der vier Häuser im April nächsten Jahres warten wollen, können Grundrisse und Bautagebuch auch im Internet einsehen.

www.loebauer-strasse-5.de , die anderen drei Häuser haben analoge Adressen